Stuttgart - Jeder Wahlkampf ist auch in modischer Hinsicht eine Herausforderung. Gerade im Duell um die amerikanische Präsidentschaft tun sich regelmäßig stilistische Abgründe auf, wie man sie ansonsten nur vom Tag der letzten Anprobe vor einer großen Modeschau kennt. Während Hillary Clintons merkelbunte Jackett-Farben sekündlich auf Reize der Umgebung reagieren wie die Haut eines hysterischen Tintenfisches, haben Donald Trumps Krawatten inzwischen eine potente Länge erreicht, die nicht nur Feministinnen als vulgäre Prahl-Geste interpretieren.

Das Ex-Model in der Fabrik

Und wie präsentieren sich die lieben Verwandten beim öffentlichen Schaulaufen? So mittel. Ivanka Trump zum Beispiel. Die Tochter von Donald Trump aus der Ehe mit Ivana ist wie ihre Mutter ein Ex-Model, was nicht gegen sie spricht und in gewissen Kreisen normal ist. In manchen Stadtteilen von New York gibt es mehr Ex-Models als heiratsfähige Männer mit Sozialversicherung. Ganz anders als in Ohio. Als die 34-Jährige letztens für ihren Vater auf Stimmenfang in einer Fabrik in Middletown/Ohio ging, machte sie keine gute Figur, obwohl sie elegant auftrat. Die Arbeiter, die Ivanka in einem schwarzweißen Ensemble aus fließenden Stoffen beehrte, produzieren Stahlrohre. Sie schuften und leben im Mittleren Westen der USA, wo die Ex-Model-Dichte gering ist und man den Republikaner Trump liebt, eben weil er gegen den Glamour und das Establishment der Küstenstädte stänkert. Ivanka Trump aber schritt in dieser proletarischen Welt mit ihrer leicht getönten Brille und den weiten Marlene-Dietrich-Hosen wie ein graziler Schwan im Ententeich umher, lächelnd, aber völlig unnahbar. Ob dieser glamouröse Auftritt Daddy hilft? Wohl kaum.