Schopfheim Da geht die bluesige Post ab

Markgräfler Tagblatt, 09.11.2016 01:51 Uhr

Schopfheim. Er ist schon ein Teufelskerl, dieser Tee Dee Young aus Lexington im US-Bundesstaat Kentucky. Sobald dieser Gitarren-Irrwisch am Montagabend die Bühne des „Wildhouse“ auf der Schweigmatt betritt und in die Saiten greift, lebt er den Blues – seinen Blues, den er mit Funk- und Soulelementen garniert.

Begleitet wurde er an diesem Abend von der vorzüglichen italienischen „Henry Carpaneto Band“. Kaum einer kann dieser Mixtur entgehen, es wird gewippt und getanzt.

Seit rund fünf Jahren schon spannen Wirt Frank Uehlin und Klaus Deuss, Kulturverantwortlicher des eigens ins Leben gerufenen Vereins „Exbluesive“, zusammen, engagieren Bluesgrößen aus der ganzen Welt – und sorgen so dafür, dass das „Waldhaus“ zum „Wildhouse“ wird.

Und so war es auch jetzt wieder bei diesem hierzulande noch unbekannten, in den Staaten aber längst auf dem Weg zur Legende befindlichen Tee Dee Young. Obwohl das Konzert erstmals nicht gänzlich ausverkauft war (Uehlin: „Das war wohl der winterlichen Witterung geschuldet“), ging von Beginn an die bluesige Post ab. Genauso war’s im Übrigen tags drauf im Weiler Kulturzentrum Kesselhaus, wo Tee Dee Young ein weiteres Gastspiel in der Region gab.

In insgesamt drei Sets bis weit nach 23 Uhr (einschließlich Zugaben) legten dieser Kentucky-Blueser und die „Henry Carpaneto Band“ einen perfekt buesig-funkigen Abend hin. Young ist ein Gitarrist, der längst seinen ganz eigenen Stil gefunden hat, fernab von ausgetretenen Bluespfaden, der authentisch und doch zeitgemäß rüberkommt und fast ausschließlich eigenes Songmaterial im Repertoire hat. Er ist ein Saitenkünstler und Sänger, wie man ihn nicht alle Tage erleben darf. Wie er bisweilen die Saiten vibrieren, zittern und schwingen lässt und dazu mit Kopf und Körper das Ganze ebenso vollführt, macht ihm so schnell keiner nach. Tee Dee Young zelebriert seinen Auftritt. Das fängt schon an, bevor er überhaupt „on stage“ ist. Während die Band bereits einige Stücke allein gespielt hat, taucht er plötzlich irgendwoher im Publikum auf, feuert die Fans an, lässt sich feiern, um sich am Mikrofon im Applaus zu sonnen.

Später mischt er sich immer mal wieder unters Volk, lässt „Küsschen“ von den Damen ins Mikro hauchen, spielt ein bisschen den Entertainer, läuft hinten aus einem Durchgang raus, um im vorderen Bereich – und weiterhin Gitarre spielend – wieder reinzukommen. Ein Hautnahkonzert der feinsten Sorte.

Schließlich erzählt er die Geschichte, in der er sich zwischen einer Frau und seiner Gitarre entscheiden sollte. Die Entscheidung war natürlich klar – die Gitarre.

Und das ist auch gut so. Denn immer wieder sind es die bluesgetränkten Gitarren-Passagen, diese inspirierenden Soli voller Fingerfertigkeit, die begeistern.