Lörrach Kostspielige Kultur ist zum „Hüüle“

mek, 16.02.2015 18:00 Uhr

Von Kristoff Meller
Lörrach. Markus Muffler ist der „Drochehüüler“ 2015. Dem „Generaldirektor des Stimmenfestivals“ wurde am Montag bei der Rotssuppe der Fasnachtszunft das Lörracher Pendant zur goldenen Himbeere im voll besetzten „Lasser“-Saal verliehen. Leider weilt der Preisträger im Urlaub, dafür sorgten die Zunftmeister mit ihren Reden für Stimmung.

„Ich lasse euch meine Kultur was kosten“, so laute das Motto von Muffler, erklärte der stellvertretenden Oberzunftmeister Andreas Glattacker in seiner Laudatio.Um das „satte Minus“ auszugleichen, gehe der „Magister Unversius“ des „festi cantus“ nun beim Getränke-Sponsoring neue Wege und zeige der Brauerei Lasser, „einer von Beginn an tragenden Säule“ des Festivals, „die kalte Schulter“. „Setz in Sachen Kultur lieber mol uff di richtige Pferd, sell wär für uns alli viel meh wert“, riet Glattacker und erntete dafür viel Applaus vom fasnächtlichen Publikum.

Doch der Burghof-Geschäftsführer konnte Ratschläge und Auszeichnung   nicht persönlich entgegen nehmen, weil er im wohlverdienten Urlaub weile, wie Oberzunftmeister Stephan Vogt erklärte. Man werde ihm den Orden aber bald im kleinen Kreis überreichen.

Für einen fulminanten Start  nach  Mehlsuppe und Zwiebelwaie hatte zuvor das „Stadtrot-Chörli“ gesorgt. Die „neue Stammelf“ unter der Leitung von Hubert Bernnat, überzeugte auch ohne Trainingslager und nur zu zehnt. Neben  einer „Wiler Hommage“ an Udo Jürgens, dankte der Chor unter anderem dem scheidenden Fachbereichsleiter Jürgen Nef für dessen „Blitzlichtgewitter“ und Stadtrat Gerd Wernthaler dafür, dass  „wenigstens einmal in der Woche ein Velo“ in der Velöhalle  steht. Dazu gab das Denzer-Duo  Thomas und Uli  eine  Jodel-Kostprobe und das „Chörli“ unternahm  eine Tramfahrt ins „Weiler Getto“.

Dorthin machte sich auch Zunftgsell Philipp Buser auf. Nur die Parkplatzsuche gestaltete sich schwierig, denn nachdem „die Schweizer Einkaufstouristen Lörrach schon lange als „Besatzungszone“ eingenommen hätten, „meinet Eidgenosse nun, Wil als Parkus dät sich lohne“.

In noch fernere Gefilde „ab und devo“ begab sich Christoph Schuldt. Bei seinem Kurztrip durch die Metropolen Europas begegnete der junge Zunftmeister nicht nur  italienischen Jungfrauen mit Muttersöhnchen   und seinem geklauten Auto in Warschau, sondern verbrachte auch ein paar Tage mit seiner ersten Freundin „Niekohle“ in Athen.

Deutlich derber ging es beim Frage-Antwort-Dialog von  Klaus Ciprian-Beha zur Sache, der sich mit der Gleichberechtigung („D’Fraue sin berechtigt un mir isch s’gliech“)  und dem toten Wellensittich in seiner Hose beschäftigte.

Aus selbiger verbannte Andreas Glattacker sein Smartphone: „Ich bi offline – dess isch doch de gröscht Luxus.“ Doch die „Schnurlos-Delifon“ haben laut Glattacker etwas geschafft, woran Generationen von Frauen zuvor gescheitert sind: „Di junge Männer hocke jetzt bim brünsle au uff d’Schüssel ab – di hänn jo kei Hand me frei.“

Das hatte auch Hans-Peter „Hansi“ Gempp nicht, weil er mit beiden Händen an den Ringen über der Schnitzelgrube in der künftigen Tumringer Halle schwebte, um  Oberbürgermeister Jörg Lutz den Unterschied zwischen einer Schnitzelgrube und einem Jägerschnitzel zu erklären. Nach dem „G’schwätz“, gab Gempp  ihm außerdem zu bedenken: „Herr Lutz an uns Duemringer sehn si, das si s’Endi vo ihre Karriereleidere no nit erreicht hänn, denn s’höchscht, was ä Mensch werde cha, isch Duemringer.“

Mit Kunst statt Karriere setzte sich Karl-Heinz Sterzel auseinander und schlug die geliebte Weiler Nachbarstadt für Christos nächstes Verhüllungsprojekt vor. Dem Lörracher Skulpturenpfad konnte er hingegen wenig abgewinnen: „Die Liegende ka ich nur etrage, wenn ich ein sitze ha, des Holzmännli vom Balkenhol, nur mit Alkohol.“

Dank der Betreuung durch Hansi Gempp im Vorfeld der Kampagne ist Protektorin Monica Rexrodt nach gut 40 Terminen inzwischen nicht nur mit der Lörracher Fasnacht vertraut, sondern hat auch Gefallen am Reden schreiben – sogar auf Klopapier auf der Toilette – gefunden. Auch mit den übrigen „sonoren Senioren“ der Narrenzunft ist Rexrodt warm geworden und ihre „weichen Knie“ vor dem 11.11. sind längst vergessen.

Der heißeste Anwärter auf ihre Nachfolge, Jörg Lutz, ist das Reden schwingen hingegen gewohnt. Er  hinterließ in seiner Ansprache bereits einen guten Eindruck für eine potenzielle Nominierung. So schlug der „Verwalter der Eidgenössischen Sondereinkaufszone Lörrach“ nach der stimmgewaltigen Vorstellung des „Stadtrot-Chörli“ vor, Anträge im Gemeinderat künftig nur noch in  Liedform anzunehmen. Außerdem war es ihm ein Anliegen, klarzustellen, dass er keinesfalls das Schminktischchen seiner Vorgängerin gegen einen Tischkicker getauscht habe: „Da steht jetzt ein großer Flatscreen-Fernseher mit Sky-Abo, damit Michael Wilke und ich Bundesliga schauen können.“

Doch auch wenn Jörg Lutz künftig eckige Augen vom Fernsehschauen mit Michael Wilke und dicke Oberarme vom Turnen mit Hansi Gempp bekommt – der OB versprach den Narren: „Ich strenge mich an, dass es auch weiterhin  Stoff für die Fasnacht gibt.“

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