Schopfheim „Die Lage war äußerst unglücklich“

Markgräfler Tagblatt, 14.09.2017 00:00 Uhr

Von Hans-Jürgen Hege

Ingo Herzog, der Architekt, Jürgen Maier, sein Bauleiter, und nicht zuletzt der Bertram Ludwig vom Gebäudemanagement der Stadt hatten es nicht leicht bei ihrer Visite im Rathaus in Wiechs.

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Schopfheim-Wiechs. Die „Macher“ in Sachen Mehrzweckhalle mussten bei der Sitzung des Ortschaftsrates vor teilweise recht empörten Zuhörern im wahrsten Sinne des Wortes „Farbe bekennen“.

Kaum ist die Abrissbirne in Stellung, kaum sind die Bagger zum (verspäteten) Abriss der alten Halle aufgefahren, gibt’s schon den ersten Zoff auf dem Buckel.

Und der Architekt hat Erklärungsnöte, verspricht aber, „schnellstmöglich für normale Verhältnisse“ und vor allem dafür zu sorgen, dass die Grundschüler geschützt zur Schule gelangen. „Warum die alte Halle noch steht und nicht, wie geplant, ab 21. August abgetragen wurde“, wollten die reichlich erschienenen Sitzungsgäste von Ingo Herzog wissen, dessen Büro nach Beginn der Abbrucharbeiten ausgerechnet zum Schulbeginn gleich einen Abrissstop verhängt hat, weil Mineralwolle nicht vorschriftsmäßig zur Entsorgung als Sondermüll bereitgestellt worden sei.

Einfluss auf die Verzögerung von drei Wochen („die Hälfte davon hat die Baufirma zu verantworten, die restliche Zeit nehmen wir auf unsere Kappe“) allerdings hatte der Zustand der (Ab-)Wasserleitungen im Untergrund genommen.

Was dort festgestellt wurde, brachte den Zeitplan gehörig ins Wanken. Jürgen Maier erklärte: „Die Abwasserleitungen konnten mit Inlinern nicht gesichert werden, weil die eigentlichen Leitungen zum Teil nicht wie üblich in Sand, sondern direkt in Felsstücken verlegt und fast überall völlig zerbröselt waren.“

Vorauszusehen sei das trotz Untersuchungen mit der Kamera nicht gewesen. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, „zunächst das Drumherum und das Drunter zu ordnen und dann den Abriss zu veranlassen.“ Dass Arbeiten des Energiediensts und an der Breitbandversorgung das Chaos am Montag im Ort erst richtig komplett machten (wir berichteten), empfanden auch die Verantwortlichen mit Bertram Ludwig an der Spitze als „äußerst unglücklich“. Aber: Die drei Wochen werde man aufholen, ist Ingo Herzogs Team überzeugt.

Der Architekt betonte, für die konstruktive Kritik seitens der Bevölkerung dankbar zu sein. Er werde sich persönlich darum bemühen, dass sich die Lärmbelästigungen vor allem während der Unterrichtszeiten weitestgehend in Grenzen halten, dass sich der Fahrzeugverkehr am Schulweg der Kinder morgens und in den Nachmittagsstunden orientiere und dass Verletzungen durch fliegende Abrisselemente ausgeschlossen sind.

Außerdem will er auf Sicht- und Lärmschutzmaßnahmen drängen, um die Kinder in ihrer Konzentration während der Unterrichtsstunden nicht zu stören. Ortsvorsteher Ino Hodapp gab sich mit den Erklärungen zufrieden. „Wir hoffen, wir haben den Tiefpunkt der Bauarbeiten damit bereits überstanden“, sagte er. Schließlich könne es ja auch kaum noch schlimmer kommen, war er sich sicher und wies darauf hin, dass niemand im Ort Lust verspüre, die Halle erst 2022 einweihen zu können.

Schopfheim-Wiechs (hjh). Architekt Ingo Herzog erläuterte bei der Ortschaftsratssitzung das Aussehen der künftigen Mehrzweckhalle. Er präsentierte dazu Muster von Putz, Aluminium und Holz, die Fassade und Innenleben der Halle bestimmen werden. Aber er durfte dann auch die Erfahrung machen, dass sich über Geschmack trefflich streiten lässt.

Und zwar vor allem dann, wenn es um die vorgesehenen Farben in verschiedenen Räumen wie etwa im Sanitärbereich geht, wo Herzogs Büro nach Geschlechtern getrennte Pastelltöne favorisiert: Rosa bei den Mädchen, ein helles Blau im Trakt der Jungs und auf den Böden Fliesen in einem pflegleichten Dunkelgrau.

Den einen war das alles „ein wenig zu dunkel“, andere plädierten für grelle Farben, wobei ein paar nicht einsehen wollten, warum bei den Herren andere Farben als bei den Frauen gewählt wurden. Es sehe, so eine Zuhörerin entsetzt, „aus wie in einem Bordell“.

Vielleicht wollte dem Christine Spickermann vorbeugen, als sie wissen wollte: „Was, bitte schön, spricht eigentlich gegen Weiß überall?“ Ingo Herzog versuchte, seinen Standpunkt klarzumachen: „Ich möchte beim Verlassen der Halle und beim Besuch des stillen Örtchens einfach in andere Räume kommen. Das Einerlei an Farben möchte ich nicht haben“, sagte er und kündigte an, dass geplant sei, die Farbtöne in den Toiletten mit Wandmalereien einer Künstlerin aufzupeppen.

Das rief prompt Bärbel Hagist auf den Plan, die solche Projekte, die nur zusätzlich Geld kosten, als unnötig anprangerte. Für Ingo Herzog ein Grund zur Retourkutsche. Die Werke der Künstlerin seien auch anderswo zu sehen. Ino Hodapp präsentierte die Patentlösung an die Adresse der Farbenthusiasten, zu denen auch Schulleiterin Jäkel zählte, die zuvor betont hatte, dass das Herzog’sche Farbkonzept nicht ins Konzept der Schule passe: „Wenn den Frauen die Farbe nicht passt, können sie ja aufs Klo der Männer gehen.“

 
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