Weil am Rhein Mehr Gewalt gegen Polizei

Weiler Zeitung, 20.04.2017 21:13 Uhr

Von Siegfried Feuchter

Die Body-Cams sollen abschreckende Wirkung erzielen und damit präventiv wirken. Auch das Polizeirevier Weil am Rhein beteiligt sich sechs Wochen lang an dem Pilotversuch mit den Körperkameras. Die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte soll dadurch eingedämmt werden. Die ersten Erfahrungen sind positiv, wie die Polizei gestern bei einer Pressekonferenz berichtete.

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Weil am Rhein. Das Revier Weil am Rhein ist neben Freiburg-Nord vom Polizeipräsidium für den am 5. April gestarteten Testlauf ausgewählt worden, nachdem die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen worden sind. Aus gutem Grund: Nach Freiburg gehören die Reviere Weil am Rhein und Lörrach zu denen, in denen die Polizeibeamten am häufigsten körperlichen Attacken ausgesetzt sind.

„Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat zugenommen“, betonte gestern Polizeivizepräsident Alfred Oschwald. Waren es im vergangenen Jahr in Freiburg 116 gewalttätige Angriffe (landesweit 4400), wurden Weiler Polizeibeamte, wie Revierleiterin Kathrin Mutter berichtete, bei 30 Einsätzen (acht mehr als im Jahr zuvor) körperlich angegriffen. In dieser Zahl sind die verbalen Beschimpfungen und Beleidigungen, denen Polizisten ebenso ausgesetzt sind, nicht enthalten. „Der Einsatz von Body-Cams ist ein Quantensprung“, betonte Oschwald. Diese kleinen, auf der Schulter getragenen Kameras sollen vor allem deeskalierend wirken. Der Polizeivizepräsident ist zuversichtlich, dass nach Auswertung der sechswöchigen Erprobungsphase der Innenausschuss des Landtags grünes Licht für die Anschaffung der Kameras geben wird. Innenminister Thomas Strobl hat bereits festgestellt: „Die Body-Cam sorgt für mehr Sicherheit.“ Er sei überzeugt, dass die Angriffe auf die Polizei dadurch reduziert werden.

Vor dem Hintergrund der hohen Zahl an Straftaten in der Stadt Weil, bedingt durch die Grenzlage, und vor dem Hintergrund der gemeinsam von Stadt und Polizeipräsidium ins Leben gerufenen Sicherheitsinitiative begrüßt Oberbürgermeister Wolfgang Dietz den Einsatz dieser am Körper getragenen Kameras. Neben einer Reihe weiterer Maßnahmen würden die Body-Cams dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl der Polizeibeamten bei ihren oft schwierigen Einsatzen zu erhöhen, zum anderen auch das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu verbessern. Es sei richtig und wichtig, auf die Präventivwirkung zu setzen, betonte Dietz, wobei der OB in dem Zusammenhang auch auf das Projekt „Respekt“ der Weiler Bürgerstiftung hinwies. Dietz hofft, dass nach dem Pilotversuch die Body-Cams – trotz europaweiter Ausschreibung – möglichst schnell angeschafft werden.

Revierleiterin Kathrin Mutter äußerte sich erfreut darüber, dass der Streifendienst die Body-Cams erproben kann. Denn immer wieder gebe es bei den Alltagseinsätzen mit Jugendlichen und Heranwachsenden Probleme, wobei die verbalen und auch körperlichen Attacken sowie die Provokationen gegen die Polizeibeamten zugenommen haben.

„Ich hoffe, dass durch den Einsatz der Kameras sich die Zahl der Straftaten reduzieren wird und das aggressive Verhalten zurückgeht, dagegen aber das rechtskonforme Verhalten zunimmt“, sagte die Revierchefin.

Laut Mutter, und das bestätigte auch Polizeibeamtin Giovanna Di Nuzzo, sorge die Body-Cam für mehr Handlungssicherheit. Seit Anfang April sei die Kamera bei Einsätzen im Weiler Revierbereich bereits in zehn Fällen eingesetzt worden.