Schönau Zuversichtlicher Blick nach Paris

Markgräfler Tagblatt, 19.05.2017 23:01 Uhr

Sehr zuversichtlich, was die Unesco-Anerkennung des Biosphärengebiets Schwarzwald angeht, zeigte sich Walter Kemkes, der Leiter der Geschäftsstelle, am Donnerstag bei der Gesamtsäulenveranstaltung in Zell. Den Teilnehmern wurden an diesem Abend auch ein Überblick über die eingegangenen Förderanträge beim Biosphärengebiet vermittelt.

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Im September vergangenen Jahres sei bei der Unesco in Paris ein fast 200-seitiges Antragspapier eingereicht worden, berichtete Kemkes. Er legte dar, dass es Kriterien gibt, die bereits bei der Antragstellung erfüllt sein müssen, und andere, die im Laufe der Zeit zu erfüllen sind und als Prüfraster dienen. Außerdem wird zwischen strukturellen und funktionalen Kriterien unterschieden. Auf der sicheren Seite sei man etwa bei Kriterien wie Flächengröße, Zonierung und Verwaltungsorganisation, berichtete Kemkes.

Leitprinzip: „Aus der Region, mit der Region“

In struktureller Hinsicht gelte es, die kulturelle Identität des Gebiets zu entwickeln und zu stärken. Als Leitprinzip hierbei gelte: „Aus der Region, mit der Region“.

Sehr viel Wert werde bei der Unesco auf den Bereich Bildung gelegt, informierte Kemkes. Weiter geht es bei einem Biosphärenreservat prinzipiell um die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung sowie um den Schutz der biologischen Vielfalt.

Zwischenzeitlich habe man bereits viel Lob für den Antrag erhalten, die Chancen für eine Anerkennung seien sehr gut. „Wir sind sehr zuversichtlich“, sagte der Geschäftsstellenleiter. Die Entscheidung wird Mitte Juni bei einer Sitzung der Unesco in Paris fallen.

Im Anschluss berichteten die Mitarbeiter der Schönauer Geschäftsstelle von den 21 eingegangenen Anträgen in der ersten Förderrunde des Biosphärengebiets. Dabei war von „einem bunten Strauß an Vorhaben“ die Rede. Die Anträge kommen sowohl von Vereinen, Verbänden, Kommunen und Gebietskörperschaften als auch von Privatleuten. Die Themenpalette reicht von der Anschaffung von Spezialmaschinen für die Landschaftsoffenhaltung bis zur Unterstützung für die Erstellung einer Homepage für das Landschaftstheater im Hinterhag. Einige Projekte streben das Anlegen von Themenpfaden (Kleines Wiesental, Muggenbrunn) an, andere beschäftigen sich mit Streuobstwiesen („Gresger Ammele“) oder der lokalen Tierwelt (Habitatpflege für Auerhühner, Greifvogelmonitoring). Beispiele für weitere Ansätze: Weidbuchenkartierung, Online-Vermarktung naturschutzgerecht produzierter Erzeugnisse oder Weiterbildung zum „Biosphären-Guide“.

Entscheidung über Zuschüsse im Juni

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle legten dar, dass sich die Zuschussraten zwischen 30 und 90 Prozent der jeweiligen Gesamtsumme bewegen. Jeder, der einen Antrag stellt, sollte sich bewusst sein, dass er selbst auch einen finanziellen Beitrag leisten muss. Kommende Woche wird sich der Beirat mit den von der Geschäftsstelle bearbeiteten Anträgen beschäftigen; die Entscheidung über die Vergabe der Gelder fällt dann der Lenkungskreis Mitte Juni.

Insgesamt stehen für 2017 Förderprojekte mit einer Gesamtsumme von 733 000 Euro im Raum, die Gesamtfördersumme beträgt 364 000 Euro. 2018 sehen die Zahlen wie folgt aus: Gesamtkosten 261 000 Euro, Gesamtfördersumme 140 000 Euro. Walter Kemkes wies darauf hin, dass die nächste Förderrunde am 15. November startet.

Im zweiten Teil der Veranstaltung tauschten die fünf Säulen des Biosphärengebiets (Wirtschaft und Tourismus, Landnutzung und Landwirtschaft, Naturschutz, Bildung und Kultur) ihre bisherigen Überlegungen zu den künftigen Vorgehensweisen und Schwerpunkten aus.

 
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