Schönau „Wappentier für die Region“

Markgräfler Tagblatt, 04.05.2014 23:01 Uhr

Von Paul Berger

Utzenfeld. Groß gefeiert wurde am Wochenende in Utzenfeld das 125-jährige Bestehen der heimischen Hinterwälderrasse. Einer Rasse, die zwei volle Tage im Mittelpunkt stand und die eine echte Erfolgsstory vorweisen kann. Bundestagsabgeordneter Armin Schuster sprach in seinem Grußwort denn auch treffend vom „Wappentier für die Region“.

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Auch wenn die Vorbereitungen Bürgermeister und Gastgeber Harald Lais vorab bereits eine „unruhige Woche“ bescherten, sein Versprechen, dass die Aussteller schönes Wetter erwarten dürfen, konnte der Gemeindechef einhalten. Voll erfüllt haben sich bei dieser Jubiläumsschau auch die Erwartungen von Franz Maus von der Rinderunion Donaueschingen sowie von Züchter und Organisator Hubert Schätzle aus Präg und mit ihm auch zahlreicher Aussteller, was die Qualität ihrer gezeigten Tiere betraf.

Neben den Züchtern und Landwirten sind es vor allem die Berater der Fachverbände sowie Politiker, die den besonderen Wert dieser außergewöhnlichen Rinderrasse für die Schwarzwaldregion erkannt und schätzen gelernt haben. Ohne deren Einsatz wäre nach den Worten von Landrätin Marion Dammann diese Schwarzwaldrasse heute nicht mehr existent. Vor allem für die Höhenlagen in der hiesigen Region sind die Rinder geradezu geschaffen. Genügsamkeit und Robustheit, aber auch stabile Konstitution und eine hohe Fruchtbarkeit zeichnet die Rasse aus. Hinzu kommen die hohen Milch- und Fleischqualitäten.

Gerade sie machen aus Sicht von Marion Dammann die Erzeugnisse für den Verbraucher interessant, der durchaus bereit ist, für gute Qualität einen angemessen Preis zu zahlen. Eine gute Chance hat nach Dammanns Worten die Rinderhaltung ebenfalls als Aushängeschild für den Tourismus, weshalb man auch weiter an der Landschaftserhaltung dran bleiben werde. Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus könnten - unter Einbindung der zuständigen Behörden - dazu beitragen, ein wichtiges Stück Schwarzwälder Kultur zu pflegen und zu erhalten.

Ähnlich sieht dies Georg Heckel von der Rinder-Union. Für ihn ist es ein großer Gewinn, dass die Rasse inzwischen auch in der Schweiz und in Österreich heimisch geworden ist. Zusammen mit mehreren Züchtern war Kathrin Berger eigens aus dem Schweizer Emmental zur Jubiläumsveranstaltung angereist.

Viel Lob, aber auch Rückendeckung für ihre Arbeit erhielten die Züchter von den anwesenden Vertretern der Politik. Sowohl Bundestagsabgeordneter Armin Schuster als auch Ministerialdirektor Hans Ableiter vom Ministerium Ländlicher Raum sehen im Fortbestand der Hinterwälderrasse einen wichtigen Beitrag, von dem sowohl die Landschaft als auch die Region profitieren wird. Für Schuster sind die bäuerlichen Familienbetriebe dafür die besten Garanten. Ihnen ist mit ihrer artgerechten Tierhaltung und einer schonenden Landschaftspflege auch das entsprechende „Gütesiegel“ zu verdanken, das die Hinterwälderrasse heute auszeichnet.

Aufschlussreich war die von Franz Maus, Zuchtleiter bei der Rinderunion, vorgestellte Entwicklung der vergangen 125 Jahre. Er belegte die erfolgreiche Hinterwälderzucht mit Zahlen und Fakten. 1889 wurde in Schönau von 45 Mitgliedern die Urkunde unterzeichnet, mit der der Zuchtverein gegründet wurde. Den zahlenmäßigen Höhepunkt erreichte die Rasse zwischen 1959 und 1961 mit 1339 Tieren. Entscheidend für den Erhalt der Rasse, so Maus, war die klare Ablehnung einer Verschmelzung von Hinter- und Vorderwälderrind. Positiv auf den Fortbestand wirkten sich in den 1970er Jahren auch die Einführung der Mutterkuhhaltung ( die heute bei rund 80 Prozent liegt ) sowie die Nachfrage aus der Schweiz aus. Und auch in Österreich und sogar in Neuseeland weiß man nach Maus` Worten die besondere Rasse aus dem Schwarzwald heute zu schätzen.