Weil am Rhein Strapaziöse Stunden in Ironman-Hölle

Weiler Zeitung, 13.07.2017 19:15 Uhr

Von Siegfried Feuchter

Zuerst 3,8 Kilometer schwimmen, dann 180 Kilometer Rad fahren und direkt anschließend noch 42 Kilometer unter extremen Bedingungen bei Temperaturen von 35 Grad laufen: Jörg Kult, Weiler Geschäftsmann, hat diese riesige Herausforderung beim Ironman in Frankfurt mit starker Leistung gemeistert. Nach zehn Stunden und 51 Minuten kam er erschöpft, aber glücklich ins Ziel.

Weil am Rhein. Eine solche sportliche Top-Leistung in der „Ironman-Hölle“ erfordert einen unbändigen Willen, äußerste Disziplin und natürlich eine exzellente Fitness und Ausdauer. „Da muss man manchmal den inneren Schweinehund überwinden – nicht nur im Wettkampf, sondern auch bei der monatelangen Vorbereitung“, sagt Jörg Kult, der in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden ist. Für den Weiler Top-Athleten ist dies bereits der zweite erfolgreich absolvierte Ironman, die Königsdisziplin des Triathlons. Rund 3000 Teilnehmer aus 55 Nationen waren am zurückliegenden Sonntag in der Main-Metropole bei diesem hochkarätigen „Ausdauer-Ereignis“ am Start. Längst nicht alle haben die Tortur bis ins Ziel geschafft, viele Teilnehmer mussten aufgeben oder sind bei der Hitze erschöpft zusammengebrochen. Jörg Kult hatte trotz der riesigen Anstrengung während des Wettkampfs nie einen Gedanken gehabt, vorzeitig aufzuhören.

Hunderttausende Zuschauer säumten beim abschließenden Marathonlauf den Rundkurs in Frankfurt. Darunter waren auch seine Frau Jacqueline und der in der Banken-Metropole lebende Sohn Jean-Luc sowie Jürgen Zimmermann mit Familie, die den Weiler Ausdauersportler nicht nur kräftig anfeuerten, sondern ihn während der vier Runden auch mit Getränken und kühlenden Eisbeuteln versorgten.

Um 3 Uhr am Sonntagfrüh war der Triathlet aufgestanden und begann mit den Vorbereitungen, denn bereits um 6.30 Uhr startete das Schwimmen im Waldsee. Danach gehörte Jörg Kult zu den Athleten, die die strapaziösen 180 Kilometer auf dem Fahrrad mit einer sehr guten Leistung meisterten. Fünf Stunden und 22 Minuten war er unterwegs, wobei er noch eine fünfminütige Zeitstrafe hinnehmen musste, weil er einmal den vorgeschriebenen Abstand von zwölf Metern zum Vordermann nicht eingehalten hatte. Dies wird nämlich als Windschattenfahren ausgelegt, was verboten ist.

Den abschließenden Marathon als dritte Disziplin an einem Tag absolvierte der Weiler in vier Stunden und einer Minute. „Damit war ich nicht zufrieden, denn meine Bestleistung im Rahmen eines Triathlons liegt bei drei Stunden und 38 Minuten“, sagt der Athlet und fügt hinzu: „Das war halt der Hitze geschuldet.“ Einen Marathon ohne die Zusatzbelastung durch Schwimmen und Radfahren hat der 50-Jährige schon in drei Stunden und zehn Minuten bewältigt – bisherige persönliche Bestmarke.

Beim Ironman kam Jörg Kult nach zehn Stunden und 51 Minuten als 84. in seiner Altersklasse, in der 700 Triathleten am Start waren, ins Ziel.

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Ein solche Leistung lässt sich nur erbringen, wenn man zuvor monatelang hart trainiert hat.

Vor etwa zehn Jahren hatte Jörg Kult, der zuvor keinen Sport betrieb, zunächst mit dem Radfahren und später mit dem Laufen begonnen. Schon mehrfach bestritt der zielstrebige Handwerksmeister, der ein Maler- und Gipsergeschäft mit 28 Mitarbeitern führt, den Ötztaler Marathon. Von Jahr zu Jahr steigerte Jörg Kult sein Trainingspensum und seine Trainingsintensität.

„Es war schon immer mein Traum, bei einem Ironman, also der Langdistanz des Triathlons, ins Ziel zu kommen“, sagt „Eisenmann“ Jörg Kult. Wie schon im vergangenen Jahr hat er erneut diese große Leistung geschafft.

Im November vergangenen Jahres hatte er mit dem gezielten, harten Training für den Frankfurter Ironman begonnen. Anfänglich waren es zwölf bis 14 Stunden Training pro Woche, in der Endphase gar 20 Stunden. Der Freitag war und ist in der Regel trainingsfrei. Mit Hilfe eines Online-Trainers stimmt der Ausdauersportler die Trainingspläne genau ab. Radfahren, laufen, über die Mittagszeit schwimmen im Laguna sowie zusätzlich Krafttraining gehören zum Alltag. Es ist für ihn keine Qual, sondern es macht ihm Spaß. „Sonst würde ich es nicht tun.“

Ein striktes Zeitmanagement ist für den Unternehmer unabdingbar. „Das Geschäft geht immer vor“, betont Jörg Kult. So kommt es, dass er oft noch am Abend mindestens eineinhalb Stunden trainiert, sei es draußen beim Ausdauertraining oder drinnen im Kraftraum. An den Wochenenden stehen dann Einheiten von 150 Kilometer Radfahren und bis zu 30 Kilometer-Läufe auf dem Programm.

Neben akkuraten Trainingsplänen spielt auch die richtige Ernährung eine wichtige Rolle. Seit Jörg Kult vor knapp zehn Jahren mit intensiver sportlicher Betätigung und der Umstellung der Ernährung begonnen hat, nahm er 20 Kilo ab. „Ich fühle mich rundum wohl“, sagt der 50-Jährige.

 
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