Von Carina Stefak

,Gut vier Wochen ist die Notunterkunft in Haltingen nun schon in Betrieb, und es läuft nach wie vor sehr gut, wie Heimleiter Bernhard Heyl informiert. Kabelloses Internet, Fernsehen und Kühlschränke mit abschließbaren Einzelfächern – nach und nach werden alle Bedarfslücken geschlossen.

Weil am Rhein-Haltingen. „Gerade ist nicht viel los, dafür dass hier 160 Leute wohnen. Daher ist es relativ ruhig“, kommentierte Heyl die angenehme Geräuschkulisse im großen Gemeinschaftsraum in Zelt A. Die Kinder seien im Kindergarten und in der Schule, viele Erwachsene im Sprachkurs oder in ihren Zimmern in der Unterkunft.

161 Bewohner leben in der Unterkunft, Platz gibt es für 200. Heute sollen 18 weitere hinzukommen, die aus denselben Ländern stammen, wie jene Menschen, die bereits da sind: Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Togo und Nigeria.

Elf Nationen sind in der Notunterkunft vertreten und der Austausch untereinander klappt recht gut, wie Heimleiter Heyl sagt, allerdings eher auf der menschlichen als auf der sprachlichen Ebene. „Durch den großen Gemeinschaftsraum gibt es keine Isolation.“ Immer wieder beobachte er, wie Erwachsene aus Afrika mit syrischen Kindern spielten.

Sprachlich ist der Heimleiter dankbar für die Dienste von Weilern wie dem Deutsch-Tunesier Radhouane Farhat, der als Übersetzter fungiert, neben Englisch und Französisch auch Arabisch spricht und somit von nahezu jedem Flüchtling verstanden wird – und umgekehrt. Der Informationsfluss läuft gut.

W-Lan in Angriff nehmen

Der Nachteil des großen Gemeinschaftsraums sei jedoch die Lautstärke. Dies könnte sich sogar noch verstärken, wenn die Fernseher ankommen. Ansonsten bleibt die Einrichtung eines W-Lan-Netzwerks ein wichtiges Ziel, das in den nächsten Wochen realisiert werden soll. „Damit eröffnen sich auch sprachlich und pädagogisch neue Möglichkeiten“, sagt Heyl. Bislang lagen die Prioritäten auf den baulichen und die Ausstattung betreffenden Aspekten.

Anders als in anderen Unterkünften gilt in Haltingen Selbstversorgung und vor Kurzem wurden auch Kühlschränke mit abschließbaren Einzelfächern geliefert. Bislang hat man sich mit einem Kühlcontainer beholfen, in dem mehrere Spinde standen. Auch die vier Küchencontainer mit 20 Herden werden regelmäßig genutzt. „Die Bewohner teilen sich das ganz gut ein“, so Heyl, der nicht verschweigt, dass die Küchenzeiten anfangs überdehnt wurden.

So sei es schon vorgekommen, dass Bewohner nachts um drei Uhr angefangen haben, zu kochen, und beim Essen im Gemeinschaftsraum ordentlich Radau gemacht hätten. Daher werden die Küchen nun unter der Woche um 23 Uhr geschlossen und erst um 6 Uhr wieder aufgemacht – Ausnahmen sind die Wochenenden und der Fastenmonat Ramadan.

Gegenseitige Rücksicht

Bislang haben sich im Zusammenleben „keine echten Schwierigkeiten“ ergeben, betont Bernhard Heyl. Zwar gebe es durchaus unterschiedliche Standards, gerade was die Küchen- und Badhygiene angeht; diese werden jedoch immer wieder benannt und stoßen laut Heimleiter auch auf Rücksicht.

Auch die von Anwohnern befürchteten Ruhestörungen durch den Betrieb in der Notunterkunft seien nicht eingetroffen, so Heyl. Weder bei ihm noch bei der Orts- oder Stadtverwaltung sind Beschwerden eingegangen – Hauptamtsleiterin Annette Huber bestätigte dies. Einzig innerhalb der Notunterkunft habe es einige Klagen gegeben. Deshalb geht der Sicherheitsdienst nach 22 Uhr durch die Zelte und achtet auf Einhaltung der Nachtruhe.

Auch sonst beschränken sich die Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen bislang auf das Engagement des Willkommenskreises. So hätten vor allem an Weihnachten einige Mitglieder in der Notunterkunft vorbeigeschaut und seien mit Bewohnern ins Gespräch gekommen. Für die wärmere Jahreszeit kann sich Heyl ein Grillfest mit Aktivitäten auf dem Sportplatz vorstellen, um einen Austausch zu fördern.