Steinen Verfahrene Verkehrssituation

Markgräfler Tagblatt, 22.04.2017 00:00 Uhr

Von Anja Bertsch

Die Verkehrsüberlastung so präsent wie immer, dazu in jüngster Zeit die Frontstellung unterschiedlicher Interessengruppen – die Steinener Verkehrssituation scheint verfahrener denn je.

Steinen. Um über ein gemeinsames Vorankommen zu beraten, traf sich am Donnerstag auf Einladung der Agendagruppe „Siedlungsentwicklung und Mobilität“ ein gutes Dutzend „Verkehrsengagierter“. Eindeutiges Signal: Um das Problem in den Griff zu bekommen, müssen alle an einem Strang ziehen.

Derzeit gebe es im Dorf eine Schar unterschiedlicher Gruppen, die sich mit dem Thema Verkehr beschäftigten. Wichtig sei nun, die Gruppen wieder an einen Tisch zu bekommen, appellierte Bürgermeister Gunther Braun zu Beginn der Veranstaltung, und fand die ungeteilte Zustimmung der Anwesenden.

Die Erstellung eines Verkehrskonzeptes durch einen professionellen Planer könne dabei durchaus Sinn machen, so Bürgermeister Braun – freilich erst, wenn man sich in der Gemeinde über konkrete Ziele einig ist. Braun bat zugleich darum, dass sich die unterschiedlichen Gruppen unter dem Dach der Agendagruppe zusammenfinden, um die unterschiedlichen Interessen in diesem, vom Gemeinderat dezidiert als Instrument der Bürgerbeteiligung eingeführten Rahmen zu diskutieren und zusammenzuführen.

„Unsere Türen stehen offen“, betonte Agendasprecher Bernhard Wilhelmi an dieser Stelle. In diesem Sinne entspann sich schon beim Treff an Donnerstag eine fruchtbare Diskussion zwischen Agendagruppe, Gemeinderäten, IG Velo, IG Wiesenstaße und interessierten Bürgern ohne organisatorische Zuordnung; freilich noch ohne Beteiligung der jüngst gegründeten IG Ortskern Steinen, die der Einladung nicht gefolgt war.

Als „machbar“ bezeichnete Bürgermeister Braun die „Umfahrung Ost“, die den Verkehr von der Kanderner Straße über einen Abzweig etwa auf Höhe Neugraben am Ortskern vorbeileiten würde. Entsprechende Pläne existieren bereits; ein großes Fragezeichen freilich blieb stets die Anbindung: Soll der komplette Verkehr am Ende nicht doch wieder (via Rotzlerstraße) über den ohnehin überlasteten Steinener Bahnübergang fließen, braucht die Umfahrung einen Anschluss an die Bundesstraße – problematisch vor allem wegen der Bahntrasse, die aufwendig gequert werden muss.

Eine Chance für Steinen könnte die im Zuge der neuen Zentralklinik im Entenbad geplante Verlegung der L 138 an die Bahnlinie sein. Der Hauptverkehr würde dann nicht mehr über die Lörracher Straße sondern könnte über die Bahnhofstraße (oder über die Wiesestraße) fließen – ein Vorteil beispielsweise auch beim Gewerbeverkehr in Richtung Lörrach, der direkt abfließen könnte. Hier freilich müsse die Gemeinde Steinen aktiv werden, forderte Meinrad Spahr, um die eigenen Interessen rechtzeitig geltend zu machen. „Die Bahnhofstraße als neue Ost-West-Achse – diese Chance müssen wir wahrnehmen“, forderte auch Hans-Joachim Dannappel. Denkbar sei in diesen Zusammenhang der Ausbau der Rotzlerstraße mit Anschluss an die Bundesstraße; dies würde sich in die Ideen zu Umfahrung Ost fügen.

Derlei Lösungen freilich haben den Nachteil, dass übergeordneten Behörden vom Landkreis bis zum Bund mitziehen müssen – „und da haben sich in den letzten Jahren ganze Volksstämme von Behördenbewohnern nicht einen Zentimeter bewegt“, formulierte SPD-Gemeinderat Rudolf Steck. Auch Stephan Mohr von der Gemeinschaft zeigte sich überzeugt, dass „wir solche Lösungen nicht mehr erleben werden“. Gleichwohl, so die Gegenrede von Janek Kolze aus der Agendagruppe, müssen diese großen Schritte angegangen werden. Hier sei in Steinen schon viel zu viel Zeit vergeben worden, flankierte Hans-Joachim Dannappel.

„Das Große nicht aus den Augen verlieren, das Kleine konkret angehen“, erklärte Bürgermeister Braun ein zweigleisiges Vorgehen zum Ziel. Als konkrete Schritte wurde in der Versammlung die Einführung von Tempo 30 angedacht – in Erweiterung zu bereits beschlossenen teilweisen Beschränkungen flächendeckend und ganztags. Um die Verkehrsbelastung auf der Lörracher Straße zu reduzieren, könnte probeweise eine abknickende Vorfahrt beim Penny-Markt eingeführt werden, so ein weiterer Vorschlag. Auch die Idee einer Einbahnregelung für die Eisenbahnstraße wurde genannt. Die von der Agenda vor einigen Wochen ins Spiel gebracht Sperrung der Eisenbahnstraße hingegen ist aktuell vom Tisch – „zu viele offene Fragen bei Gemeinde, Landkreis und Regierungspräsidium; da ist noch gar nichts abgeklopft“, konstatierte Bernhard Wilhelmi. Präsentiert wurde auch die Idee einer westlichen Umfahrung, die den Verkehr von der L 135 (aus Richtung Weitenau) und der K 6335 vor dem Ort bereits abfängt und großräumig um Steinen herum am westlichen Ortsrand auf die L 138 führt; dazu allerdings gab es aus dem Diskussionsrund erhebliche Bedenken.