Schwörstadt Der Freiheit eine Gasse schlagen

Die Oberbadische, 19.06.2017 23:05 Uhr

Die beiden badischen 1848er-Revolutionäre Georg und Emma Herwegh erblickten vor gut 200 Jahren in Stuttgart und Magdeburg das Licht der Welt. Diesen freudigen Ereignisses wurde am Sonntag in Dossenbach gedacht.

Schwörstadt-Dossenbach (was). Der Ort hat einen historischen Hintergrund für das historische Geburtstagsfest unter dem Titel „Endstation Dossenbach“: Hier trafen das Ehepaar und seine Freischärler-Truppe der Deutschen Demokratischen Legion am 27. April 1848 auf eine Kompanie württembergischer Infanteristen und wurden von dieser nach einem blutigen Gefecht zerschlagen.

„Wer waren Georg und Emma Herwegh? Woher kamen sie? Wohin gingen sie? In welcher politischen Zeit lebten sie? Und was hat sie so herausragend gemacht?“: Diese Fragen stellte Christine Trautwein-Domschat, Bürgermeisterin von Schwörstadt, in ihrer kurzen Begrüßungsrede im Beisein des Dossenbacher Ortsvorstehers Arndt Schönauer und weiterer politischer Vertreter und versicherte: „Heute werden wir Genaueres darüber erfahren.“

Der Freiheit eine Gasse

Diese Aussage bestätigte dann auch sogleich Heinz Siebold in seinem Festvortrag zum Gedicht „Der Freiheit eine Gasse“. Er stellte den Vormärz-Dichter Georg Herwegh anhand von Zitaten näher vor und erläuterte auch kurz den politischen Hintergrund. Dabei hob er hervor: „Ich kenne keinen Schriftsteller, der so klarsichtig war wie Georg Herwegh.“ Sei doch etwa seine Aussage „Nationalität trennt, Freiheit verbindet“ auch heute noch – zum Beispiel mit Blick nach Syrien oder in die Ukraine – aktuell. Zwar habe er einen Pathos benutzt, den Viele heute nicht mehr verstehen, damals jedoch „rüttelte er die Menschen auf“. Und hierbei habe er auch an Europa gedacht: „Und durch Europa brechen wir der Freiheit eine Gasse.“ Herrschten damals doch fast überall noch Fürsten mit absoluter Macht.

„Interview“ als Rückblick

Als Höhepunkt der Feierlichkeiten berichteten anschließend Georg (Klaus Streicher) und Emma (Monika Haller) Herwegh selbst im Interview unter anderem von den Ereignissen im Frühjahr 1848. Dabei erfuhren die Besucher zum Beispiel, dass Emma Herwegh vor der Rheinüberquerung der Deutschen Demokratischen Legion zweimal Friedrich Hecker aufgesucht hatte. „Beide Male hatte er aber nicht den Mut, zu sagen, was kommt“, beklagte sie im Rückblick. Als die Truppe trotzdem in die deutschen Lande kam, war Hecker jedoch in Kandern schon besiegt worden. Allerdings erfuhren die Freischärler davon erst später. „Wir sind den Ereignissen hinterher gerannt wie die alte Fasnacht“, beklagte Herwegh alias Streicher. Und Emma alias Haller ergänzte: „Ab dem 24. April waren wir nur noch auf der Flucht.“ Deshalb sei die inzwischen von 2000 auf 649 Mann und eine Frau dezimierte Truppe bei ihrer Ankunft in Dossenbach am Ende ihrer Kraft gewesen.

Darüber hinaus erfuhren die Besucher, wie es nach der blutigen Niederlage – 30 Freischärler wurden getötet und rund 400 gefangen genommen – für das bekannte Ehepaar weiterging: Ihnen gelang mit Hilfe des Karsauer Bauern Jacob Bannwarth die Flucht in die Schweiz. Zwei seiner Nachkommen, Wilhelm Bannwarth und Herbert Brugger, waren ebenfalls zum Fest gekommen und erzählten, dass in ihrer Familie die Erinnerung an dieses Ereignis stets lebendig gehalten worden sei.

„Die Gedanken sind frei“

Musikalisch umrahmt wurde das Geburtstagsfest von den Schopfheimer Heckersängern unter der Leitung von Jeannot Weißenberger sowie dem Gesangsverein Dossenbach. Sie stimmten zum Abschluss gemeinsam das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“ an, bevor die Klettgau-Kanoniere das Revoluzzerpaar mit einem Salut auf ihren Kanonen ehrten.

Bereits am Morgen gab es zudem ein Freischärlerfrühstück und auf dem Dossenbacher Friedhof wurde am Grab der gefallenen Freischärler ein Kranz niedergelegt. Nach dem offiziellen Programm bot außerdem der frühere Dossenbacher Ortsvorsteher Kurt Vollmer – er hatte zusammen mit seinem Nachfolger die Idee zum Fest – Führungen übers Schlachtfeld an.

Spende für Organisateure

Organisiert wurden die Feierlichkeiten von der Freiwillige Feuerwehr-Abteilung Dossenbach, die von Klaus Schäuble von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden mit einem Scheck über 2000 Euro überrascht wurde. Außerdem waren Siebold, Weißenberger und die Heckersänger an der Organisation beteiligt.

 
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