Lörrach Spaßguerilla in der Besatzungszone

Die Oberbadische, 11.11.2013 23:00 Uhr

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Es kam, wie es kommen musste: Bürgermeister Michael Wilke ist Protektor der Lörracher Fasnacht 2014. Sein Vorgänger Felix Rudolf von Rohr und Oberzunftmeister Stephan Vogt bereiteten den Freund umweltbewusster Mobilität schon mal gemeinsam vor: „Es schlaucht, aber man reift auch.“ In jedem Fall geht’s rund.

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Über 40 Jahre lang hat Michael Wilke versucht, der Fasnacht aus dem Weg zu gehen, zwischenzeitlich tauchte er sogar in Südfrankreich unter – jetzt hat’s ihn am 11.11 2013 doch noch erwischt. Kein Wunder, dass die fachliche Unterfütterung des neues Protektors noch gestärkt werden muss: Dass er kein Alemannisch schwätzen kann, wisse er schon lang, ob er reimen kann, wisse er noch nicht, die Losung kenne er, aber er wisse nicht, ob er sie verstehen kann. „Passt!!“ schallte es vom Tisch der Routiniers herüber. Zunft und Gilde nahmen den Neuen sogleich in ihre Mitte, auch Obergildenmeister Jörg Roßkopf sicherte dem Debütanten seine Unterstützung zu. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm beglückwünschte Wilke zu diesem Start in die Fasnacht, denn: Wer sich in Lörrach mit Verkehrsfragen beschäftige, könne eigentlich nur mit dem Drochehüüler rechnen.

Indes kamen den Gästen beim Schnäggeesse im Lasser- Saal bei der Verkehrsdebatte für einmal die Freudentränen. Das Tumringer Energiebündel Hansi Gempp steuerte die Zuhörer ziel- und pointensicher durchs Lörracher Verkehrschaos bis mitten hinein in die „SBZ“ auf dem Alten Markt, die „Schweizer Besatzungs-Zone“. Überhaupt zeigte sich die Spaßguerilla mit Anzug und Fliege wieder anarchistisch und politisch eigenwillig, zwickte die Obrigkeit ein ums andere mal und zeigte mit ihren Texten, dass sie die neue Losung des Weilers Frank Schmohl „Zueloose, nit abhöre“ in den vergangenen zwölf Monaten konsequent befolgt hat. Denn: Nach dem gelungenen Schnäggeesse der Familie Brunner stellten die Zunftmeister abermals unter Beweis, dass kein Thema vor ihnen sicher ist. Ralf Buser präsentierte sich als universalgele(h)erter Volksschüler, Karl-Heinz Sterzel schlug in seiner „Chronik“ den Bogen von NSA und USA bis auf den Tüllinger Berg. Klaus Ciprian-Behas Befürchtung: „Seisch nüt, isch’s au nit recht, und wenn ich nüt Rechts sag, isch au wieder nüt“, erwies sich als gänzlich unbegründet. Der junge Christoph Schuldt zeigte sich als „Zunft-, Handwerks und angehender Stadtrootsmeischder“ bemerkenswert souverän, was bei den Losungsgedanken von Andreas Glattacker nicht anders zu erwarten war. Er sinnierte über das neue Motto und dribbelte trickreich um die Fallstricke der Kommunikation zwischen zuhören, abhören und weghören. Zum Zunftstift erhoben die Pointenschmiede Philipp Buser, der seinen Auftritt im voll besetzten Saal trefflich meisterte.

Zu den Höhepunkten des Fasnachtsauftakts zählten abermals die Gastbeiträge vom Kanderner Ex-Burgi Bernhard Winterhalter und dem Basler Fasnachts-Urgestein Felix Rudolf von Rohr, der nach Kräften versuchte, Michael Wilke positiv auf sein Protektorat einzustimmen. Eine Facette der Aufgabe verbuchte Vogt gleich öffentlich als Pluspunkt: Wilke könne sich nun über Wochen hinweg zu unterschiedlichsten Themen äußern – und Gudrun Heute-Bluhm rede ihm nicht mal rein... (Anm. d. Redaktion: abwarten).

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