Lörrach Fremde Kulturen wertschätzen

Die Oberbadische, 23.02.2016 23:02 Uhr

Hoş geldiniz, benvenuto, willkommen: Bunte Schilder in vielen Sprachen begrüßen am Zaun des Kindergartens St. Bonifatius Kinder und Erwachsene. Sie entstanden im Rahmen der interkulturellen Arbeit der Einrichtung und wurden von einer Gruppe von Müttern – Lisa Kaufmann, Shqipe Bajrami, Violeta Xhafa und Duygu Kiefer – gestaltet. Lörrach (was). „Wir haben gemerkt, dass der Kindergarten von außen nicht so sichtbar ist“, sagt Leiterin Tatjana Brunz. Deshalb sollte er mit den vielsprachigen, bunten Holzlatten, die auch einen Einblick in die Vielzahl der vertretenen Kulturen gewähren, präsenter werden. Wanderausstellung „zweisprachige Bilderbücher“ der Bürgerstiftung Ebenso wurden im Kindergarten im Rahmen der Wanderausstellung „zweisprachige Bilderbücher“ der Lörracher Bürgerstiftung zwei Wochen weitere interkulturelle Aktionen angeboten. So haben zum Beispiel Kinder und Eltern in verschiedenen Sprachen Abzählreime aufgenommen, deren bunte Mischung von Italienisch, Türkisch, Albanisch und Deutsch bis hin zu Russisch, Polnisch oder Tagalog – einer Sprache, die ausschließlich auf den Philippinen gesprochen wird – reicht. Alle Kindergartenkinder konnten in einem Hörrätsel die jeweilige Sprachzugehörigkeit des vorgetragenen Verses erraten. „Wer ruft denn da"“, hieß es zudem an einer Wand im Eingangsbereich, an der von den Kindern gemalte Tiere von den Eltern in einer Sprechblase mit den jeweiligen Lauten in ihrer Muttersprache ausgestattet wurden. „Die Tiere machen in den Sprachen verschiedene Laute“, erzählt Michaela Kern, die für die Sprachförderung im Kindergarten zuständig ist. Außerdem lasen Mütter im Morgenkreis des Kindergartens in ihrer jeweiligen Muttersprache aus den zweisprachigen Büchern der Ausstellung vor. Diese wurden entweder von einer Fremdsprache ins Deutsche oder vom Deutschen in eine Fremdsprache übersetzt. Auch der Kindergarten selbst verfügt über eine Reihe von zweisprachigen Büchern, die Eltern und Kinder bei Bedarf ausleihen können. „Es geht darum, andere Sprachen und Kulturen wertzuschätzen und Toleranz zu entwickeln“, sagen Brunz und Kern. Deshalb bietet der Kindergarten St. Bonifatius auch außerhalb der Aktionswochen eine ganze Reihe interkultureller Projekte an – haben doch viele der derzeit 86 Kinder auch Migrationshintergrund. So gibt es zum Beispiel Sprachförderstunden, in denen vier bis sechs Kinder in einer festen Gruppe zwei- bis dreimal pro Woche unter anderem Wortschatz, Satzbau, Kommunikation oder Alltagswissen lernen. Ebenso bietet der Kindergarten Spielenachmittage, thematische Elterntreffen mit Übersetzung oder einmal pro Woche einen niederschwelligen Deutschkurs für Frauen an. Er soll diesen einen Einstieg in die Sprache ermöglichen und sie dazu ermuntern, weitere Deutschkurse zu belegen.