Lörrach Ein riesengroßer Zappa-Strauß

Die Oberbadische, 21.03.2017 07:18 Uhr

Lörrach. Gleich am Anfang verließ eine Zuhörerin das Konzert. Vorher machte sie ihrem Ärger Luft. Lieber würde sie putzen als sich das da anzuhören, erklärte sie ein paar Besuchern. Dem 1993 verstorbenen Frank Zappa hätte derlei Ehrlichkeit wohl gefallen. Ihm war der Abend im Burghof gewidmet. Und dass die Musik bei jener Hörerin nicht gut ankam, lag nicht an den „Grandsheiks“, die sie als Cover-Band brillant wiedergaben, sondern an Zappa selbst, der sie so in die Welt gesetzt hat.

Die Grandsheiks spielten vor etwa 60 Leuten. Einige von ihnen haben schon den letzten Zappa-Huldigungen im Burghof beigewohnt: Franks Sohn Dweezil lockte im vergangenen Jahr über 1000 Besucher an, 2015 spielten „Fido“ und 2013 die „Grandmothers of Invention“, die wie die Grandsheiks vor eher überschaubarem Publikum im Foyer auftraten. Diesmal war das Foyer mit Tischen und Stühlen bestückt, sodass nicht getanzt, dafür aber umso konzentrierter gehört, studiert und verglichen werden konnte.

Und die Musik? Blieb in sämtlichen Aspekten nah am Meister. Was umso erstaunlicher ist, als die Grandsheiks allem Anschein nach selbst Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten sind und sich keineswegs aufs bloße Kopieren verlegen. Allen voran der exzentrisch performende Sänger Maximilian Hilbrand, der eine „Frühlingsshow mit einem riesengroßen Strauß unvergesslicher Zappa-Melodien“ ankündigte und später nochmals durchblicken ließ, dass er mit den Gepflogenheiten der Schlagerbranche vertraut ist: „Ist das verdrehter Jazz oder pervertierter Rock?“, fragte der gebürtige Offenburger in sonorem Englisch. „Schreiben sie die Antwort auf eine Postkarte und gewinnen Sie Tickets für Helene Fischer.“ Durchaus zappaesker Humor.

Aktuelle politische Spannungen aufs Korn nehmend, machten die Grandsheiks „Gülen“ zur Parole des Abends und ließen fortan die Songs nahtlos ineinander gleiten, was aufgrund der vielen Rhythmuswechsel in fast jedem Stück gut funktioniert. Zum Beispiel „Dancin’ Fool“ vom 1979er Album „Sheik Yerbouti“, „Brown Shoes Don’t Make It“ vom Album „Absolutely Free“ (1967), „Joe’s Garage“ aus der gleichnamigen Rockoper von 1979 oder „Stinkfoot“ von der 1974 erschienenen Platte „Apostrophe“. Letzteres enthält unter anderem einen Dialog zwischen Mann und Hund über Schweißfüße – Maximilian Hilbrand ließ bei dieser Gelegenheit einen Hund in Form einer Handpuppe zu Wort kommen. Bei „The Poodle Lecture“ hatte „Fido“ einen weiteren beklatschten Auftritt. Andere Stücke, etwa das TV-kritische „I’m the Slime“ (1973), scheinen heute so aktuell wie damals.

Für die musikalische Klasse sorgten die fünf hervorragenden Instrumentalisten Jörg Heuser (Gitarre), Thomas Schmittinger (Gitarre), Andi Mertens (Bass), Christian Majdecki (Schlagzeug) und Daniel Guggenheim (Keyboard, Saxofon). In den komplexen, mit eigenen Arrangements und zahlreichen Solo-Passagen durchwobenen Stücken erntete vor allem Guggenheim für halsbrecherische Einlagen am Tenorsaxofon begeisterten Applaus. „Eins noch“, rief ein Zuhörer am Schluss. Die Grandsheiks spielten noch zwei.

 
 

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