Lörrach Da geht die Post ab – und Gudrun

Die Oberbadische, 20.02.2014 20:07 Uhr

Von Guido Neidinger

Lörrach. Vorhang auf für die Lörracher Zunftabende. Neunmal treten die Zunftmeister in der Alten Halle Haagen auf. Die Premiere war ein gelungener pointenreicher Comedy-Mix, der vor allem in der ersten Halbzeit Glanzpunkte setzte.

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Als Pausenclown und Conferencier hat sich die Zunft diesmal für einen knorzig-witzigen Pöstler (Andreas Glattacker) entschieden. Wenn das ein Zeichen sein soll, ist es ein gelungenes Signal. Denn von der ersten Minute an kommt der Zunftabend in Fahrt: Da geht mächtig die Post ab. Mit der Eröffnungsnummer „D’ Dilestantestadl“ gehen Klaus Ciprian-Beha, Hansi Gempp und Karl-Heinz Sterzel gleich in die Vollen.

Die Lörracher „Verkehrs-WilkeKür“ mit Nierenschlaufen, Kreisel gegen den Sinn, Zollfreie, die den Weilern endlich ein Licht aufgehen lässt, wenn sie aus dem Tunnel kommen, sind dankbare Themen. Die Nummer würde auch als krönender Abschluss passen. Besser noch als der traditionelle X-Sang, der diesmal nicht ganz die gewohnte Begeisterung entfacht, was auch akustische Gründe hat.

Übrigens: Es gibt Auf- und Absteiger beim Zunftabend. Wurde vor Jahren Alt-Stadtrat Konrad Bauer noch emsig durch den Kakao gezogen, so schaffte es diesmal Natali Fessmann, professionelle Leserbriefschreiberin und Bürger-Verkehrsexpertin, mit einer Hauptrolle in die Zunftabend-Charts, göttlich gespielt von Hansi Gempp. In „Voll easy“, einem Gespräch zwischen abhängenden Jugendlichen mit einem Großvater (Ralf Buser), kann sich der Zunftnachwuchs mit Philipp Buser und Christoph Schuldt neben Stephan Vogt überzeugend präsentieren. Überhaupt, mit diesem Nachwuchs braucht der Zunft vor der Zukunft nicht bange zu sein. Beide werden immer wieder gekonnt eingebaut und überzeugen. So glänzt Philipp Buser als Weltraummüll sammelnder Schweizer Astronaut, während Christoph Schuldt wohl nicht zum letzten Mal Bürgermeister Michael Wilke persifliert hat.

Einen höchst amüsanten Blick auf die Kandidatenkür für die anstehenden Kommunalwahlen gewährt „D’ Sichtig“. Und „In Dubio pro Regio“ tritt mit Getöse „Walküre Gudrun“ (Stephan Vogt) auf und will eine unabhängige Republik am Oberrhein ausrufen, bevor sie nach Stuttgart entfleucht. Ein Leckerbissen allererster Güte, garniert mit viel Situationskomik, ist „Geheim“. Klaus Ciprian-Beha und Hansi Gempp bieten einen fernsehreifen Einblick in die Welt des Abhörens. Als „undichte Stelle im Rathaus“ enttarnen sie „Flachdach“ und finden heraus, dass es in Lörrach sieben schlafende Agenten gibt – die Siebenschläfer. Die schönste Kulisse dürfen die Besucher in „All inclusive“ bewundern – eine mit Schweizerkäse behangende Raumstation.

Apropos Kulisse, für die Andreas Kühn, Hans-Werner Schuldt und Hanspeter Goldian verantwortlich sind: Sie beschränken sich nicht auf zweidimensionale Bilder. Auffallend ist die Dreidimensionalität mit Spielgeräten oder einem Brunnen. Bestens harmonieren die Zunftmeister mit Rolf Hausers „Nightshadows“. Die Band gehört zum eingespielten Team und bringt den Saal immer wieder in Stimmung, wenngleich bisweilen ein paar Dezibel weniger gut täten.

Oberzunftmeister Stephan Vogt und sein Stellvertreter Andreas Glattacker haben ein leistungsstarkes Ensemble aus bewährten Kräften mit Hansi Gempp, Karl- Heinz-Sterzel und Klaus Ciprian-Beha beisammen, die Garanten für einen gelungenen Abend sind. Ralph Buser wächst immer mehr in die Rolle des Schauspielers hinein und macht seine Sache prima. Im Hintergrund sind Ellen Quercher (Souffleuse), Heike Geitlinger (Maske), Lukas Grussenmeyer (Technik) und Bärbel Jung (Bar) unverzichtbare Kräfte. Die Zundelgirls bringen eine brasilianisch-fasnächtliche Note ins Programm, treten – wohl aus Zeitgründen – aber nur einmal auf, und der Stadtspielmannszug gehört quasi zum Zunftabend-Inventar. Bürgermeister Wilke hat inmitten der Cliquen-Abordnungen sichtlich Spaß an seinem fasnächtlichen Amt als Protektor. Man wächst eben an seinen Aufgaben.

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