Lörrach Für Tiere und Menschen

Die Oberbadische, 16.01.2015 00:48 Uhr

Lörrach (was). „Ich bin glücklich hier in Lörrach und fühle mich absolut zu Hause“, sagt Tierarzt Ferenc Kása, der am heutigen Freitag seinen 80. Geburtstag feiert.

Geboren 1935 in Ungarn, kam der Jubilar auf dem elterlichen Anwesen schon früh mit Pferden, Kühen, Schweinen, Hühnern, Hunden und Katzen in Berührung. Als Gymnasiast begleitete er den örtlichen Tierarzt bei seinen Besuchen, nach dem Abitur begann er ein Studium an der Veterinärmedizinischen Universität in Budapest. „Ursprünglich wollte ich Jurist werden“, erzählt Kása. Damals sei dies aber nicht möglich gewesen. 1956 zwangen ihn die politischen Umstände – breite Schichten der Bevölkerung hatten sich gegen die kommunistische Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht aufgelehnt – Ungarn zu verlassen, und er gelangte über Wien nach Heidelberg. Während seines Studiums an der dortigen Rupprecht-Karls-Universität erlernte Kása die deutsche Sprache. In Hannover setzte er von 1957 bis 1961 sein Studium der Veterinärmedizin fort und promovierte 1962 zum Thema „Operationstechniken zur Sterilisation von Bullen“.

Nach Erlangung seiner Approbation als Tierarzt und einigen beruflichen Zwischenstationen, unter anderem in Marbach am Neckar, wo Kása sein besonderes berufliches Interesse für Kleintiere entdeckte, übernahm der Jubilar 1964 eine Kleintierpraxis in Lörrach. Hier lernte er auch seine Frau Gerhilde kennen, die zu diesem Zeitpunkt in München Tiermedizin studierte. 1966 heiratete das Paar und zwei, beziehungsweise drei Jahre später kamen die beiden Söhne Andreas und Matthias auf die Welt – Andreas Kása ist ebenfalls Tierarzt und führt heute die Kleintierpraxis , Matthias Kása arbeitet als Zahnarzt in Inzlingen.

Ferenc und Gerhilde Kása sind beide Gründungsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (Knochenbruchbehandlung) bei Tieren (AOVET) und haben sich im Laufe der Jahre durch Grundlagenforschung einen renommierten Namen in der chirurgischen Knochenbruchbehandlungen von Kleintieren gemacht. Sie übernahmen in ihrer Lörracher Praxis für die Humanmedizin entwickelte Behandlungstechniken und wandten diese bei Kleintieren an. Dafür erarbeitete Ferenc Kása adäquate Instrumente, Implantate und Operationstechniken. 1972 wurde er zum Fachtierarzt ernannt.

Für ihre Verdienste um die Knochenbruchbehandlung wurde das Ehepaar Kása 1985 mit der Richard-Völkner-Medaille, der höchsten Auszeichnung im deutschsprachigen Raum für Kleintierärzte, ausgezeichnet. Ferenc Kása wurde zudem 1991 von der Veterinärmedizinischen Universität in Budapest zum Titularprofessor für das Studienfach „spezielle Operationslehre der traumatologischen und orthopädischen Krankheiten von Kleintieren“ ernannt und erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen 1993 die renommierte Nieberle-Plakette der Landestierärztekammer Baden-Württemberg. Im Urkundentext heißt es unter anderem: „Herr Kollege Kása hat in hohem Maße die Qualität und das Ansehen unseres Berufsstandes gefördert – nicht zuletzt auch in Kreisen der Humanmedizin.“

In seiner Freizeit fotografiert der Jubilar gerne, macht Spaziergänge und unternimmt viel mit seinen Freunden. Er ist Mitglied in mehreren Lörracher Vereinen, von denen ihm besonders die Narrenzunft, in der er seit „unzähligen Jahren“ Mitglied ist, am Herzen liegt. Die Oberbadische schließt sich allen Gratulanten gerne an.