Schopfheim „Kein typischer Verkehrsrowdy“

Markgräfler Tagblatt, 19.05.2017 23:00 Uhr

Schopfheim (er). Der Bruchteil einer Sekunde genügte und nichts war mehr wie zuvor. So lautete das Fazit von Richter Götz über einen Verkehrsunfall im Mai des vergangenen Jahres, bei dem auf der Straße zwischen Gersbach und Kürnberg ein Mensch ums Leben kam und ein zweiter schwer verletzt wurde.

Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Ein Vierer-Grüppchen Motorradfahrer trifft sich am Schluchsee, um in Frankreich durch die Landschaft zu fahren.

Ausgewählt hat die Gruppe das Nachbarland als Zielort deshalb, weil „an solch schönen Tagen dort weniger Verkehr ist als im Schwarzwald“, so die Zielvorgabe der Motorradfahrer.

Die Anfahrt soll über Todtmoos, Gersbach und Schopfheim erfolgen. Als Zweiter der Gruppe ist ein 49-jähriger Mann aus München dabei, der kurz vor Kürnberg in einer Kurve die Beherrschung über seine Maschine verliert, stürzt – und auf der Gegenfahrbahn mit einem entgegenkommenden Motorrad kollidiert. Dessen Lenker wird schwer verletzt, die Soziusfahrerin stirbt wenig später im Krankenhaus.

Fahrlässige Tötung und schwere Körperverletzung – unter dieser Rubrik fasst die Justiz das Geschehen in Kürnberg zusammen: Dem Mann aus München wird per Strafbefehl eine Geldstraße von knapp 10 000 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot auferlegt. Auf diesen schriftlichen Bescheid erfolgt der Widerspruch – und so wird der Fall noch einmal in öffentlicher Verhandlung vor dem Amtsgericht Schopfheim erörtert.

Dabei ist die Schuldfrage schnell geklärt. Ein Gutachten hat als Unfallursache überhöhte Geschwindigkeit festgestellt: circa 65 bis 70km/h – etwas zu schnell für diesen Kurvenbereich kurz vor Kürnberg.

Der Unfallverursacher selbst kann sich vor Gericht nicht erklären, wie Bremsspuren und Zylinderkopfabrieb auf dem Straßenpflaster entstanden: „Ich kann mich nicht erinnern, ob ich von etwas abgelenkt wurde und wie und ob ich überhaupt gebremst habe“.

Doch die Fakten des Verkehrsgutachters sind auch von der Verteidigung nicht zu widerlegen. So kommt es dem Rechtsanwalt in seinem Plädoyer vor allem darauf an, das Strafmaß zu reduzieren. Der Staatsanwalt beharrt indes auf seiner Forderung: 160 Tagessätze à 60 Euro sowie ein zweimonatiges Fahrverbot.

Das Amtsgericht legt in seinem Urteil 110 Tagessätze zu 50 Euro und eine vierwöchige Führerscheinsperre fest. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Angeklagte bis dato keine anderen Verkehrsdelikte begangen hat „und kein typischer Verkehrsrowdy“ ist. Richter Götz abschließend: „Das schreckliche Ereignis von Kürnberg ist ohnehin auch mit den Mitteln der Justiz kaum fassbar.“