Schopfheim Dort sein, wo Hilfe am nötigsten ist

Markgräfler Tagblatt, 22.04.2017 00:00 Uhr

Von Petra Martin

Jetzt geht’s aufs Land: Der Verein „Rainbow House of Hope Uganda“ mit Sitz in Schopfheim hat rund 30 Kilometer außerhalb der ugandischen Hauptstadt Kampala Grund gekauft und will sich dort ansiedeln. Was steckt dahinter?

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Schopfheim. Susanne Fink ist eine der beiden Vereinsvorsitzenden. Sie war im Februar vor Ort in Uganda und berichtete darüber jüngst bei einem Pressegespräch in Schopfheim.

Um Platz für Neubebauung zu erhalten, würden in Kampala die Slums abgerissen. „Damit fällt unsere Zielgruppe weg“, erläuterte Susanne Fink. Die Bewohner der Elendsviertel werden verdrängt, sie bewohnen einen Armutsgürtel rund um die Hauptstadt. Um der Zielgruppe, der mittellosen Bevölkerung, näher zu sein und weil die Vereinsgebäude in Kampala vom Abriss betroffen sein könnten, habe man sich zum Landkauf außerhalb der Stadt entschlossen. So kann das „Rainbow House“ überleben. Sponsoren hätten 50 000 Euro für den Landkauf aufgetrieben, was dem Verein das Weiterbestehen ermöglicht.

Die Projekte des Vereins, der Bildung als Schlüsselfaktor bei der Bekämpfung von Armut ansieht, nehmen einen erfolgreichen Verlauf. Davon konnte sich Susanne Fink im Februar selbst überzeugen. Die seit dem vergangenen Jahr angebotene Lehrlingsausbildung steht auf festen Füßen und wird genau von der Klientel angenommen, die der Verein ansprechen wollte: junge Menschen, die keine Schulausbildung haben. „Die offizielle Anerkennung als Ausbildungsstätte ist fast durch, und im Juni werden wir die endgültige Genehmigung erhalten, die Abschlüsse abzunehmen“, so Susanne Fink.

Rund 50 Lehrlinge absolvieren seitdem an sechs Tagen in der Woche jeweils von 8 bis 15 Uhr eine Ausbildung zum Schneider, Schreiner oder Friseur. Die ugandischen Azubis sind zwischen 16 und 25 Jahre alt und zu 70 bis 80 Prozent Frauen. Die Ausbildung dauert ein Jahr, sie wird durch Praktika und Computertraining ergänzt und wurde verlängert.

„Der Vorteil der Ausbildung ist, dass sie zu 80 Prozent praktisch ist“, berichtete Susanne Fink. Da die Chancen auf dem Arbeitsmarkt trotz dieser Ausbildung nicht so gut sind, lautet das Ziel, die jungen Schreiner, Schneider oder Friseure fit für die Selbstständigkeit zu machen, weshalb es auch dafür einen Workshop gibt. Die Ausbildung wird derzeit noch mit Geldern aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Nachdem die Gelder eingetroffen waren, seien in Windeseile zwei Container neben dem Rainbow House für die Ausbildung errichtet worden, teilte Susanne Fink mit. Zudem wurden fünf neue Stellen für den Projektleiter und vier Lehrer geschaffen, darunter eine Frau, die aus dem Kongo flüchten musste.

„Die Schüler sind alle fleißig“, freut sich Susanne Fink darüber, dass das Ausbildungsprojekt Früchte trägt. „Die kommen total regelmäßig, weil sie verstehen, dass dies eine Chance ist.“ Die während der Lehre hergestellten Sachen werden verkauft.

Die Azubis erhalten ein Mittagessen, das aus den traditionellen Gerichten besteht, wie Reis mit Erdnusssoße oder Bohnen mit Maisbrei. Auch eine Kinderbetreuung wird angeboten. Viele Mädchen in Uganda werden früh schwanger und haben deshalb keine oder eine abgebrochene Schulausbildung.

Der Verein „Rainbow House of Hope“ kann das Ausbildungsprojekt noch bis Ende dieses Jahres fortsetzen. Für die Zeit danach fehlen die Gelder. Denn es gibt ein Problem: Die Schüler müssen Schulgeld zahlen, 60 Euro im Monat. Das aber können die jungen Leute nicht aufbringen. Die Einnahmen durch den Verkauf der handgefertigten Ausbildungsgegenstände reicht nicht aus, um das Schulgeld komplett zu finanzieren. Susanne Fink hofft deshalb auf Spenden. „Hinter den Zahlen verbergen sich Schicksale“, sagte sie.

Exemplarisch sei eine junge Frau genannt, deren Eltern starben, als sie ein Kind war. Das Mädchen ging tagsüber zur Schule und arbeitete nachts für den Lebensunterhalt. Dann heiratete sie, machte noch die Hausarbeit. Die Teilnahme am Ausbildungsprojekt habe ihr die Augen geöffnet, schildert die Frau. „Es war wie ein Traum, ich konnte es kaum glauben.“ Durch die Ausbildung habe sie eine Perspektive und Selbstvertrauen gewonnen.

Nun könne sie sich als Schneiderin selbstständig machen und anderen zeigen, wie es geht. Sie verdiene schon jetzt Geld, und sie setze auf Qualität und Perfektion.

Das Jahrestreffen des Vereins „Rainbow House of Hope“ findet am Samstag, 29., und Sonntag, 30. April, im evangelischen Freizeitheim in Gersbach statt. Beginn der Mitgliederversammlung ist am 29. April um 16 Uhr. Projektgründer Michael Mwase ist im April in Schopfheim, es gibt auch einen Empfang im Rathaus. Auch im Juni wird Mwase in Schopfheim sein. So ist am Donnerstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr ein öffentlicher Abend im evangelischen Gemeindehaus geplant.

Spenden: Sparkasse Wiesental, IBAN: DE 21 6835 1557 0003 1788 52.

 
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