Lörrach Bewegungsförderung ist essenziell

mek, 21.03.2017 00:00 Uhr

Bei der Sportlerehrung im Burghof am Freitag hat sie ihren ersten größeren Auftritt: Lörrachs neue Sportkoordinatorin Laura Albert. Im Vorfeld hat sich Kristoff Meller mit ihr über Sportlerehrung, Vereinssport und die eigene Fitness unterhalten.

Frau Albert, Sie sind jetzt seit knapp drei Monaten in Lörrach, was ist Ihr Eindruck – wie sportlich sind die Lörracher?
Ich hab mit Begeisterung mitbekommen und teilweise auch bereits erlebt, dass es hier ein  breit gefächertes Sportspektrum gibt. Man muss die Angebote natürlich immer in Relation zur Einwohnerzahl sehen und dafür ist Lörrach sehr gut aufgestellt – es wird sehr viel getan für den Sport.

Die Stelle der Sportkoordinatorin wurde 2012  geschaffen, um „den Sport  im Allgemeinen, die Vereins- und Verbandsinteressen und die Gesundheitsförderung zu bündeln, weiterzuentwickeln und zu unterstützen“. Das klingt nach einem sehr breiten Aufgabenfeld. Wo wollen sie Akzente setzen?
Ich finde gerade dieses vielfältige Spektrum  sehr interessant. Für mich gibt es da keine Favoriten. Grundsätzlich ist es mir wichtig, die Bewegungsförderung  weiter auszubauen, beispielsweise mit dem Grundschulprojekt AGIL (Aktive Grundschulen in Lörrach, wir berichteten). Zu den Fördermaßnahmen gehört natürlich aber auch  die Sportlerehrung.

Ihre Vorgängerin Julia Willeke hat die Ehrung in den letzten Jahren immer weiter optimiert. Was erwartet die Sportler am Freitag?
Eine Veranstaltung lebt  davon, sich immer weiter zu entwickeln. So wird es auch in diesem Jahr kleine Veränderungen beim Showprogramm geben – unter anderem einige Mitmachangebote. Ich bin total gespannt wie das läuft. Das Programm steht, aber ich will noch nicht zu viel verraten, die Sportler und Bürger sollen es sich schließlich selbst anschauen.

Sport wird in Lörrach zum Großteil noch immer im Verein betrieben – die 42 IGTS-Vereine haben aktuell rund 15000 Mitglieder. Wie müssen sich die Vereine ihrer Meinung nach aufstellen, um auch künftig attraktiv zu bleiben?
Ich glaube, dass die Vereine immer attraktiv sein werden. Es gibt aber mehr Angebote und eine steigende Zahl von Individualsportlern, die außerhalb des organisierten Sports aktiv sein wollen. Meiner Meinung nach beißt sich das aber nicht. Man muss versuchen, den organisierten und den Individualsport an der ein oder anderen Stelle zu verknüpfen, Kooperationen zu schaffen und einfach offen zu sein für neue gesundheitsfördernde Angebote. Ich glaube, das läuft beides parallel und wird auch beides immer existieren.

Sie betrachten diese Entwicklung also  nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung für den Vereinssport?
Genau, weil der Trend dahin geht, dass  Bewegung und Gesundheit viel stärker im Bewusstsein des Einzelnen verankert sind. Das Interesse an diesen Themen ist viel größer als früher, demzufolge bewegt man sich auch mehr. Die Vereinstätigkeit in Verknüpfung mit individuellen, nicht-organisierten Sportangeboten ist eine gute Verbindung.

Gerade ältere Menschen die nicht topfit sind, trauen sich oftmals nicht in den Verein. Darum wurde unter anderem der Bewegungstreff im Freien ohne Anmeldung, Kosten oder Vereinszugehörigkeit ins Leben gerufen.
Genau. Den wird es auch in Zukunft geben. Der Treff im Rosenfels läuft sowieso super und für den Treff im Grütt haben wir jetzt eine neue Trainerin gefunden. Die Stadt möchte außerdem Dinge wie den Bewegungsparcours oder die Disc-Golf-Anlage im Grütt weiter ausbauen. Denn auch die Vereine profitieren davon, beispielsweise wenn die Fußballclubs  im Grütt den Bewegungsparcours benutzen oder ihr Lauftraining im  Park absolvieren.

Treten die Lörracher Individualsportler mit ihren Wünschen schon direkt an die Stadt heran?
Eher nicht,  Individualsportler gehen in der Regel einfach nach draußen und nutzen die Möglichkeiten, die sich bieten – ohne Hallen oder ähnliches. Wir sind aber immer offen für Trendsportanfragen wie Disc Golf, wo die „Chili Open“ erst kürzlich wieder viele auswärtige Sportler nach Lörrach gelockt haben. Alles was grundsätzlich mit Bewegungsförderung zu tun hat, versuchen wir zu unterstützen.

So lange es nicht zu viel Geld kostet.
Ja, aber das gehört bei jedem Unternehmen dazu. Aber darin sehe ich  eine meiner Aufgaben: diese Anregungen  aufnehmen und nach Möglichkeit  unterstützen.

Wie das bereits angesprochene  Projekt AGIL, das Grundschüler fitter machen soll. Wie wichtig ist Bewegung gerade für Kinder und wie groß sind die Defizite?
Die Bewegungsförderung  im Kindesalter ist essenziell, aber Kinder sind von der Koordination und Kondition heute eingeschränkter als früher. Dank der besseren wissenschaftlichen Untersuchungsmöglichkeiten gibt es inzwischen auch genauere Ergebnisse mit mehr Aussagekraft. Das ermöglicht es uns, Kindern und Eltern individuelle Bewegungsempfehlungen auszusprechen. Die Warscheinlichkeit ist einfach größer, das ganze Leben lang aktiv zu sein, wenn man schon früh Lust  auf die Bewegung bekommt.

Und wie sieht das bei Ihnen aus? Bleibt zwischen Sportlerehrung und Stadtlauf genügend Zeit, um sportlich aktiv zu sein?
Das ist ja gerade die Herausforderung: ­seinen inneren Schweinehund besiegen und nach der Arbeit noch Sport zu treiben. Mein Steckenpferd ist das Leistungsturnen. Das habe ich 20 Jahre lang gemacht, auch als Trainerin. Aber irgendwann wird man fürs Turnen  zu alt und sucht sich Neues. Aufgrund städtischen Weiterwanderungen habe ich im Verein nichts mehr gefunden und mache nun alles was draußen passiert: Mountainbiken, Klettern, aber auch klassische Fitness, da kommt man aber um das Fitnessstudio nach Feierabend nicht herum. Ich verbinde Sport und Arbeit beispielsweise auch  am Wochenende wenn ich hier eine Veranstaltung habe und fahre mit dem Fahrrad Richtung Heimat (Müllheim). So kann man trotzdem mehr oder weniger aktiv sein – je nachdem ob man über den Blauen fährt oder nicht. 


Zur Person:
Die Sportwissenschaftlerin stammt aus Berlin und war zuletzt bei der Freiburger Bäderverwaltung tätig.
Als Sportkoordinatorin wird sie sich um bestehende Projekte wie den laufenden Schulbus, Fitnessprogramme und den Schnupperpass kümmern, Veranstaltungen wie Sportlerehrung und Stadtlauf durchführen sowie eigene Ideen einbringen.
Dabei spielen Kooperationen mit Kindertagesstätten und den Schulen ebenso eine Rolle wie die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen.