Die Idee ist so einfach wie genial – eine Lieferadresse für Schweizer Kunden in Deutschland. Edgar Geiger hatte diese Idee 2011. Inzwischen beschäftigt er sieben Mitarbeiter und zählt 15 000 Schweizer zu seinen Kunden. Von Sarah Trinler Lörrach. Samstagnachmittag, der Parkplatz an der Wallbrunnstraße ist voller Autos mit Schweizer Kennzeichen. Aus dem Gebäude tragen ständig Leute Pakete heraus. „Aus einer zunächst komischen Idee haben wir ein Geschäft gemacht“, sagt Edgar Geiger, der seit 2011 sein Paketdepot in Lörrach betreibt. Viele Lörracher haben schon einmal „Annahmestelle“ für Schweizer Bekannte oder Arbeitskollegen „gespielt“. Denn nur mit einer deutschen Lieferadresse können die oftmals hohen Versandkosten in die Schweiz umgangen werden. Edgar Geiger hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Über das Internet hat Geiger von Paketdepots in Konstanz erfahren. „In Lörrach, wo viele Schweizer zum Einkaufen kommen, sollte es so etwas auch geben“, dachte er sich. Geiger war schon immer experimentierfreudig, hat im Transportgeschäft gearbeitet, besaß auch schon ein Taxiunternehmen, eine Autowaschstraße und eine Computerschule. So erfolgreich wie mit seinem Paketdepot aber war er noch nie. Auch die Skepsis seines Steuerberaters hat ihn davon nicht abgebracht. Zunächst war das Depot in zwei großen Garagen im eigenen Haus untergebracht. Doch schnell wuchs das Geschäft an – mittlerweile auf 15000 Kunden. Er zog damit in ein früheren Autohaus, fast gegenüber von seinem Wohnhaus, um. Auf 600 Quadratmetern ist dort genug Platz um Päckchen, Pakete und ganze Paletten mit Waren zu lagern. Die Annahmestelle mit Lkw-Ladezone sowie die Sortierung und später die Erfassung durchlaufen täglich bis zu 600 Päckchen. „Ich gehöre wahrscheinlich schon zu den Stammkunden“, sagt ein Schweizer, der gerade den Kofferraum seines Autos mit einem großen Paket belädt. Über das Internet hat er sich Ware für den Garten bestellt – bei einem Händler, der sowohl einen deutschen als auch einen Schweizer Internetshop hat. „Der Preisunterschied für das identische Produkt war einfach eine Frechheit“, sagt der Mann, der nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt wohnt. Berücksichtigt man Versandkosten, Verzollung und Bearbeitungsgebühren, hätte er in der Schweiz das Doppelte bezahlen müssen. Geschichten wie diese hört Geiger täglich. Außerdem gibt es Händler, die wegen des komplizierten Zollverfahrens nicht in die Schweiz, die nicht zur EU gehört, liefern. „Wir beliefern die ganze Welt – außer in die Schweiz“, habe ein Händler mal zu Geiger gesagt. Zu seinen Kunden zählen mittlerweile auch Schweizer Behörden, die auf eine schnelle Lieferung angewiesen sind. Beim Versand kann das Paket am Zoll schon einmal bis zu acht Tagen „festhängen“. Bei Sofortlieferung, Selbstabholung und eigener Verzollung hat man das Päckchen gleich am nächsten Tag. Die Anmeldung beim Paketdepot Geiger ist kostenlos. Erst wenn eine Sendung in Lörrach angekommen ist, ist eine Lagergebühr (richtet sich nach Paketgröße und Gewicht, Im Schnitt fünf Euro) bei der Abholung zu entrichten. „Hier kann ich meine Päckchen unter der Woche bis 20 Uhr abholen – das ist Luxus“, sagt eine Kundin, die sogar aus Bern hergefahren ist. Aufgrund der langen Öffnungszeiten wird das Angebot mittlerweile auch von Deutschen genutzt, die berufstätig sind. Viele seiner Kunden kennt Geiger persönlich. Dass ein Päckchen nicht abgeholt wurde – die Lagerzeit beträgt vier Wochen – sei so gut wie nie vorgekommen. „Außer einmal“, erinnert er sich. Auf Nachfrage habe sich herausgestellt, dass sich im Paket ein Geschenk für die Ex-Freundin befand. „Das wollte der Kunde dann natürlich nicht mehr abholen“, schmunzelt Geiger.

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