Von Silvia Waßmer

Ein roter Hut, fünf kleine Gegenstände, ein großer Pappmaché-Kopf, sprachliche Absurditäten und jede Menge Musik sind die Zutaten, mit denen das Hamburger Theater Triebwerk das überwiegend junge Publikum am Dienstag im Burghof begeisterte. Es zeigte „Die verrückte Hutjagd“ in der Regie von Nina Mattenklotz nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Sven Nordqvist.

Lörrach. „Oma Hanne hatte einen Hut, den sie niemals abnahm – außer wenn sie schlief,“ erzählen Uwe Schade und Heino Sellhorn in ihrer Rolle als Hunde. Sie wechseln immer wieder gekonnt zwischen Schauspiel und Erzählung und untermalen die Geschichte zudem musikalisch an Kontrabass und Cello. Mit der geschickten Abwandlung von gängigen Sprichwörtern wie zum Beispiel „Wer viel saust, hat weniger Zeit zum Fressen“ oder „Was lange währt, wird endlich lecker“ bringen sie schon gleich zu Beginn die älteren Zuschauer zum Schmunzeln, während die jungen Theaterbesucher in Gelächter ausbrechen.

Sie amüsieren sich zudem köstlich über die teils absurde Garderobe der Figuren – trägt doch etwa Uwe Schade einen weißen Rock über weißen Leggings sowie ein helles Hemd und eine braune Krawatte. Zudem kennzeichnet seine Rolle eine schwarze Clownsnase. Dieses Accessoire wird später durch einen roten Hühnerschnabel ersetzt oder durch überdimensionierte Hände beim Schneidermeister Westenkopf.

Rote Gummistiefel und ein überdimensionierter Pappmaché-Kopf

In der Geschichte selbst entdeckt Oma Hanne – dargestellt von Luzia Schelling in einem dezent gemusterten Kleid mit weißer Schürze und roten Gummistiefeln sowie einem überdimensionierten Pappmaché-Kopf – eines Morgens nach dem Aufwachen das Verschwinden ihres Hutes.

Deshalb begibt sie sich auf die Suche danach und öffnet dabei den Vorhang, der das schlichte und doch originelle Bühnenbild enthüllt: Es zeigt auf einem weißen, mit roten Linien verzierten Boden zwei unterschiedlich hohe Tassen, von denen eine Oma Hannes Wohnung symbolisiert, während die andere die Scheune darstellt. Zudem sind einige, braune Pappbäume aufgestellt, die unter anderem ihren Garten und ihr Hühnerhaus repräsentieren.

Dorthin schicken sie dann auch die Hunde, als sie diese nach dem Verbleib ihres Hutes fragt. Vorher raten sie ihr aber noch: „Trink erst mal eine Tasse Kaffee, damit du zu genießen bist.“

Gesagt, getan und Oma Hanne findet unvermutet im Kaffee einen Zinnsoldaten. Mehrere Tassen des Getränks und einige Stationen später – so sucht Oma Hanne auch in der Scheune, beim Schneidermeister oder beim Kaninchenhändler Kanini – hat sie zwar eine stattliche Zahl kleiner, sie an irgendwas erinnernde Gegenstände entdeckt, ihr Hut bleibt aber weiterhin verschwunden – allerdings sieht ihn der Schneidermeister am Fenster vorbeifliegen.

Deshalb fragt Oma Hanne das Kaninchen nach einem Motorrad und begibt sich mit der von ihr reparierten Bugatti und unter den Klängen von „Born to be wild“ in der Schade und Sellhorn-Version „Ride Hanne ride“ auf die Hutjagd, die unvermutet und mit einem viel größeren Schatz endet als gedacht: Nämlich dem Entdecken längst verloren geglaubter Kindheitserinnerungen.