Schopfheim Schufterei mit Spaten und Stampfer

Markgräfler Tagblatt, 07.09.2014 13:15 Uhr

Schopfheim-Gersbach (hf). Harte Knochenarbeit leisten mussten die Fronbauern in der Barockzeit beim Bau einer Schanzanlage. Wie hart diese wirklich war, davon bekamen die Zuschauer bei den Dreharbeiten des SWR-Teams unter der Regie von Mike Grünwald in Gersbach einen Eindruck. Im Rahmen des 300-jährigen Jubiläums der Barockstadt Karlsruhe dreht das Team einen Film über den „Barock im Südwesten“, bei dem die Gersbacher Schanze nicht fehlen darf (wir berichteten) Wie ging der Bau eines so mächtigen Schanzwerks unter den Bedingungen des 17. Jahrhunderts vonstatten" Das war eine der Fragen, die das Team um Mike Grünwald dokumentieren will für einen Film, der im kommenden Sommer – unter anderem auch im Schulfernsehen – ausgestrahlt werden soll. „Will man die Schanzwerke im Südwesten dokumentieren, dann führt an der Arbeit von Werner Störk und der Barockschanze in Gersbach kein Weg vorbei“, erklärte Mike Grünwald. Die Filmleute rannten im Golddorf mit ihrem Projekt denn auch offene Türen ein. Die Jugendfeuerwehr, der Ortschaftsrat und der Förderverein Gerisbac erklärten sich spontan bereit, das Erweiterungsprojekt an der Schanze zu übernehmen. Und Werner Störk steuerte den Plan für die Anlage einer so genannten „Lunette“ am Turm der Barockschanze bei. Für die Arbeiten ließ der SWR originalgetreue alte Spaten, Pickel und Körbe herstellen. Am Samstagmorgen ging es los. Unter Anleitung von Werner Störk und unterstützt vom Ortschaftsrat und vom Förderverein machten sich die Jugendlichen an die Arbeit, den Spitzgraben der Lunette auszuheben. Sie lösten die Grasnarbe, lockerten mit den altertümlichen Pickeln den Boden, hoben mit den eisenverstärkten Holzspaten die Erde aus und schütteten sie in Körben auf einen Haufen. Die Sonne schien prächtig, und schon nach kurzer Zeit floss der Schweiß der Jugendlichen in Strömen. Eine Schufterei war das Befestigen der aufgeworfenen Erde für den Wall. Mit einem Stampfer aus massivem Holz mussten je zwei Jugendliche Runde um Runde die Erde verdichten, damit der spätere Wall auch Bestand hat. „Wir legen einen Scherengraben an, eine so genannte Lunette“, erklärte Werner Störk. Diese Lunette besteht aus einem Spitzgraben nach altem römischen Vorbild. Der Graben ist so breit, dass Angreifer ihn nicht überspringen können. Die Seitenwände sind so schräg, dass man im Graben nicht laufen kann. An der nach innen liegenden Seite wurde der Graben mit schräg liegenden Palisaden bestückt. Bei der Film-Arbeit stellte sich heraus, dass man vom ursprünglichen Plan abweichen musste. „Wir wären wir zu nahe an einen nahen Wirtschaftsweg gekommen“, informierte „Schanzenbaumeister“ Störk und entwarf flugs einen neuen Plan. Jetzt wird der Wall vor dem Graben nur an einer Seite ausgeführt. Das SWR-Team hielt alle Arbeiten im Film fest. Denn neben dem 90-minütigen Fernsehfilm sollen zusätzlich fünf 15-minütige Dokumentationen für das Schulfernsehen „Planet Schule“ entstehen. „Wir filmen zusätzlich im Waldglas-Zentrum, in dem die Original-Schanzanleitungen aus der Barockzeit ausgestellt sind, die Werner Störk der Stadt geschenkt hat“, berichtete Mike Grünwald. Als die erschöpften Jugendlichen eine Mittagspause einlegen mussten, zeigte Baggerführer Herbert Kiefer von der Schönauer Baufirma Engesser, wie schnell und effektiv solche Schanzanlagen mit heutigen Mitteln angelegt werden könnten. Schweißnass und außer Puste saßen auch Ortsvorsteher-Stellvertreter Manfred Deiss und der frühere Ortsvorsteher Ralf Ühlin bei den Jungfeuerwehrleuten. „Das geht schon in die Knochen“, bestätigten sie. In dieser Woche gehen die Arbeiten weiter. Am kommenden Samstag soll die Lunette fertig sein. Dann finden die Abschluss-Dreharbeiten statt, an denen auch Filmemacher und Regisseur Peter Prestel teilnehmen wird.

 
 

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