Lörrach Kontroverse kostet Zeit und Geld

Die Oberbadische, 20.05.2017 03:15 Uhr

Von Kristoff Meller

Lörrach. Die aus rechtlichen Gründen dringend notwendigen Brandschutzmaßnahmen am Hans-Thoma-Gymnasium (HTG), der Bau eines zweiten baulichen Rettungswegs und die elektrotechnische Sanierung werden sich deutlich verzögern. Grund dafür ist ein erfolgreicher Vertagungsantrag der Freien Wähler am Donnerstagabend im Gemeinderat, der nach einer kontroversen Debatte über die fast 2,74 Millionen Euro teuren Maßnahmen gestellt wurde.

Egal, ob die hohen Kosten gerechtfertigt sind, oder ob die Maßnahmen vielleicht auch günstiger zu haben gewesen wären, wie Thomas Denzer (Freie Wähler) wissen wollte: Die für die Pfingstferien verpflichteten Handwerker können nun frühestens in den Sommerferien zur Tat schreiten. „Der Plan ist komplett über den Haufen geworfen“, bestätigte Bürgermeister Michael Wilke gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Was das für Konsequenzen auf die Kosten und den genauen Zeitplan hat, konnte Wilke gestern noch nicht abschätzen. „Wir werden am Montag das Gespräch mit den Firmen suchen.“

Der Bürgermeister zeigte sich am Freitagmorgen noch immer überrascht und irritiert, „was da in der Sitzung passiert ist“. Der Fall zeige jedoch, „wie wichtig gute Kommunikation“ sei. Denn das Verfahren für solche Brandschutzmaßnahmen sei standardisiert und natürlich entsprechend durchgeführt worden. „Wir sind verpflichtet, die Arbeiten grundsätzlich auszuschreiben und anschließend den preiswertesten Anbieter auszuwählen.“

Für Wilke war die Nachfrage Denzers zu diesem Standardverfahren darum unverständlich: „Bei einer Summe von 2,7 Millionen Euro gucken wir außerdem fünf Mal drauf, um keine überzogenen Forderungen durchzusetzen.“ Denn, so Wilke: „Gutachter und Brandschutzsachverständige stellen oft Maximalforderungen, um sich abzusichern.“ In diesem Falle habe aber auch die zweite Meinung eines weiteren Gutachters kein anderes Ergebnis herbeigeführt.

Arbeiten öffentlich ausgeschrieben, Planung nicht

Anders als bei der Vergabe der Arbeiten wurde die Planung aber nicht öffentlich ausgeschrieben, und es wurden laut Fachbereichsleiterin Annette Buchauer auch nicht mehrere Varianten entworfen. Die Planung sei gemeinsam mit dem Architekturbüro Askari entwickelt worden, da dieses bereits mehrfach im Gebäude tätig gewesen sei und über entsprechende Kentnisse der Besonderheiten verfüge, erklärte Wilke.

Diese Ausführungen konnten jedoch im Gremium offenbar nicht überzeugend genug kommuniziert werden. „Die Erklärung kam nicht rüber“, bestätigte Wilke am Freitag. Deshalb stellte Hans-Peter Pichlhöfer (Freie Wähler) aufgrund „zu geringer Transparenz“ einen Antrag auf Vertagung, der bei 14:11-Stimmen – hauptsächlich aus Reihen der CDU und SPD –­angenommen wurde.

 
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