Von Jürgen Scharf

Bad Säckingen. In Bad Säckingen läuft zurzeit der zweite Grand Salon mit 74 Künstlern aus 15 Nationen. 16 der Künstler kommen aus dem Landkreis Lörrach, davon sind allein elf Mitglieder des Vereins Bildende Kunst Lörrach (VBK). Darauf kann der Verein stolz sein, denn es handelt sich bei dem Kunstsalon um eine kuratierte und jurierte Ausstellung.

Nicht nur VBK-Vorsitzende Marga Golz – sie ist selbst unter den Ausstellenden und wird nächstes Jahr Jurymitglied des Grand Salons sein – findet die starke Präsenz der Künstlermitglieder bemerkenswert. Zwei Mitglieder, Thomas Bossert und Elke Aurich, wurden gestern als Kategorie-Gewinner ermittelt, nachdem die Besucher ihr Votum abgegeben hatten. Diese sind bislang sehr zahlreich in die Villa Berberich geströmt – bis zum Sonntag wurden schon 1200 Besucher gezählt.

In der Jury sind die Bildhauerin Mechthild Ehmann, der Maler und Galerist Gerhard Hanemann und die Malerin Elena Romanzin, die selber mit ausstellen, aber außerhalb des Wettbewerbs um den von der Stadt Bad Säckingen gestifteten Publikumspreis. Romanzin wird in ihrer Kuratorenführung am Wochenende dezidiert auf die Werke der Preisträger eingehen.

Fast in jedem der sieben Themenräume im städtischen Kulturhaus Villa Berberich finden sich Arbeiten der regionalen Künstler. Die thematischen Kategorien sind Surrealismus, Landschaften, Porträt und Genremalerei, Stillleben, Symbolismus, Expressionismus und abstrakte Malerei. Im Landschaftsraum sind interessante Bilder zu entdecken wie eine grafisch wirkende schwarz-weiße Gebirgslandschaft von Peter Loretan, ein impressionistisch-atmosphärisch gemalter Olivenhain von Eloisa Florido Navarro und die Meeresimpressionen mit Möwen am Strand von Insa Hoffmann, die bekannt ist für ihre Wassermotive.

Unter den Arbeiten der Symbolisten ragt der „Trojaner“ von Marga Golz mit eingearbeiteten echten Holzstücken heraus. Ulrika Olivieri zeigt zwei ausschnitthafte Halbfiguren aus ihrer Serie „Taufe“, inspiriert von alten Familienfotos aus den 50er Jahren. Marek Stanislaw Puk präsentiert seine beliebten dekorativen Iris-Blumengemälde im selben Stilllebenraum wie Waltraud Wuchner ihr subtiles Aquarell-Blütenmotiv.

Aurich bekommt meisten Publikumsstimmen in der „Abstrakten Malerei“

Von Elke Aurich sieht man abstrakte Malerei in ihrer bevorzugten Farbkombination Blau und Schwarz. Aurichs Mischtechnik „Der blaue Traum II“ bekam die meisten Publikumsstimmen in der Kategorie „Abstrakte Malerei“. In der Stilrichtung expressiv-abstrahiert findet sich eine strukturbetonte Landschaft von Bettina Zielinski. Auffallend sind die vielen surrealistischen Bilder. Darunter zwei von Thomas Bossert, denen man ansieht, dass sie von Traumwelten und Vorbildern wie Dali und Magritte inspiriert sind. Bosserts rätselhaftes Ölbild „Hoffnungen und Träume“ siegte in der Kategorie „Surrealismus“. Unter den figurativen Motiven stechen zwei Pferdeporträts der aus Peru stammenden Rosa Maria Luna Briceno heraus, die sich als Pferdemalerin einen Namen gemacht hat.

Prominent in der Schau vertreten sind die Bildhauer: Heike Stadler mit der mysteriösen Sandsteinbüste „Anthromorphea“, Hans-Peter Zöllin mit der großen Lindenholzfigur „Philina“ und Manfred Schmid mit kleinen, anatomisch sehr präzisen weiblichen Bronzeskulpturen. Schon mehr in den Bereich Installation geht im abstrakten Raum die Zollstock-Konstruktion „Vermessen“ von Ulrich Wössner: ein Spiel mit Baumaterial und Betonverschalung.

Monika Gebhardt-Korth lässt in dem Bild „Im gliiche Boot“ mit silhouettenhaften Menschen an die aktuelle Situation der Flüchtlinge denken. Nach Ansicht von Kuratorin Elena Romanzin begeht man diese zweite Auflage des Grand Salons in spannenden Zeiten, in denen so mancher seine eigene kulturelle Identität durch Flüchtlinge, Migranten und Integration gefährdet sieht.

Für die aus Italien stammende Malerin, die sich selber als ein Beispiel für erfolgreiche Integration beschreibt, sind die vielen internationalen Künstler des Salons ein Beleg dafür, dass Kunst und kreativer Reichtum immer vom interkulturellen Austausch leben, ohne den es die Kunst, so wie wir sie kennen, gar nicht geben würde.