Schopfheim Die Zwei, die einfach helfen wollen

Markgräfler Tagblatt, 15.06.2017 22:00 Uhr

Endlich Sonne, Strand und Meer: Viele Schüler freuen sich schon auf die Sommerferien. Luisa Strittmatter und Leonie Hehn freuen sich auch, aber sie ­packen Handschuhe und Mütze ein. Denn für die beiden Abiturientinnen geht es im August nach Südamerika - sie leisten ein ganzes Jahr lang freiwilligen ökumenischen Friedensdienst in Argentinien und Uruguay.

Von Petra Martin

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Schopfheim. Die beiden Schülerinnen sind seit ihrer Kindergartenzeit unzertrennliche Freundinnen. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, beide haben Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit. Und die wollen sie nun in soziale Projekte im Ausland einbringen. Eine Herausforderung, wie beide zugeben. Doch sie sind sich sicher, dass nicht nur sie den Kindern in Südamerika etwas zu geben haben, sondern dass auch umgekehrt die Kinder aus armen Bevölkerungskreisen oder schwierigen familiären Verhältnissen ihnen etwas vermitteln werden für ihre persönliche Entwicklung und das spätere Leben. „Ich werde in diesem Jahr innerlich wachsen“, sagt Leonie Hehn aus Raitbach.

Die 18-Jährige, die am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) kurz vor dem mündlichen Abi steht, wird in ihrem Wunschland Argentinien in einem Kinder- und Jugendzentrum arbeiten. Es ist das Centro German Frers, ein Tageszentrum in Baradero, eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires und „Weltwärts“-Einsatzstelle. Diese leistet sozialdiakonische Arbeit: Rund 30 Kinder und Jugendliche aus einer schwierigen Umgebung erhalten dort Bildungschancen und sinnvolle Beschäftigungsangebote in der Freizeit.

„Ich kann da Hausaufgabenbetreuung leisten und in Projekten mitarbeiten, auch eigene Projekte machen“, berichtet Leonie Hehn. „Das macht mir großen Spaß“, so die Abiturientin und Judotrainerin, die schon als Hausaufgabenbetreuerin am THG und als Patin für Fünftklässler tätig war. Leonie Hehn ist zudem in der Jugendgruppe Hausen tätig, hilft bei Kinderübernachtungen oder -gottesdiensten; sie kann gut mit Kindern umgehen.

Wie ihre Freundin beherrscht sie Schulspanisch; zu Beginn ihres Aufenthalts in Südamerika werden die freiwilligen Helferinnen noch Unterricht erhalten.

Leonie Hehn, die auf dem Gelände ihrer Einsatzstelle wohnen wird, freut sich darauf, während ihrer freien Zeit durch Südamerika zu reisen, sich mit ihrer Freundin Luisa zu treffen, die ihren Freiwilligendienst in Uruguay versieht, oder mit zwei argentinischen Gastschülerinnen zusammenzukommen, die schon mal in Schopfheim zu Besuch waren.

Die 17-jährige Luisa Strittmatter aus Kürnberg, die derzeit an der Freien evangelischen Schule in Lörrach ihr Abi absolviert, blickt ebenfalls auf eine intensive Arbeit mit Kindern und auch Jugendlichen zurück. Sie war beim Flüchtlingskreis als Helferin bei Aktivitäten mit Kindern beteiligt sowie als Leiterin von zwei Kinder- und Jugendteams bei ihrer Kirchengemeinde tätig; darüber hinaus war sie sozial als Patin im Altenheim aktiv. Und sie hat ihre Lehrerin bei einem Einsatz in Uganda begleitet und dort auch das „Rainbow House of Hope“ besucht.

Arbeit im Armenviertel

Ihr Einsatzort in Uruguay ist das Sozialzentrum „Obra Ecuménica“ mit 140 Kindern und Jugendlichen in Bario Borro, ärmstes Viertel von Montevideo. Luisa Strittmatter kann dort Spanisch- oder Matheunterricht geben, bei den Freizeitangeboten helfen und Workshops gestalten. Sie wohnt nicht auf dem Gelände, sondern etwa 20 Minuten entfernt mit weiteren Freiwilligen in einer WG zusammen. „Das ist voll cool, da lerne ich gleich andere Leute kennen“, freut sich Luisa Strittmatter.

Beide Schülerinnen haben schon an Seminaren für den freiwilligen ökumenischen Friedensdienst teilgenommen. Voraussetzung ist auch ein Praktikum, das Luisa Strittmatter in der Max-Metzger-Schule in Schopfheim und Leonie Hehn in der Kaspar-Hauser-Schule in Raitbach absolvieren.

Gleich nach dem Abi studieren, das war für die beiden keine Option. „Ich will mich verändern lassen, neue Kulturen kennenlernen, den Horizont erweitern“, erläutert Leonie Hehn. Mit Kindern zu arbeiten mache Freude, weil man noch Einfluss habe, gleichzeitig aber auch die Kinder viel bewirken, betont Luisa Strittmatter.

Kinderlachen zählt

„Es macht mega Spaß, wenn die Kinder total offen sind und voller Lebensfreude und Elan mitmachen“, so die beiden jungen Frauen, die sich ein Zitat von Mahatma Gandhi auf die Fahnen geschrieben haben: „Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Die Abiturientinnen sind sich darüber im klaren, dass sie nicht die ganze Welt verändern können. Aber Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern - diesem Anspruch wollen sie gerne gerecht werden.

Der freiwillige ökumenische Friedensdienst der evangelischen Landeskirche in Baden hat ein persönliches Spendenkonto für Luisa Strittmatter und Leonie Hehn eingerichtet.

Die Zuwendungen für den Friedensdienst können bei der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden (bei der Spende die Adresse angeben). Spenden sind möglich auf das Konto der evangelischen Landeskirchenkasse bei der evangelischen Bank Kassel, IBAN: DE 07 5206 0410 0000 5000 11. BIC: GENOD EF 1 EK 1. Verwendungszweck: FÖF, Luisa Strittmatter und Leonie Hehn, weltwärts 2017.

Das freiwillige soziale Jahr der Abiturientinnen kann ab August mitverfolgt werden unter https://zusammenstark.wixsite.com/leundlu-unterwegs. Schon jetzt findet man dort wissenswerte Informationen. E-Mail-Kontakt:

strittmatter.luisa@web.de und

leoniehehn@gmx.de

 
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