Schopfheim Friedensarbeit auf den Friedhöfen

Markgräfler Tagblatt, 22.04.2017 00:00 Uhr

Blasmusik, Berge und Grabpflege haben nichts miteinander zu tun. Sollte man meinen. Am Mittwoch, 26. April, ist in der Stadthalle das Gegenteil zu sehen und zu hören.

Schopfheim (wm). Da bestreitet das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr aus Garmisch-Partenkirchen ein Benefizkonzert – für den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge.

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Eine sicher nicht alltägliche Kombination. Sie ist denn auch einem Zufall zu verdanken, wie Oliver Wasem, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Südbaden-Südwürttemberg des Volksbundes verrät. Über Umwege erfuhr er, dass das Gebirgsmusikkorps in Achern ein Konzert gibt, bei der Gelegenheit aber auch noch andere Auftritte in Südbaden absolvieren möchte. Er packte die Gelegenheit beim Schopf und organisierte kurzerhand in der Markgrafenstadt ein Benefizkonzert für den Volksbund.

Der hat mit dem leicht angestaubten Image von früher übrigens genauso wenig gemein wie das Gebirgsmusikkorps mit herkömmlicher Militärkapelle.

Die 60 Soldatinnen und Soldaten unter dem Edelweiß haben von sinfonischer Blasmusik über Musical- und Filmmelodien und Ouvertüren bis zu großem Bigband-Sound so ziemlich alles im Repertoire.

Und auch der Volksbund hat mit seinem Image vergangener Jahrzehnte und dem bloßen Niederlegen von Kränzen am Volkstrauertag längst nicht mehr viel zu tun. „Wir betreiben mit der Pflege von Kriegsgräbern keine Heldenverehrung“, betont Oliver Wasem. Vielmehr gehe es darum, die Erinnerung an die Kriegsopfer aller Länder lebendig zu erhalten. So gesehen, leiste der Volksbund „Friedensarbeit mit einem europäischen Ansatz“.

Folgerichtig steht bei der Arbeit der humanitären Organisation, die sich um 2,7 Millionen Gräber im In- und Ausland kümmert, vor allem die Jugendarbeit im Mittelpunkt. Sie organisiert jedes Jahr in den Sommerferien 60 Workcamps in ganz Europa. Die Jugendlichen pflegen – gemeinsam mit Gleichaltrigen aus vielen anderen Ländern - dabei nicht nur die Gräber deutscher Gefallener, sondern auch jene anderer Nationen. Bei einem solchen Camp kamen im vergangenen Jahr in Singen am Hohentwiel nach Wasems Angaben Jugendliche aus 13 Ländern zusammen.

Diese Jugendarbeit kostet viel Geld. Deshalb ist der Volksbund neben Spenden auch auf Einnahmen aus Benefizkonzerten wie dasjenige in der Stadthalle angewiesen.

Oliver Wasem erhofft sich vom Gastspiel des Gebirgsmusikkorps denn auch einiges, zumal das Bundeswehr-Orchester unentgeltlich auftritt und der Erlös der Veranstaltung somit „eins zu eins“ der gemeinnützigen Arbeit des Volksbundes zugute kommt.

Bürgermeister Christof Nitz hat die Schirmherrschaft übernommen. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Die Jugendkapelle der Stadtmusik unterhält die Besucher schon ab 19 Uhr und tritt zum Finale gemeinsam mit dem Gebirgsmusikkorps auf.

 
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