Das Thema Verkehr beschäftigt die Bürger in Weil am Rhein immer wieder. Denn das Verkehrsaufkommen steigt weiter. Mit einem Verkehrskonzept will die Stadt die dabei entstehenden Probleme möglichst eindämmen. Unsere Zeitung sprach darüber mit Bürgermeister Christoph Huber.

Das Verkehrskonzept in Weil am Rhein ist noch in Arbeit, erst Teile davon wie in Alt-Weil sind umgesetzt. Mit welchen Änderungen müssen die Verkehrsteilnehmer im neuen Jahr rechnen?

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Mit dem vorhandenen Gesamtverkehrsplan besteht ein Instrumentarium, das wir anlassbezogen fortschreiben, so wie zum Beispiel im Bereich der Römerstraße oder bei der Einführung einer Parkraumbewirtschaftungszone in Friedlingen im vergangenen Jahr. Weitere Beauftragungen sind erfolgt.

Für welche Maßnahmen?

Unter anderem für die Verkehrslenkung in und um die Gartenstadt in der Kernstadt sowie im Bereich Alt-Weil zwischen Zoll und der Einmündung der Hauptstraße bis hin zur B 317. Größere bauliche Veränderungen sind im laufenden Jahr nicht zu erwarten.

Die Verkehrsberuhigung in der Römerstraße ist auf einige Kritik gestoßen, zumal Alt-Weil dadurch nicht weniger Verkehr hat. Im Gegenteil, es sei sogar mehr geworden, klagen Anwohner aus der Hinterdorfstraße.

Neuregelungen brauchen ihre Zeit, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten. Fest steht aus den Erfahrungen und einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Analysen bundesweit, dass mit der Errichtung von Tempo-30-Zonen in Kombination mit der Markierung beidseitiger Schutzstreifen für Radfahrer die Geschwindigkeitsreduzierung größer ist als ohne die Markierung von Schutzstreifen. Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen bestätigen dies. Um weitere Optimierungen vorzunehmen, wurde der Planer beauftragt, diese aufzubereiten und dem Gremium zur Diskussion vorzulegen.

Wann kommt die von vielen Bürgern gewünschte Fußgängerzone?

Die Einrichtung einer Fußgängerzone zwischen dem heutigen Schlaufenkreisel und dem „Mini“-Kreisel bei der Sparkasse ist ein langfristiges Ziel. Beim Bürgerdialog „Weil am Rhein macht’s!“ hat sich eindeutig eine Tendenz zu einer Zustimmung gezeigt. Bis dahin müssen aber eine Reihe zentraler Fragen befriedigend beantwortet werden.

Welche?

Wie wird die Verkehrslenkung sein, damit nicht die Wohnquartiere südlich und nördlich der Fußgängerzone mit Verkehr belastet werden? Können die Parkhäuser der Insel und der Dreiländergalerie sowie das Parkdeck beim Kaufring als Ersatz für die entfallenden Parkplätze im Bereich der Fußgängerzone dienen? Gibt es eine Verlängerung der Tramlinie mit einer Haltestelle in dieser Zone? Kann oder soll man sich schrittweise einer Fußgängerzone nähern, indem man vielleicht in einem ersten Schritt einen verkehrsberuhigten Bereich einrichtet? Bevor die Planungen für und um die Dreiländergalerie als westlichem Schlussstein der Innenstadt nicht abgeschlossen sind und damit dann auch klar ist, wie die Verknüpfung des Centers mit der Innenstadt aussieht, kann man keine Diskussion um die Einrichtung einer Fußgängerzone anstoßen. Die Zusammenhänge und Abhängigkeiten sind sehr komplex und greifen ineinander über. Eine Thematisierung zum jetzigen Zeitpunkt brächte zu viele „Wenn“ und „Aber“.

Noch ein anderes Verkehrsthema, das im vergangenen Jahr einigen Staub in Haltingen aufgewirbelt hat: die Nordwestumfahrung. Bis wann steht fest, mit welcher Variante es vom Rumänenfriedhof in Richtung Weil weitergeht?

Zu der Auswahl an Varianten hat ein weiterer Aspekt im vergangenen Jahr einen neuen Impuls erfahren. Es geht dabei um den Vollanschluss der Alten Straße an das Autobahndreieck A5/A98. Im Zusammenhang mit einer möglichen Entwicklung eines Containerterminals am Rhein lassen wir zurzeit die technische Machbarkeit durch ein Büro untersuchen. Sollte diese nachgewiesen werden können, geht es darum, die Auswirkungen auf die Verkehrsströme darzustellen. Um diese vollumfänglich ermitteln zu können und um daraus dann auch die notwendigen Ableitungen zu finden, muss aber zunächst wieder die Brücke über die A 5 bei Märkt in Betrieb gehen, was Mitte des Jahres erfolgen soll. Von Vorteil wäre es auch, abzuwarten, bis das neue Produktionsgebäude der Firma Raymond seinen Betrieb aufgenommen hat. Auch dies soll bekanntlich in Kürze der Fall sein. Unter Umständen kommt dadurch zu den bisherigen Varianten für die Weiterführung der Nordwest-Umfahrung noch eine weitere hinzu.

Hat ein weiterer Autobahnanschluss überhaupt realistische Chancen?

Das wird davon abhängen, ob es gelingt, den Nachweis zu führen, dass die Verkehrserzeugung aus und in das Rheinvorland für das überörtliche Verkehrsnetz eine relevante Größenordnung darstellt. Das mögliche Containerterminal ist nur ein, wenn auch neuer Verkehrserzeuger. Außerdem geht es um den Nachweis, wie die Ortsdurchfahrten Märkt, Haltingen und Eimeldingen durch einen Vollanschluss entlastet werden können und wie sich die Leistungsfähigkeit der B  532 im Bereich der Autobahnausfahrt A 5 oder der Auffahrt auf die A 5 verbessert.

Sie sind leidenschaftlicher Radfahrer. Sind Sie zufrieden mit dem Radwegenetz in der Stadt? Gibt es Verbesserungswünsche?

Das Radverkehrskonzept „velo2025“ ist eine sehr gute Grundlage, um nun zu definieren, welche Maßnahmen in den kommenden Jahren priorisiert werden sollen. Dazu werden wir uns mit der Kommission für Verkehrsfragen, der IG Velo und der Polizei im ersten Quartal zusammensetzen. Das Konzept ergänzt den Gesamtverkehrsplan um den Radverkehr und dient ebenso als Basis für das Mobilitätskonzept, das wir 2016 beauftragen wollen.

Ich fahre gerne Rad, ja. Ich nutze daneben aber auch das Auto, den ÖPNV und bin als Fußgänger unterwegs. So wie die allermeisten anderen Menschen bewege ich mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise fort. Und wie bei vielen anderen Themen bedarf es einer Betrachtung im Sinne eines „sowohl als auch“ und nicht eines „entweder oder“. Entsprechende Wünsche müssen sehr sorgfältig abgewogen werden.

  Die Fragen stellte Siegfried Feuchter