Lörrach Junge Leute stellen Sparen ein

Die Oberbadische, 22.04.2016 22:00 Uhr

Von Markus Greiß

Lörrach. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, hat am Donnerstagabend über die Folgen der Niedrigzinsen für Sparer, Unternehmen und die Kreditwirtschaft gesprochen. Dabei wurde deutlich: Auch den Sparkassen fällt es immer schwerer, das Sparen zu belohnen.

Bei der Veranstaltung im Forum der Sparkasse Lörrach, die der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster (CDU) initiiert und mit dem Lörracher Sparkassenchef André Marker auf die Beine gestellt hatte, kritisierte Fahrenschon die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Im März hatte die EZB ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm ausgeweitet und den Leitzins auf null gesetzt. Auf Einlagen, die Banken auf ihren EZB-Konten parken, müssen sie gar einen Strafzins zahlen. Nach Meinung von Fahrenschon, der bis 2011 bayerischer Finanzminister war, befindet sich die EZB mit ihrer Politik in einer Sackgasse. Denn zum einen habe sie durch ihre immensen Anleihekäufe bewirkt, dass der Zins als äußeres Signal für Anlagerisiken ausgeschaltet sei. Und zum anderen führe die Geldpolitik nicht zu dem gewünschten Ziel, die kriselnde Wirtschaft etwa in Südeuropa anzukurbeln. Trotz des billigen Geldes „investiert dort niemand, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, erklärt der Präsident des Sparkassenverbands, in dem bundesweit 409 Sparkassen mit insgesamt 250 000 Mitarbeitern zusammengeschlossen sind. Fahrenschon lehnt auch die Pläne der europäischen Kommission zur Einführung eines europäischen Einlagensicherungssystems und eine damit verbundene „zentrale Zwangshaftung“ ab. Bei aller Kritik an EZB und Europäischer Kommission betonte er indes: „Wir brauchen auch in Zukunft Europa und eine gemeinsame europäische Währung. Doch gefährliche Nebeneffekte können nicht ausgeblendet werden.“ Für die Sparkassen, deren Auftrag darin bestünde, Einlagen aus ihrer Region einzusammeln und für Kredite zur Verfügung zu stellen, stellten die Niedrigzinsen eine große Herausforderung dar. Wegen der Niedrigzinsen hätte die Hälfte der unter Dreißigjährigen das Sparen eingestellt. Gleichzeitig wollten die Jungen aber im Alter mindestens den Lebensstandard ihrer Eltern erreichen. Sie müssten also umso mehr sparen, um den Zinsausfall zu kompensieren. Fahrenschon stellte zwei Forderungen an die Politik, um das „Nichtsparen“ abzufedern. Erstens müsse sie sich des Themas Altersvorsorge annehmen und auf bewährte Instrumente wie etwa die vermögenswirksamen Leistungen zurückgreifen, deren gesetzliche Regelung aus dem Jahr 1998 überholt sei. Und zweitens brauche es eine Initiative aus der Politik, um auch das Wertpapiersparen zu entwickeln und so einen Anlagemix zu fördern. Denn allein mit klassischen Sparprodukten komme man künftig nicht mehr aus.