Von Veronica Zettler

Lörrach. Jazztone außerhalb der Freitags-Reihe? Ungewöhnlich zwar, aber dennoch eine glänzende Idee, wie sich am Sonntagabend zeigte. Dicht gefüllt waren die Clubräume am Haagensteg, wo Julian Moehring mit zwei Studienkollegen sein Können unter Beweis stellte.

Von der Jazz-AG am Gymnasium zum Berklee College in Boston

Im Dreiland kennt man Julian Moehring als junges Ausnahmetalent. Schon als kleines Kind machte der 1993 in Lörrach geborene Julian am Flügel seine ersten musikalischen Gehversuche. Als Sechstklässler gründete er mit Freunden eine Rockband, spielte später in der Jazz-AG des Hans-Thoma-Gymnasiums von Heinzpeter Schmitz, nahm Unterricht bei Henry Übel und absolvierte, ebenfalls noch während der Schulzeit, die Stimmenakademie „Voicelab“.

Im Jahr 2010 präsentierte der damals 17-Jährige seine erste CD im Jazztone. Seit zweieinhalb Jahren ist er Student und Stipendiat am Berklee College of Music in Boston, einer der weltweit renommiertesten Jazzschulen.

Da er über die Weihnachtstage in heimischen Gefilden weilte, nahm er die Anfrage für ein Konzert im Jazztone gerne an: „Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich mir hätte wünschen können“, ließ er Jazzclub-Chef Werner Büche wissen. Zwei Kommilitonen brachte er gleich mit: Andrew Choi, Bassist aus New Jersey, der sich zugleich über seinen allerersten Auslandsaufenthalt freute, und Clemens Graßmann aus Berlin, vielseitiger Könner am Schlagzeug.

Ausgewählt hatte das sympathische und gut eingespielte Trio vor allem Kompositionen und Arrangements von – na klar – Julian Moehring, wobei die Stücke die stilistische Vielseitigkeit des Lokalmatadors widerspiegelten.

In Titeln wie „Aurora“, „My Melody“, „Peschawar“ oder „Strange Fish“ glänzte Moehring mit differenzierter Anschlagkultur, mit langen träumerischen Linien und teils unorthodoxen Harmonien. Mal hört man die Einflüsse der Klassik, der Romantik des 19. Jahrhunderts, dann wieder die Einflüsse moderner Jazzpianisten wie Chick Corea und Keith Jarrett. Freilich behaupten auch Rock und Pop ihren Rang, etwa bei einem Song von Sting, der laut Moehring am Berklee College großes Ansehen genießt.

Fein, dicht, experimentierfreudig und ausdrucksstark, so kommt der Modern Jazz des Trios wunderbar zur Geltung. Die Ausgewogenheit von komponierten und improvisierten Teilen lässt trotz engem Zusammenspiel und geschliffener Interaktion jedem der drei Musiker Raum für individuellen Ausdruck. Da geht es auch mal härter zur Sache, sodass der Steg des Kontrabasses kurzerhand kapituliert und der virtuose Andrew Choi vollends auf den E-Bass umsteigen muss. Indes gefällt Julian Moehring auch mit seinem sensiblen und unverwechselbaren Gesang. Davon möchte man mehr hören.

Mit Dominik Wagner, langjähriger Freund und Weggefährte aus der Voicelab-Zeit, kommt dann auch noch ein Gastmusiker an der Gitarre auf die Bühne. Das gemeinsam gespielte und gesungene „Amsterdam“ von Jacques Brel ist ein Highlight des Abends – und nicht nur für dieses spendet das Publikum begeisterten Applaus.