Kultur Status Quo lässt Marktplatz vibrieren

mek, 21.07.2015 04:30 Uhr
Von Michael Werndorff
Lörrach. Zwischen den ersten Konzerten  in britischen Bars und dem Auftritt beim Stimmen-Festival 2015 liegen fünf Jahrzehnte, mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger und unzählige internationale Chart-Erfolge: Die Rede ist natürlich von der legendären Boogie-Rockband Status Quo, die im Rahmen ihrer  aktuellen Welttournee „Accept No Substitute“  den Reigen der Lörracher Marktplatz-Konzerte am Sonntagabend  lautstark beendete.
 
Kennst du einen, kennst du alle Titel, lässt sich augenzwinkernd anmerken, aber mit dem konsequenten Festhalten am bewährten Repertoire machten sie dem zahlreich erschienenen Publikum auf dem Marktplatz eine riesen Freude. Fanfarengleich ertönte ein Keyboardintro, welches den Marktplatz erbeben ließ, bevor Rick Parfitt auf seiner weißen Fender Telecaster den Opener „Caroline“ vom legendären „Hello“-Album aus dem Jahr 1973 anspielte und zeigte, wie es die nächsten 90 Minuten weitergehen sollte:   laut, temporeich und energiegeladen. Mit einem familiären „Hello!“, begrüßte der etwas wortkarge Francis Rossi die Zuschauer und deutete grinsend auf den Balkon des „Drei König“, von dem aus die Gäste das Geschehen beobachten. „Ihr seid etwas Besonderes“, kommentierte der 67-Jährige Musiker den begehrten Logenplatz, bevor es weiter ging mit „Little Lady“, „Hold Ya Back“ und dem Titel „Beginning Of The End“ des Albums „In Search Of The Fourth Chord“, das von den Musikkritikern positiv aufgenommen wurde.
 
Die fünf Musiker um Frontmann Francis Rossi zeigten, dass man auch noch im fortgeschrittenen Alter die Konzertbesucher mit schneidenden E-Gitarrenklängen, treibenden Rhythmen und eingängigen Melodien vom Hocker reißen kann. Bei der Band ist der Name Programm, denn abgesehen von einigen musikalischen Ausrutschern in der Vergangenheit, gibt es bei einem Konzert der Rockveteranen keine Überraschungen. Vielmehr durften sich die Lörracher Fans auf Bewährtes freuen, also bekannte Titel aus den Anfangsjahren des Quintetts und die obligatorischen Mitsing-Gassenhauer wie „Whatever You Want“ oder das nicht minder bekannte „Rocking All Over The World“, das auf keiner Best-Of-CD fehlen darf.
 
Das Rezept funktioniert seit Jahrzehnten, und was damals gut war, muss heute nicht schlecht sein. Hauptingredienzien des Status Quo-Sounds sind die charismatischen Stimmen der beiden Gründungsmitglieder Francis Rossi und Rick Parfitt sowie deren Gitarrenspiel,  das die Herzen der Fans höher schlagen und Kritiker verstummen lässt. Getragen wird das Ganze von einer treibende Rhythmussektion, gewürzt mit einer guten Prise Honky-Tonk-Piano sowie dezenten Klängen  der Hammond-Orgel.
 
Während andere Rockdinosaurier ihre Instrumente umstimmen, Titel einen Halb- oder Ganzton tiefer darbieten müssen, weil der Zahn der Zeit erbarmungslos an den Stimmbändern nagt, klangen die Gründungsmitglieder der Band trotz Drogen- und Alkoholexzesse vergangener Jahrzehnte erstaunlich unverbraucht und frisch. Zudem legten Status quo Elan und eine große Portion Spielfreude an den Tag, was den Funken im Handumdrehen überspringen ließ. Was folgte, war eine musikalische Reise durch 47 Bühnenjahre der britischen Boogie-Rocker. Getragen von Rossis charakteristischer Stimme durfte auch das rasante „Paper Plane“ von 1972 nicht fehlen, spätestens jetzt kochte der Marktplatz, und viele  Konzertbesucher bewiesen nicht nur Textsicherheit, sondern legten auch eine heiße Sohle aufs Parkett.
 
„Ich bin zwar kein eingefleischter Fan, aber die Musik der 1970er-Jahre begeistert mich“, sagte der Basler Martin Eichler nach dem Schlussakkord. Was Status Quo seit Jahren ablieferen, sei bodenständig und einfach klasse. Begeistert von der Spielfreude und der Interaktion mit dem Publikum zeigte sich auch der 53-jährige Hans-Peter Annen mit Ehefrau Petra, welche die Leidenschaft ihres Mannes nicht so gerne teilt, wie sie verriet. „Vieles klingt ähnlich, aber Melodie, Rhythmus und die Bühnenpräsenz der Musiker faszinieren mich“, betonte Annen, der eigens aus der Innerschweiz angereist war. Erst im vergangenen Jahr war er nach London gereist, um mehrere Konzerte der britischen Musiker zu besuchen.  „Die Band ist ein Phänomen, über alles andere lässt sich streiten“, lautete sein Fazit über einen Abend, der kaum einen Wunsch offen ließ – was der tosende Schlussbeifall eindrucksvoll bewies.

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