Todtnau Den Schwarzwald neu erfunden

Markgräfler Tagblatt, 07.08.2017 19:38 Uhr

Von Ulrike Jäger

Der Gewölbekeller im Todtnauer Rathaus bietet das passende Ambiente für die Foto-Ausstellung „Herzland“ von Jochen Scherzinger. Zur Vernissage hatte der Verein Kulturhaus Todtnau am Samstagabend eingeladen, und es kamen auch einige jüngere Besucher, die ein Auge auf diese besonderen Kunstwerke werfen wollten.

Fotostrecke 2 Fotos

Todtnau. Scherzinger zeigt auf seinen Bildern Tradition, Brauchtum und altes Handwerk, allerdings nicht als Fotos in alter Tradition, sondern verfremdet, mit kleinen Besonderheiten gespickt und überraschenden Ansichten.

Die Konzepte zu diesen Fotokampagnen stammen von Jochen Scherzinger, der aus Gütenbach kommt, und der sich mit dem Label „artwood“ als Modedesigner in Hübschental früh einen Namen gemacht hat. Fotografiert hat Tobias Ackermann aus Donaueschingen, der sich als „Lichtemotionist“ auf ganz besondere Landschaftsfotografie spezialisiert hat und dessen Leidenschaft mystische Lichtstimmung ist.

Die zwölf unterschiedlichen Fotomotive, zum Teil auf Canvas Leinwand und auf alten Holztüren, zeigen altes Handwerk, Uhrmacher, Zimmermann, d’Beck oder „Die fünfte Jahreszeit“. „Der Fasnacht die Farbe zu entziehen, ist schon frech“, sagt Jochen Scherzinger zu letzterem, denn auch das Foto mit einer Elzacher „Schuttig“ kommt schwarz-weiß daher. Die kleinsten der alten Türen stammen aus dem Haus seines Großvaters, die anderen habe er in der Nachbarschaft „geschnorrt“.

Seine Modelle, die Fotograf Tobias Ackermann ins rechte Licht gerückt und fotografiert hat, seien alles Laien, Freunde oder Freundinnen, die nicht professionell, aber dafür authentisch rüberkämen.

Ralf Thoma, beim Kulturhaus-Verein für den Kunstbereich zuständig, hatte den überzeugten Schwarzwälder nach Todtnau geholt. Eigens zu dieser Ausstellung im Rathauskeller hatte Scherzinger das Bild „Die Bürstenmacher“ komponiert. Es ist das einzige Werk in Farbe in dieser Ausstellung und zieht am Eingang des Gewölbekellers sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Der Betrachter braucht eine Weile, bis er sich dem Blick der drei abgebildeten Männer, die mit Requisiten aus dem Bürstenmuseum des Vereins ausgestattet sind, wieder entziehen kann.

„Jochen Scherzinger hat den Schwarzwald neu erfunden, jung und frech“ – mit diesen Worten begrüßte Ralf Thoma die Gäste der Vernissage. Die Bilder seien voller Kraft und Magie, so kraftvoll wie die dargestellten Menschen, die die harte Arbeit des traditionellen Handwerks verkörperten. Zusammen mit Tobias Ackermann habe Scherzinger „hippe Schwarzwaldkunst“ geschaffen, sagte Thoma, die eben auch jüngere Menschen interessiere.

Zum Titel „Herzland“ habe ihn die Band „U2“ mit dem Lied „Heartland“ inspiriert, sein Herzland sei der Schwarzwald, zu dem auch traditionelle Handwerker wie der „Flößer“ oder der „Glasmann“ gehörten. Die Künstler arbeiteten sehr schnell, erklärte Scherzinger: „Wir wussten immer beide genau, wie es aussehen soll.“ Die statische Dynamik der Bilder habe er von den griechischen Götterstatuen abgekupfert, so Scherzinger lachend. Die Bilder seien in Schwarz-Weiß gehalten, weil Farbe ablenken würde. Fast dreidimensional wirkt manches Bild auf den Betrachter; so mutet es an, als ob der Kopf beim Foto „Der Zimmermann“ aus dem Holz kommt.

Die Ausstellung „Herzland“ ist am 12. und 13. August sowie am 19. und 20. August jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter www.artwood.de und www.lichtemotionist.de.

 
          0