Schopfheim Körperkunst im Grand Hotel

Markgräfler Tagblatt, 20.04.2017 16:05 Uhr

Mit einer faszinierenden Vorstellung voll kraftvoller Akrobatik, bezaubernder Anmut und atemberaubender Körperbeherrschung begeisterte der Chinesische Nationalzirkus am Mittwoch das Publikum in der Stadthalle.

Schopfheim . Den erzählerischen Rahmen der Show bildet die bewegte Geschichte Hongkongs zwischen vormaligem Piratennest, britischer Kronkolonie und heutiger Sonderverwaltungszone Chinas, und so erwacht die Zirkusszenerie im altviktorianischen Ambiente des „Grand Hongkong Hotel“ zum Leben.

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Liftboys im Livree, Serviertöchter in gerüschten Schürzen sind da ebenso mit von der Partie wie noble Gäste im Anzug und ein Whisky rinkender Barpianist. Im schauspielerischen und mimischen Ausdruck der Akteure wird das chinesische Wortgezwitscher auch dem europäischen Zuschauer durchaus verständlich; schier unbegreiflich allerdings bleibt die Körperkunst, die die Akrobaten aus dem Reich der Mitte vor den Augen ihrer Zuhörer entfalten.

Mit spielerischer Leichtigkeit etwa setzen die Schlangenfrauen sämtliche anatomischen Gesetze außer Kraft, wenn sie die Knie von hinten her entspannt auf ihren Schultern ruhen lassen. Gerne präsentiert sich derlei Geschmeidigkeit mit kraftvoller Eleganz auch kopf- oder (Ein-)handstehend. Ebenso gerne auch verweben sich die Akrobaten zu verwirrenden und raffinierten Körperskulpturen, winden und schichten sich in immer neuen Formationen zu Menschenpyramiden, und wenn sich zu diesen Formationen noch Requisiten wie die Bestuhlung des „Grand Hotels“ hinzugesellen und sich meterhoch zu fragilen Türmen aufschichten, kann die Höhe der Stadthalle die Akrobatenkunst kaum noch fassen.

Wo bei solchen Kunststücken die ruhige Konzentration im Vordergrund steht, sind es an anderer Stelle das atemberaubende Tempo und die flinken Choreografien, die den Zuschauer faszinieren. Für die hohe Kunst der Jonglage etwa finden sich im Inventar des Grandhotels jede Menge brauchbarer Utensilien – und so lassen die „Pagen“ mit spielerischer Leichtigkeit Strohhüte und Keramikvasen durch die Luft schwirren, die „Servierdamen“ in jeder Hand gleich mehrere Teller auf Stäben rotieren – sogar im Kopfstand.

Bei aller Perfektion ist der Auftritt der chinesischen Zirkuskünstler ungemein sympathisch und mit einer Menge charmanter Clownerie gewürzt, und spätestens, als sich die Darsteller zu einem letzten Gruppenbild formieren, haben sie die Herzen der Zuschauer in der eher licht besetzten Stadthalle endgültig für sich gewonnen.

 
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