Schopfheim Eine Chance für Flüchtlinge

Markgräfler Tagblatt, 13.11.2015 23:04 Uhr

Wenn man dieser Tage einen Blick auf den Schulhof der Gewerbeschule Schopfheim richtet, ist man überrascht von dem „bunten Bild“ an Nationen, die durch die sich dort aufhaltenden Jugendlichen dargestellt werden.

Schopfheim. Der Grund: Die Gewerbeschule Schopfheim eröffnete dieser Tage die vierte Klasse für VAB-O: „Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“. Diese Klassen bestehen überwiegend aus Flüchtlingen, die aus Gemeinschaftsunterkünften in Efringen-Kirchen, Rheinfelden, Steinen, Schönau, Todtnau und anderen kommen. Es gibt unbegleitete Flüchtlinge, minderjährig und ohne Eltern, die in der Michael-Gemeinschaft Schweigmatt in Obhut genommen wurden. Außerdem gibt es Schüler, die aus Flüchtlingsfamilien, die in der Region angekommen sind, stammen. Eine Vielfalt von Nationen - Mazedonier, Albaner, Ungarn, Italiener, Slowaken, Serben, Rumänen, Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, Eritrea, Sambia, Mali, Somalia und der Elfenbeinküste - gilt es in den Klassen zu vereinen. „Vom Analphabeten bis zur Privatschule…“- umreißt Katharina Bröcheler, als verantwortliche Lehrerin für diese besonderen Klassen die Voraussetzungen, die diese neuen Schülerinnen und Schüler mitbringen. Eine echte Herausforderung für die dort unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer.

Vermittelt werden vor allem lebensweltbezogene Kompetenzen, Deutschunterricht, Englisch, Mathematik und fachpraktischer Unterricht in der Werkstatt. Es gibt ein ganzes Team von Lehrkräften, die voller Engagement und mit großem Einsatz in diesen Klassen tätig sind.

Katharina Bröcheler berichtet, dass auch die Lehrerinnen und Lehrer multinational sind. Sailesh Guness, Delara Jahangiri, Süleman Öztürk, Elisabeth Wellinger-Rovito, Silvia Asal, Angela Goldschmidt, Benjamin Scherrer und Guido Krebs lehren seit diesem Schuljahr respektive seit dem Schuljahr 2014 / 15 in diesen besonderen Klassen. Einige der Lehrer erhielten durch die Klassen VAB-O eine neue Anstellung an der Gewerbeschule Schopfheim.

Trotz großer Vielfalt und Unterschiede ist es ein gutes Zusammensein in den Klassen, geprägt vom gemeinsamen Lernen, Erleben und gegenseitiger Hilfe und Unterstützung. Für viele Schüler ist die Schule eine willkommene Abwechslung zum oft tristen Alltag in den Gemeinschaftsunterkünften. Sie sind durchgängig motiviert und offen für all das Neue, was auf sie einstürmt. Doch bei all der Integration darf man nicht vergessen, dass jeder der Schüler seine eigene Geschichte hat. Viele von ihnen haben Schlimmes erlebt, sind traumatisiert oder haben einfach Sehnsucht nach ihrer Familie oder Heimat, die oft weit entfernt sind.

Katharina Bröcheler berichtet von Institutionen und psychologischen Beratungsstellen, die personell und inhaltlich teilweise überfordert sind und nur bedingt Hilfe leisten können. Die Nachfrage nach einem freien Platz in einer solchen Klasse ist ungebrochen – verständlich, denn hier wird konkret an der Zukunft der Neuankömmlinge gearbeitet und den jungen Menschen eine Zukunftsperspektive geboten.