Müllheim Bürgerbündnis sieht weiter Chancen

Weiler Zeitung, 08.05.2017 23:33 Uhr

Von Alexander Anlicker

Das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) legte im vergangenen Jahr ein beachtliches Arbeitspensum an den Tag und sieht nach wie vor Chancen, Verbesserungen beim Ausbau der Rheintalbahn zu erreichen, wie bei der Mitgliederversammlung im Müllheimer Bürgerhaus deutlich wurde.

Müllheim. Momentan setzt das Bürgerbündnis auf ein neutrales Gutachten, mit dem das Schweizer Büro Ernst Basler beauftragt wurde, und das die Sinnhaftigkeit der Ertüchtigung der Bahnstrecke auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern untersuchen soll. Ein Verzicht würde „Gelder frei machen für einen menschen- und umweltschonenden Ausbau der Rheintalbahn“, so das BBM. Das Gutachten wird von der IG BOHR (Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein) in Auftrag gegeben und mit Mitteln der Bürgerinitiativen sowie mehrerer Gemeinden finanziert – unter anderem Müllheim, Auggen und Bad Bellingen.

Vorsitzender Michael Nutsch legte einen umfangreichen Bericht über die Aktivitäten vor. So fanden im vergangenen Jahr 41 Treffen im Basis-Lager sowie ein Dutzend Treffen und Sitzungen mit der Bürgerinitiative MUT sowie der IG Bohr statt. Ein Mahnfeuer wurde veranstaltet. Darüber hinaus hat das Bürgerbündnis die Silhouette des abgerissenen Bahnwärterhäuschens als Symbol des Widerstands auferstehen lassen. Das BBM suchte Gespräche mit der Politik. So fanden zwei Gespräche im Landesverkehrsministerium in Stuttgart sowie ein Termin im Bundesverkehrsministerium in Berlin statt.

Der stellvertretende Vorsitzende Werner Kleinfelder zog ein ernüchterndes Resümee der Gespräche im Bundesverkehrsministerium, wo das „hohe Lied der Bahn- und Autolobby“ gesungen worden sei. „Reine Public Relations für das Ministerium und wenig erhellend für unser Anliegen“, lautete Kleinfelders Bilanz.

Erkenntnisreicher seien hingegen die Gespräche mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Johannes Fechner und dem für den Verkehr zuständigen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Sören Bartol verlaufen.

Beide Politiker hätten „die Plausibilität der Argumente bezüglich des Kosten-/Nutzen-Effekts hinsichtlich der Ertüchtigung der Bahnstrecke auf 250 Kilometer pro Stunde erkannt“. Einig sei man sich gewesen, dass diese Argumente durch ein Gutachten fachlich gestützt werden müssen, um die Politik zu überzeugen.

Der stellvertretende Vorsitzende Fritz von Brand bedauerte, dass nur 21 der 324 Mitglieder zur Mitgliederversammlung gekommen waren und richtete mit dem Hinweis „Wir haben noch Chancen“ einen Appell an sie. Darin bezog er auch die Gemeinderäte aus Müllheim und Auggen mit ein. „Zusammenarbeit und Zusammenstehen sieht anders aus, als ich es im vergangenen Jahr erlebt habe.“

Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich sah – trotz des bereits ergangenen Planfeststellungsbeschlusses – nach wie vor die Chance, das eine oder andere im Gespräch mit der Bahn zu ändern.

Sie begründete dies mit der Feststellung, dass sich die Bahn derzeit mit der weiteren Planung noch zurückhalte und die laufende Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht – über die frühestens im zweiten Quartal 2018 verhandelt wird – noch abwarte.

Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann bedankte sich in seinem Grußwort beim Bürgerbündnis für das Engagement, „das Beste für unseren Planfeststellungsabschnitt herauszuholen“.

Neben dem Gutachten plant das Bürgerbündnis vor der Bundestagswahl Gespräche mit Politikern aller Parteien. Zudem ist am 6. Juni – auf Vermittlung der Landfrauen – ein Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten Kordula Kovac vom Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft geplant.

Angesichts der jüngsten Frostschäden im Wein- und Obstbau wird es dabei auch um die Auswirkungen der Lärmschutzwände auf das Mikroklima gehen.

Wiedergewählt wurden die Vorsitzenden Michael Nutsch (Müllheim), Peter Pilger (Auggen) und Helmut Schmitt (Hügelheim) sowie die Stellvertreter Fritz von Brand (Auggen), Werner Kleinfelder (Hügelheim) sowie Andreas Dusi (Müllheim). Letzterer folgte auf Jürgen Hauke (Müllheim), der sich nicht mehr zur Wahl stellte.