Rheinfelden. Es begann vor zehn Jahren mit einer gegenseitigen Suche. Cesar Ortiz, 16 Jahre lang Karateka in der Nationalmannschaft seiner Heimat, war gerade aus Guatemala zu seiner Rheinfelder Frau gezogen und suchte nach einer Beschäftigung. Das St. Josefshaus suchte zu dieser Zeit nach einem Organisator für Freizeitaktivitäten seiner Bewohner. Seither trainieren rund 15 Karateka mit Behinderungen regelmäßig und gewannen bereits Wettkämpfe. Da lag es auch auf der Hand, den zehnten Geburtstag der Karateschule Rheinfelden am Wochenende mit allen Schülern gemeinsam in der Sporthalle des St. Josefshauses zu feiern.

Ortiz nimmt bereits Kinder ab zwei Jahren in seine Schule auf, wie seine Trainingshilfen Nadine Wehinger und Kristina Sibold erzählen. „Sie bekommen beigebracht, wie sie ihren Körper und ihre Kräfte einsetzen“, sagt Wehinger. Altersgerecht werde das Training mit der Zeit erweitert und an die Fähigkeiten der Schüler angepasst.

Die Karateka mit Behinderungen sind zwar alle über 30, dennoch gehen die Trainer hier nach derselben Philosophie vor. „Wir holen sie bei dem ab, was sie können“, sagt Sibold. So sei es für die Karateka mit Behinderungen vor allem ein Erfolg, Techniken zu verinnerlichen. Im Rollstuhl konzentriere sich der Karateka zum Beispiel auf die Kata, Übungen mit stilisierten Kämpfen gegen einen imaginären Gegner. „Übungen, die sie nicht mit den Beinen machen können, machen sie mit den Händen“, erklärt Sibold. Wehinger ergänzt, dass Ortiz beim gemeinsamen Training beispielsweise alle die Bewegungen nur nach vorne ausführen lasse, sodass alle synchron mitmachen können.

Erst im Oktober nahmen acht Karateka an der Karate-Landesmeisterschaft für Menschen mit Behinderungen teil, die auch einer von ihnen, Michael Schreiber, gewann. „Es gab keine unterschiedlichen Klassen, was den Wettkampf recht schwierig machte“, erklärt Ortiz. Unter seinen Schützlingen sind Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen, gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer sowie Epileptiker. Eine Stunde trainieren sie jeden Samstag in der Halle im St. Josefshaus; Ferien gibt es nur während des Sommers und über Weihnachten.

Ortiz’ Ziel ist es, auch unter seinen behinderten Schülern Mentoren auszubilden, die einen Großteil des Trainings selbst leiten können. So nehmen ein paar von ihnen regelmäßig am Training mit nicht-behinderten Schülern teil. Auf der anderen Seite helfen junge Schüler im Training im St. Josefshaus mit, worin Ortiz eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Jugendlichen sieht.

Das Training mit Menschen mit Behinderungen ist ein großer Erfolg: „Sie schätzen und lieben Cesar und haben immer eine Riesenfreude, wenn sie mit ihm trainieren“, bestätigen Wehinger und Sibold. Dennoch ist die Gruppe seit Beginn vor zehn Jahren fast dieselbe geblieben. Ortiz würde sich auch über jüngere Interessierte mit Behinderung freuen.

Weitere Informationen: Wer Interesse hat kann sich unter Tel. 07622/6976641 melden und sich samstags um 10 Uhr in der Halle des St. Josefshauses eingehend über das Karatetraining informieren.