Lörrach Viel los mit Moos

mek, 18.05.2017 16:34 Uhr
Von Kristoff Meller

Lörrach. Innovativ, fast autark und gut für die Umwelt: Seit Donnerstag steht am Busbahnhof eine blau eingefasste Mooswand mit Sitzgelegenheit, die Schadstoffe aus der Luft filtert und kostenloses Internet bietet.

Der „City Tree“ ist eine Erfindung des Berliner Start-up-Unternehmens „Green City Solutions“ und kann dank der insgesamt 1682 Moostöpfe, die sich auf zwei Seiten auf einer Fläche von drei Mal vier Metern verteilen, so viele Feinstaubpartikel binden wie 275 Bäume. Zudem sorgt die Verdunstungskühlung für eine Senkung der Umgebungstemperatur und ein angenehmes Klima.

„Kleine grüne Oase“

Da dieses vier Tonnen schwere Wunderding  nicht ganz günstig  ist – ein Wandelement kostet rund 22 500 Euro – freuen sich Oberbürgermeister Jörg  Lutz und Bürgermeister Michael Wilke um so mehr, dass die Badenova den ersten „City Tree“ Badens in Lörrach aufgestellt hat, wie sie bei der Einweihung der „kleinen grünen Oase“ bekundeten.

„Die Effekte sind gewaltig, das ist wie ein kleiner Wald in der Stadt“, schwärmte  Badenova-Vorstandsvorsitzender  Thorsten Radensleben. Darum möchte der Energie- und Umweltdienstleister schon bald weitere der optisch ansprechenden Wände in Südbaden aufstellen. Ideal dafür geeignet sind „Schnittstellen zwischen Straßenverkehr und Fußgängerbereichen“, erläuterte Badenova-Pressesprecher Roland Weis.

Intelligentes Bewässerungsystem

Bislang hat „Green City Solutions“ weltweit 18 dieser Wände  errichtet. Neben Lörrach stehen sie in Metropolen wie Paris, Oslo oder Hongkong. Zehn Jahre sollen die Moose laut Liang Wu, Mitbegründer von „Green City Solutions“, halten. Um die sonnenempfindlichen Schadstoffschlucker vor Hitze zu schützen, wurden in jeden Topf zusätzliche Steingewächse eingepflanzt, die Schatten spenden, sehr robust und winterhart sind.  Zudem verfügt das System auf dem Dach über eine Auffangfläche für Regenwasser, dieses wird in  einen 1000 Liter fassenden Tank geleitet.

Ein Solarpanel wiederum betreibt nicht nur den WLAN-Router, sondern auch die Wasserpumpe, die für gleichbleibende Feuchtigkeit in den Moostöpfen sorgt. Über eine empfindliche Sensorik wird der Hersteller laut Wu immer über den aktuellen Zustand der Pflanzen informiert. „Alle zwei Monate erfolgt außerdem eine optische Sichtprüfung“, erklärte Wu.

DSL-Zugang auch bei großer Nutzerzahl

Das frei verfügbare Internet  ermöglicht die erste Kooperation zwischen Badenova und Freifunk Dreiländereck,  wie Vorstandsmitglied Rüdiger Lorenz erklärte. Dessen Verein bietet mittlerweile an 50 Knoten in der Stadt kostenlosen Zugang ins Netz. Der Router in der Mooswand verbindet sich per Funk mit dem Router im benachbarten Technikcafé an der Schwarzwaldstraße. Mittelfristig soll laut Lorenz auch der DSL-Zugang in der Velöhalle an den Knoten angeschlossen werden, um eine hohe Ausfallsicherheit auch bei großer Nutzerzahl zu gewährleisten.  
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