Lörrach Man muss kein Überflieger sein

Die Oberbadische, 22.02.2017 23:56 Uhr

Von Ursula König

Lena-Marie Lecat, Schülerin der Freien Evangelischen Schule (FES) Lörrach, ist eines von 50 „Talenten im Land“. Um das begehrte Stipendium zu erreichen, musste sie, wie ihre Mitbewerber auch, ein anspruchsvolles Auswahlverfahren durchlaufen.

Dass sie wirklich weiterkomme, daran habe sie nicht immer geglaubt, erklärt die 15-jährige Schülerin der neunten Klasse. Umso größer war die Freude, auch für ihre Familie, als ihr dann im September im Stuttgarter Schloss die amtliche Urkunde durch Minister Thomas Strobl überreicht wurde. „Talent zählt mehr als Herkunft“; dieser Leitgedanke steht hinter dem Förderprogramm, mit dem die Robert-Bosch-Stiftung und die Baden-Württemberg-Stiftung begabte Schüler unterstützen.

Bis zum Abitur kann Lena-Marie auf eine Förderung bauen, die einen festen monatlichen Beitrag und Zuschüsse, beispielsweise für die Anschaffung eines Laptops, umfasst. Auch Teilnahmegebühren für Wettbewerbe zählen dazu.

Dafür wird von ihr erwartet, dass sie regelmäßige Berichte verfasst und ihre Begabungen intensiviert. Nicht allein Intelligenz und besondere Talente werden gefördert.

Auch der soziale Aspekt hat bei der Vergabe einen hohen Stellenwert. So fielen dem früheren Klassenlehrer Joachim Braunschuh nicht nur Lena-Maries schulische Leistungen auf. Sie vermittelt ihr Wissen auch gerne anderen. „Eine hohe soziale Kompetenz“ wurde erkannt. Seit zehn Jahren spielt die Schülerin Klavier und hat erfolgreich an Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ teilgenommen. Boxen gehört ebenso zu ihren Vorlieben wie das Training für Triathlon. Die Tage sind gut ausgefüllt. Was an Zeit bleibt, wird Freunden gewidmet oder ruhigeren Beschäftigungen wie Lesen.

Mit Melanie Schwaldat ist Lena-Marie die zweite Stipendiatin der FES. Auf die Frage, ob sie hochbegabt sei, reagiert sie mit einem Schulterzucken und meint lächelnd: „Einen Intelligenztest wollte ich nicht machen, um nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.“

Nun kann sie an unterschiedlichen Programmen teilnehmen, die außerschulisch stattfinden, wie zum Beispiel in den Fastnachtsferien. Sie freut sich auf die Pop-Akademie in Mannheim, wo sie eigene Songs schreiben und ein Musikvideo aufnehmen kann. Die Tage werden zwar durch intensive Arbeitszeiten bestimmt, doch die Aktivitäten mit der Gruppe machen Lena-Marie auch viel Spaß.

Wichtiger als die finanziellen Mittel seien die Kontakte mit Menschen aus verschiedenen Kulturen. Und es gäbe viel Verbindendes: „Es fällt auf, dass alle an Themen interessiert sind und dies auch teilen möchten.“ Und wenn, wie beim ersten Workshop auch die Persönlichkeitsentwicklung zum Thema wird, dann weiß sich Lena-Marie in diesem Programm gut aufgehoben. Für sie ist es „eine große Ehre und eine große Chance“ dabei sein zu können. Um das Stipendium zu erhalten, müsse man kein „schulischer Überflieger“ sein, sondern den Wunsch haben, das Beste aus sich selbst zu machen, hat Lena-Marie erkannt.