Steinen Die Kinder wären gern noch geblieben

Markgräfler Tagblatt, 14.08.2017 00:00 Uhr

Von Hans-Jürgen Hege

Im Spieldorf bei Schlächtenhaus waren in den vergangenen zwei Wochen 240 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren Mitglieder einer Gemeinschaft mit eigenem Rathaus, mit Bürgerzentrum, Post, Bäckerei, Schmiede, Rathaus, Klinik, Lehmofen, Handwerkertreff, Bank – und Geld oder besser „Öggn“, der Währung im Spieldorf, ohne die nichts ging.

Steinen-Schlächtenhaus. Bleibt man bei der Struktur des Dorfes, zählte die „Verwaltung“ 26 Mitglieder. Und die arbeiteten, wie es seit 26 Jahren üblich ist auf der Wiese der Bechtels im „Höllbachtal“ hinter Schlächtenhaus-Hofen, ehrenamtlich für „lau“ und doch so engagiert, dass die meisten Schützlinge nach zwei Wochen Spielen und Ackern so gut wie keinen Bock hatten, die Zelte abzubrechen, wo doch die Ferien praktisch erst begonnen haben.

Am Freitag stürmten die Eltern das Terrain, auf dem Jugendpfleger Helmut Kolibaba mit Humor, seiner Gitarre und seinem Team bisher Regie geführt hatte. Bei der obligatorischen „Bachrauschübung“ war Ruhe verordnet, sollte alles so still sein, dass man den nahen Bach rauschen hörte. Dann erinnerte Kolibaba mit einem Lied an den „Goldrausch“, der einmal Thema eines der vielen spannenden Dorfleben gewesen sei.

„Es sind Eltern hier, die selbst als Kinder in einem dieser Spieldörfer gewesen sind“, sagte Kolibaba. Und er habe auch Eltern ausgemacht, die im Betreuerteam mitgemacht haben.

Das gesellige Beisammensein begann deshalb mit vielen guten Gesprächen. Mit dem Fest werde aber auch das Ende der 26. Spieldorf-Auflage eingeläutet. „Natürlich wollen wir alle jetzt dieses Ende. Aber wir wollen auch gelobt werden für die gute Arbeit, die wir nicht nur in den zwei Wochen hier, sondern auch in der Vorbereitungsphase geleistet haben, die immer schon am Anfang eines jeden Jahres beginnt“, sagte Helmut Kolibaba, während die Schlote um ihn herum langsam zu qualmen begannen. Er wies darauf hin, dass vor Beginn des Dorflebens geübt werde, dass Lehrgänge stattfinden, um garantieren zu können, dass die Kinder schon bald nach ihrer Ankunft während des Zusammenzimmerns der ersten Buden zu einer echten Gemeinschaft verschmelzen.

„Es war eine schöne Zeit“, meinte Kolibaba und betonte, dass „alles super gelaufen“ sei. Insgesamt habe alles gestimmt, alle waren gut gelaunt“ und – so war dann auch bei verschiedenen Vorführungen am Freitag zu sehen – sehr kreativ, sei es nun beim Backen im Pizzaofen, in der Werkstatt des Schmieds oder beim filigranen Basteln von Postkarten-Kollektionen.

Bürgermeister Gunther Braun, den das Spieldorfteam kurzerhand zum Teammitglied beförderte, unterstrich die Bedeutung der „Institution Spieldorf“, die auch für seine Kinder Pflicht gewesen sei.

„Die zwei Wochen sind wichtig für Steinen. Die gehören zum Ferienprogramm einfach dazu“, sagte Braun. Das spüre man schon bei den Anmeldungen. Jahr für Jahr sei das Angebot ausgebucht. Und er fügte hinzu: „Ich werde von den Bürgermeistern anderer Gemeinden immer wieder neidisch gefragt, wie das zu organisieren sei.“ Auch deshalb habe er Helmut Kolibaba und seinen Helfern zu danken. „Die meisten des Teams nehmen Urlaub, müssen sich ihr Engagement aus der Freizeit rausschwitzen“, sagte der Bürgermeister. Und: „Ich bin eigentlich glücklich, dass wir so etwas in Steinen haben. Das Dorf ist ein wirklich gutes Aushängeschild für uns. Auch hier sieht man, dass sich leben und Wohnen in unserer Gemeinde lohnt.“

Es sei sicherlich nicht ganz einfach, die Kinder zwei Wochen ohne Internet und Handys bei Laune zu halten. Er freue sich sehr, dass dies auch in diesem Jahr wieder ohne Probleme, ohne Unfälle oder Blessuren gelungen sei, versicherte Gunther Braun.

 
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