Schopfheim Stadt stellt Exponate zur Verfügung

Markgräfler Tagblatt, 03.01.2014 23:01 Uhr

Schopfheim. Im Jahr 2009 besiegelten Bürgermeister Nitz und Oberbürgermeister Holaschke bei ihrem ersten Treffen in Eppingen die Kultur-Kooperation zwischen der Kraichgau-Metropole Eppingen und der Markgrafenstadt mit dem Ziel, gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Eingefädelt wurde diese Zusammenarbeit ein Jahr zuvor von der ehemaligen Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Gurr-Hirsch, und Bürgermeister Nitz im Rahmen der Eröffnungsfeier der Gersbacher Barockschanze.

Als Mitglied des Landtags und zuständig für den Wahlkreis Eppingen, erinnerte Gurr-Hirsch sich an jene historischen Spuren und Ereignisse in ihrer Heimatstadt und damit aber auch an die gemeinsamen geschichtlichen Wurzeln mit der Region um Schopfheim. Denn wie im Wiesental wurde auch der Kraichgau durch eine lange Schanzen- und Wallgraben-Linie vor den Angriffen der französischen Truppen von Ludwig XIV. geschützt, ebenfalls geschaffen von Schanzbauern und Soldaten unter der Regie von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, dem legendären Türkenlouis.

Die ausgesprochen gut erforschte „Eppinger Linie“ mit ihren rund 80 Kilometern ist - wie die „Vordere Linie“ des Wiesentals - ein wichtiges Verbindungsstück der insgesamt über 550 Kilometer langen Gesamtlinie, die als „Schwarzwaldlinie“ vom Rothaus am Hochrhein bis nach Pforzheim führt und dann als „Eppinger Linie“ bis nach Heidelberg an den dortigen Neckar reicht.

Das nordbadisches Eppingen als große Kreisstadt mit über 20 000 Einwohnern liegt direkt im Zentrum dieser Linie - einst als Sperrriegel gegen die gefürchteten französische Kontributionszüge angelegt, die, gedeckt durch die großen Festungen Landau und Philippsburg, eine ständige Gefahr bedeuteten.

In dieser Region ging die permanente Bedrohung von den französischen Festungen in Hüningen und in Neuf-Brisach aus. Diese gemeinsame Geschichte verbindet beide Städte samt ihrer umliegenden Regionen und bietet so immer wieder neue interkulturelle Impulse.

In enger Kooperation wurden daher in Eppingen schon mehrere große Ausstellungen eingerichtet, und auch in der „Alten Universität“, dem Stadt-Fachwerkmuseum der Stadt Eppingen, ist von Peter Riek, einem international bekannten Künstler und gleichzeitigem Leiter des Museums, eine eigene - nach modernsten museumspädagogischen Kriterien gestaltete - Sonderabteilung zum Thema „Eppinger Linie“ entstanden.

Als „Herzstück“ der Sonderausstellung zieht ein großes Diorama die Blicke der Besucher auf sich: ein imposantes 3-D-Modell, das Schüler der Schopfheimer Friedrich-Ebert-Schule im Jahr 2009 - exakt nach historischem Vorbild - exklusiv als Auftragsarbeit im Rahmen dieser Kooperation für das Eppinger Museum gebaut hatten. Aktuell wird in Eppingen nun wieder eine neue Ausstellung in der Galerie des Rathauses vorbereitet. Peter Riek zeigt dort unter dem Titel „Die Künstler und der Krieg - Meisterstiche barocker Kriegsarchitektur“ vom 8. Mai bis 20. Juni dieses Jahres eine Schau von historischen Kupferstichen.

Gezeigt werden wertvolle Original-Werke berühmter Kupferstecher ihrer Zeit wie Merian, de Fer oder Homann - und alle gehören zum umfangreichen Archivbestand des städtischen Museums von Schopfheim. So weilte Peter Riek kürzlich in der Markgrafenstadt, um sich aus der über 500 Exponate umfassenden Kupferstichsammlung vor Ort jene Motive auszuwählen, die dann in Eppingen gezeigt werden.

Der Eröffnungsvortrag anlässlich der Vernissage wird - wie in den Vorjahren - wieder der Schopfheimer Fortifikationsspezialist Werner Störk halten, der nicht nur Schanzlinien des gesamten Schwarzwaldes, sondern auch die „Eppinger Linie“ aus Feld- und Projektstudien sehr gut kennt. Neben der Kupferstich-Ausstellung warten auf den historisch interessierten Besucher auch vielfältige Attraktionen im Umfeld der Stadt: Gut beschilderte Wege führen an die „Eppinger Linien“, und eine attraktive Palette bereichert die besonderen touristischen Angebote bis hin zum nahen Weltkulturerbe des Klosters Maulbronn, dessen mächtige Mauern ebenfalls in die einstige „Linie“ integriert war.

Für den Herbst dieses Jahres plant das Naturparkzentrum im Naturpark Stromberg-Heuchelberg die Eröffnung eines künstlerisch-historischen Wanderweges. Impulsgeber dafür waren unter anderem auch die Gersbacher Kulturwege, vor allem die Kombination aus Kunst- und Skulpturenpfad sowie der Schanzen- und der Dorfweg.

Entlang der „Eppinger Linie“ sollen bis zum Spätsommer 2014 insgesamt neun große, begehbare Skulpturen installiert werden, die verschiedene historische Aspekte mit ihrem jeweiligen aktuellen Bezug aufgreifen und in symbolhafter Weise darstellen.

 
 

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