Schopfheim Auf „Status Quo“ ist Verlass

Markgräfler Tagblatt, 14.07.2017 23:00 Uhr

Am Schluss dampft der Boogie-Express wie erwartet über den Marktplatz, angetrieben von simplen, aber markigen Rock’n’ Roll-Riffs und beladen mit Songs, die wohl jeder irgendwann einmal aufgeschnappt und in seinen Gehörgängen abgelegt hat.

Von Peter Schwendele

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Schopfheim. Wer diese Band kennt und liebt, wusste es schon vorher, wer unsicher war, bekommt es am Donnerstagabend in eineinhalb kurzweiligen Stunden bestätigt: Auf Status Quo ist Verlass.

Oder wie es die Band selbst mit einem durchaus selbstironisch zu verstehenden Werbeslogan einmal ausgedrückt hat: „Status Quo – da weiß man, was man hat.“ Als da wären: Ein treibendes Schlagzeug, ein pumpender Bass und aneinandergereihte Gitarrenminiaturen, die nur im Kontext des geschickt aufeinander abgestimmten Zusammenspiels und in der Verknüpfung mit sich ohrwurmartig schlängelnden Melodien Sinn ergeben. Und die natürlich mit Drive und Power gespielt werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten.

An Letzterem herrscht beim Auftritt der Band in der Markgrafenstadt zum Auftakt des Sommersounds kein Mangel. Was zuallererst an dem Mann liegt, auf den die ganze Show zugeschnitten ist: Francis Rossi, einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Status Quo.

Der Frontmann, mit 68 Jahren nicht mehr der Allerjüngste, ist gut bei Stimme, und der klassische Spreizschritt mit der Gitarre im Anschlag funktioniert immer noch. Rossi beackert sein Instrument unermüdlich, reiht Akkord an Akkord – es dürften im übrigen deutlich mehr als drei verschiedene gewesen sein – und soliert zwischendurch mit sichtlichem Vergnügen.

Vor allem aber scheint ihm der Schalk im Nacken zu sitzen, wenn er grimassenschneidend mit dem Publikum kommuniziert, und wie ein Storch, spindeldürrr und mit langen Beinen, über die Bühne stelzt, bevor er sich in die nächste Rhythmusfigur wirft.

Rossi entpuppt sich als entspannter Entertainer mit typisch englischem Humor. Erzählt kleine Anekdoten von einer frühen, in Bielefeld gefundenen und auch gleich wieder verlorenen Liebe. Spendet dem Publikum vorauseilend Trost („If you don`t like the next song, there`s gonna be another“). Beschert einer kaugummikauenden Zuhörerin Sonderapplaus. Und entlockt den Fans auf dem gut besuchten Marktplatz mit kleinen Gesten die erwarteten euphorischen Reaktionen.

Vermisst man Rick Parfitt? Ja, definitiv. Der im Dezember 2016 verstorbene Gitarrist und Sänger war nahezu 50 Jahre lang der blondgelockte musikalische Zwilling Rossis gewesen. Gern hätte man es noch einmal gesehen, wie er als zusätzliche Energiequelle mit seinem Kompagnon die Gitarren-Klingen kreuzt.

Sein Nachfolger Richie Malone kann den Parfitt-Part nicht komplett ausfüllen. Der Gitarrist, gerade erst 30 geworden, hat 2016 die ersten Shows mit Status Quo gespielt, und man merkt ihm die Freude an, neben Rossi auf der Bühne zu stehen, spürt aber auch eine Art von Ehrfurcht, die bei der Sache mitschwingt.

Einen markanteren Part spielt dagegen Bassisst John ’Rhino’ Edwards, der vor über 30 Jahren die Nachfolge von Ur-Basser Alan Lancaster angetreten hatte. Seine Bühnenpräsenz ist sympathisch-mitreißend, und hin und wieder entlastet er Rossi auch beim Gesang.

Interessanterweise hat die Band auf der Bühne einen ähnlichen Altersquerschnitt wie das knapp 1700 Köpfe umfassende Publikum, das von der Freiburger Band One Way Train mit bluesgetränktem Hardrock auf die Status Quo-Show eingestimmt worden ist. Wer nur grauhaarige Fans erwartet hat, wird eines Besseren belehrt, auch wenn, wie Francis Rossi treffend feststellt, die meisten Konzertbesucher offenbar im vergangenen Jahrhundert geboren wurden.

Sie alle erleben nach dem Opener „Caroline“ kein Greatest-Hits-Abgefeiere, sondern einen Querschnitt durch die Bandgeschichte, in dem die im Blues und im Rock’n’ Roll gründenden Wurzeln dieser Rocktruppe zum Vorschein kommen und in dem auch Songs aus der zweiten Reihe erklingen. Die großen Hits kommen spät, aber sie kommen. Etwa „Whatever You Want“ oder „In The Army Now“, garniert mit fettem Zuschauerchor, sowie der Erkennungssong der Gruppe schlechthin, „Rockin` All Over The World“.

Vor den Zugaben „Burning Bridges“ und „ByeBye Johnny“ ziehen „Roll Over Lay Down“ und „Down Down“ rumpelnd und schlenkernd ums Markplatzareal.

So mancher hätte gern noch mehr von diesem, wenn man so will, klassischen Quo-Kram gehört, aber letztendlich überwiegt das Verständnis dafür, dass Francis Rossi nicht mehr ganz dieselbe Pumpe hat wie in seinen besten Jahren.

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