Mit Wolfgang Dauner spielte am Freitag einer der Großen des Jazz im Burghof. Der 80-Jährige hatte einen nicht weniger fähigen Musiker dabei: seinen Sohn Florian.

Von Veronika Zettler

Lörrach. Es mag für die beiden ein Konzert wie jedes andere gewesen sein, aber für etliche der rund 300 Zuhörer war es eine Sternstunde. Obwohl in Lörrach seit 60 Jahren brillanter Jazz geboten wird. Davon ist dem Stuttgarter Wolfgang Dauner zu Ohren gekommen, wie er eingangs betonte. Sein langjähriger Weggefährte Albert Mangelsdorff habe viel vom hiesigen Jazzclub erzählt, so die Jazzlegende. Von Legenden ist im Jazz zwar allzu oft die Rede. Wolfgang Dauner ist trotzdem eine.

In den 60ern galt er innerhalb der sich formierenden europäischen Jazzavantgarde als einer der experimentierfreudigsten und coolsten Musiker: Impulsgeber in diverse Richtungen, Synthesizerpionier und innovativer Jazzfusionpianist. Das 1974 von ihm mitgegründete United Jazz & Rock Ensemble war Kult.

Auf alten Videos kann man den arrivierten Jazzer mit Klein-Florian jammen sehen. Doch der ist heute selbst erfolgreicher Musiker. Flo Dauner (45) spielt als Schlagzeuger der „Fantastischen Vier“ sowie der Band von „The Voice of Germany“ vor riesigem Publikum. „Nicht aller Hip-Hop ist schlecht“, schmunzelt der Senior beim Gespräch im Anschluss, nach tosendem Beifall und zwei Zugaben. Aus unterschiedlichen Musikrichtungen kommend, haben sich Vater und Sohn in der Mitte getroffen und 2013 erstmals eine gemeinsame CD eingespielt. Überwiegend von dieser stammen die Stücke, die das Duo im Burghof präsentiert.

Dabei halten sich die Dauners an die Setlist bisheriger Auftritte und geben ein durchgestyltes Konzert, das keine Wünsche offenlässt. Die heterogene Auswahl liefert zwischen Free Jazz, Hip-Hop und sphärischer Elektronik reichlich Überraschungsmomente, der Sound ist astrein, die in wechselnde Farben getauchte Bühne das i-Tüpfelchen. Dem Opener „2012+1“ folgt mit „Raga Yagapriya“ ein erster Höhepunkt. Während Flo als sensibler Begleiter lyrischer Klangbilder agiert, zeigt sich Wolfgang Dauner unvermindert auf der Höhe seines Könnens.

Mit staunenswerter Fingeragilität entfaltet er seinen Kosmos: Da ist er, der rasante Wechsel von Themen und Tempi, von schlichter und komplexer Schönheit, die von dynamischem Drive umspannte meditative Romantik. In den Folgestücken „Hypnos“ und „Echos Stimme“ entstehen mit elektronischen Rückgriffen reiche Klanggemälde (Laptop und Keyboard sind auf dem Flügel platziert). Neuerliche Stilbrüche bringt „Who Let The Dog Out“, ein dröhnendes Jazzcore-Gewitter, bei dem Flo Dauner ebenso wie in seiner Komposition „Mr. Minky“ sämtliche Techniken dekliniert.

Das zweite Set hält mit „Wendekreis des Steinbocks“ und „Trans Tanz“ zwei Dauner-Klassiker parat. Ersterer in hinreißender Interpretation: Altmeister Dauner schlägt mit der Linken perlende Ostinati an, während die Rechte abwechselnd die Melodie führt und sie, die Linke übergreifend, bassig kommentiert. Das Publikum ist begeistert.