Kreis Lörrach „Wir müssen Schule neu denken“

Die Oberbadische, 22.11.2013 04:14 Uhr

Von Peter Ade

Kreis Lörrach. Als Fazit eines vom Netzwerk Inklusion initiierten Fachgesprächs beim Sozialen Arbeitskreis (SAK) Lörrach empfiehlt CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster einen „Lörracher Weg“ als Trendsetter für die erfolgreiche – auch schulische – Integration behinderter Kinder in die „normale“ Gesellschaft.

Die Inklusions-Debatte hat in Deutschland gegenwärtig eine hohe Dynamik. Um im Bild einer Baustelle zu sprechen: Es ist viel los, eilig wird agiert, Programme werden geschrieben, Trägerleitbilder verändert. Die Anstrengungen basieren auf der im Jahr 2009 erfolgten Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention. Sie gibt Antrieb für Veränderungen in den Strukturen der Bildungslandschaft – bis hin zum Aus für Sonderschulen.

Damit verbunden ist eine Aufmerksamkeit und gewisse Bereitschaft zur Analyse der Situation von Kindern, die in benachteiligten Verhältnissen aufwachsen und leben. Bildungsgerechtigkeit herzustellen, sei ein gegenwärtig „sehr öffentliches Thema“, erklärte Professor Jürgen Clausen von der Katholischen Hochschule Freiburg in seinem Referat: „Neue Impulse der Inklusionsdebatte im Bereich frühe Bildung“.

Dazu brauche es „viel Know-how vor Ort“, forderte Clausen eine breit aufgestellte Diskussion unter Einbeziehung von Politik, Schulträgern, Eltern und Fachkräften der Pädagogik. „Wir müssen Schule ganz neu denken.“ Angesichts einer allgemein angestrengten Finanzlage warnte der Wissenschaftler eindringlich, Inklusion ausschließlich frei finanzierten Privatschulen zu überlassen.

Die Diskussionsteilnehmer – Leiterinnen und Leiter von Kindergärten und Schulen sowie regionale Fachleute aus Praxis und Verwaltung im Landkreis – waren sich einig, dass der Abbau von Bildungsbarrieren ein wesentlicher Ansatzpunkt ist, um allen Kindern gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Teilhabe zu gewähren. Nur so könne ein Klima geschaffen werden, in dem Kinder (unabhängig von bestimmten Merkmalen) freie Entfaltung und Entwicklung hätten. Frühkindliche Bildungseinrichtungen spielten eine wichtige Rolle.

„Wir brauchen in jedem Fall einen langen Atem und sollten uns der Real-Utopie stellen“, erklärte Moderator Bernhard Späth, ehemaliger Leiter des St. Josefshauses Rheinfelden-Herten. Isabella Pehlmann, Leiterin des dort angesiedelten Sonderschulkindergartens, sprach von guten Erfahrungen im Zusammenwirken mit zwei umliegenden Kindergärten. Es sei allerdings „äußerst schwierig“, bereitwillige Inklusionspartner zu finden.

Über die Arbeit des „Netzwerkes Inklusion im Landkreis Lörrach“ berichtete Mitarbeiterin Marie-José Rosenwald. Sie kündigte an, man werde sich im kommenden Jahr schwerpunktmäßig dem schwierigen Thema „Wohnraum für behinderte Menschen“ widmen.

 
 

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