Von Petra Martin

„Es war einer der schönsten Einsätze, die wir je hatten“ - so umschreibt Andreas Rudolph, Chefarzt am Kreiskrankenhaus in Schopfheim, die 16-tägige Arbeitsreise, die er im siebenköpfigen Team jüngst für Interplast nach Kamerun unternommen hat.

Fotostrecke 5 Fotos

Schopfheim. Von der Arbeit an sich, den Patienten, dem Ablauf und von der hervorragenden Zusammenarbeit mit den beiden örtlichen Chirurgen am Krankenhaus von Manyemen her gesehen – alles lief rund beim insgesamt 16. Interplast-Einsatz von Andreas Rudolph, der bereits zum 13. Mal in Kamerun operierte.

Der plastische Chirurg und die engagierte, ehrenamtlich arbeitende Gruppe empfingen in Manyemen bis zum letzten Tag Patienten, etwa 90 wurden insgesamt gesichtet. Bis auf einen einzigen freien Tag wurde operiert, insgesamt 79 Mal.

Viele Patienten seien zielgerichtet nach Manyemen geschickt worden, berichtet der Chirurg. Auch durch die Dikome-Kaffee-Kooperative wurden Patienten herbeigebracht, etwa ein 14-jähriger Junge mit einer „wüsten Hasenscharte“, der dann erfolgreich operiert werden konnte. Verbrennungsfolgen und Missbildungen sind das Hauptbetätigungsfeld des Interplast-Teams, das aus diesen Gründen auch Hauttransplantationen ausführt, diesmal etwa am Bein eines Patienten.

Bei diesem Einsatz freilich setzte man einen ganz besonderen Schwerpunkt: An dreieinhalb Tagen wurden einheimische Ärzte und Pflegekräfte fortgebildet, über Krankheitsbilder, Behandlungsmöglichkeiten und OP-Techniken in Kenntnis gesetzt. „Das war von den Kamerunern gewünscht und zeigt das tolle Engagement der örtlichen Kräfte“, zeigte sich Chefarzt Andreas Rudolph nach seiner gesunden Rückkehr begeistert.

Die Mitglieder der Interplast-Gruppe, die diesmal von Krankheitsausfällen verschont blieb, waren alle schon oft dabei und mit den Gegebenheiten vertraut - bis auf eine OP-Schwester aus Hagen / Westfalen, die erstmals Erfahrung bei einem solchen Einsatz sammeln konnte.

Besonders erwähnt Andreas Rudolph den Einsatz von Markus Rapp, der als Techniker das Personal vor Ort im Umgang mit medizinischem Gerät schulte - in Manyemen sind derzeit keine europäischen Ärzte vor Ort. „Es gibt zum Beispiel eine Maschine für Hauttransplantationen“, erläutert Rudolph. „Die wird von den Ärzten vor Ort aber nicht genutzt. Trotzdem muss sie gewartet werden.“

Das deutsche Team ist in Kamerun hoch angesehen. Da sich auch der „Chief“ des Dorfes von Andreas Rudolph und seinem Team behandeln ließ, brachten die Patienten der Gruppe ein hohes Maß an Vertrauen entgegen. Überall wo die Gruppe erschien, gab es ein großes Hallo - die „white doctors“ sind schon eine Institution in Manyemen.

Einen Patienten begrüßte die Gruppe bereits zum zwölften Mal. Bei ihm ging es um einen Tumor am Kopf, noch zweimal muss er operiert werden, schätzt Chirurg Rudolph. Selbst eine Anreise von 700 Kilometern wird in Kauf genommen, um sich von den „white doctors“ operieren zu lassen.

Die Arbeitsbedingungen waren, was das Wetter angeht, vergleichsweise human: 36 Grad, aber trocken, fast keine Mücken; lediglich die zahlreichen Stromausfälle, die zur Folge haben, dass es dann auch kein fließendes Wasser gibt, sind lästig - besonders wenn die Gerätschaften während des Arbeitens erst wieder mühsam hochgefahren werden müssen, wenn der Strom wieder da ist.

Zu den Besonderheiten gehört auch, dass wegen der Aids-Gefahr sehr sorgsam vorgegangen werden muss. Zwei mittellosen Patienten zahlte die Gruppe den Aufenthalt im Krankenhaus aus eigener Tasche. Spektakulär war für die Gruppe eine Brandrodung, bei der das Feuer bis auf 15 Meter an das Wohncamp vorrückte.

„Ja, es ist alles Routine“, bilanziert der plastische Chirurg Andreas Rudolph, „trotzdem ist jeder Einsatz an sich etwas Neues.“ Da liegt es auf der Hand, dass das Team im nächsten Jahr wieder zum Einsatz nach Manyemen starten will.

Unterstützung erhielt das Team durch das Elisabethenkrankenhaus in Lörrach und die Kliniken GmbH im Landkreis, etwa durch Personal-Freistellung und Material, vom Basler Bethesda-Spital und der Firma Aesculap in Tuttlingen. Auch die Spendengelder ermöglichten den Einsatz in Manyemen. Ärgerlich war es, als eine Transportkiste beim Flug beschädigt wurde. Ihr Ersatz kostet 100 Euro – so viel wie eine Operation.

Wer spenden will:

Interplast Germany, Sektion Schopfheim: Sparkasse Schopfheim-Zell, IBAN: DE85683515570003197779 BIC: SOLADES1SFH