Weil am Rhein Übernatürliches aus Haltingen

Weiler Zeitung, 16.10.2013 11:09 Uhr

Von Gundula Weissenrieder Weil am Rhein-Haltingen. Unsere Welt scheint durchdrungen von Mysterien – die sich nur Auserwählten und Verbündeten offenbaren. Zu solch konspirativer Komplizenschaft verleitet Christina Förster ihre Leser, bringt sie zum Eintauchen in ein vielschichtiges Paralleluniversum voll dunkler Mächte und geheimer Zauberkräfte. Damit gelingt der Haltingerin nach erfolgreichem Debüt ihrer Fantasy-Reihe „Cromwell-Chroniken“ auch mit dem zweiten Roman „Grabes Hauch“ ein Lesevergnügen, das am Freitag, 18. Oktober, um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Haltingen vorgestellt wird. Für einmal entwickelte sich der Unterricht der 7. und 9. Klassen der Hans-Thoma-Schule Haltingen zur virtuellen Reise ins Berlin der Gegenwart, mitten hinein in magisch-zwischenmenschlich verflochtene Wirkungsfelder. Denn mit solch wortgewandt heraufbeschworenen Abenteuern verband deren Initiantin, Christina Förster, ihren letztjährigen Vortragseinstieg mit der aktuellen Fortsetzung: „Durch die Vorstellung meines ersten Buchs „Kaltes Feuer“, das im Unterricht thematisiert wurde, hielt sich der Kontakt zu den Schülern“, berichtet die Jungautorin erfreut über die vielen erhaltenen Briefe. Generell ist sie offen für jegliche Rückmeldung: Sie spornen an, wie die „stimmige Chemie zwischen mir und dem Publikum“, sagt sie. Thematische Würze streut die Sozialdiakonin, die in einer evangelisch reformierten Kirchengemeinde Basel arbeitet, neben manch sozialpolitischem Diskurs auch mit einem gewissen Gewalt- und Erotik-Potenzial ein. Weshalb sie ihre Texte eher Jugendlichen und jungen Erwachsenen zuordnet: „Daher verblüfft mich immer wieder, welch unterschiedliche Altersgruppen meinen Lesungen beiwohnen: Sogar Hochbetagte in den 90ern, die sich für die gesamte Textdarstellung begeistern. Selbst über Chattexte im Internet, die für sie sicher keinen gewohnten Zugang darstellen“, schätzt sie die regionale Aufmerksamkeit als echten Bonus. „Es fasziniert mich alles gleichermaßen: Schreiben wie darüber zu referieren“, analysiert Christina Förster, die dies gerne zu ihrem beruflichen Standbein ausbauen würde. Dabei schwingt der Enthusiasmus mit, der sie ihre begrenzte Freizeit viel Präsenz im Internet widmen lässt, an Homepage, Blog und Videos zu feilen, sogar Lesungen selbst zu organisieren. Und am Manuskript des fünften Bands zu tüfteln, währenddessen Korrekturen an bestehenden Vorlagen anstehen. Denn ausgestattet ist die ambitionierte Vielschreiberin nicht nur mit Talent, Redegewandtheit und Fleiß, sondern mit dem durchstrukturierten Konzept ihrer zehn geplanten Bände, die sich rapide in Umsetzung befinden: So kündigt sich das Erscheinungsdatum des dritten Teils für Herbst an. Wenn dabei der durchgliederte, engmaschige Erzählstrang Charaktere und Handlungsverläufe auch streng festlegt, so punktet der Roman doch mit Fassettenreichtum durch intuitiv-spontan Gesetztes: „Es ist mir wichtig, meine Figuren nicht in ein Schema zu pressen, sondern sie aneinander reiben zu lassen. Sie sind alle unperfekt, keineswegs in sich harmonisch.“ Und da eigene Alltagserlebnisse und Beobachtetes einfließen, auch vieles in humoristischer Weise ummantelt wird, findet sie sich sogar selbst integriert: „Auch, wenn ich bewusst keine Ähnlichkeiten meiner Bekannten und Freunden miteinbeziehe, so erkennen mich diese umgekehrt sehr gut darin: In der Art der Agitation, im Redefluss!“ Dem regen Ideenfluss die Schleusen zu sperren, fällt ihr dabei schwer: Drückte die Emsige für den ersten Band hunderte Seiten in die Tasten, übertrifft sie sich in der Folge weiter: „Einige der Abschnitte, die den üblichen Kürzungen anheimfallen, bringe ich in meiner monatlichen Homepage-Kolumne als Gratis-Leseprobe unter“, sagt sie. Die Nähe zum Text mache aber jede Streichung schmerzhaft, weshalb sie für einen gewissen Abstand plädiert. Manchmal vergehen dabei Jahre, und „manches erscheint mir beim Wiederlesen fürchterlich, doch vieles auch wirklich gut, wie vergessene Geistesblitze, Witze, die mich zum Lachen bringen.“ Zügig voran bringt Christina Förster ihr konstruktives Feilen an sprachlichen Feinheiten. Sie spricht vom erzielten griffigeren, flüssigeren Stil, der pointierten Inhaltssetzung, die ihr positive Rückmeldungen des Verlags eintrugen. Die Perfektionistin veranlasste dies zur kompletten Überarbeitung des Debütroman-Endes: „Der führt zwar zum selben Schluss, doch in einer wesentlich mitreißenderer Fasson“, empfiehlt sie statt Hardcover die Taschen- und E-Book-Ausgabe. So geht sie auch mit „Grabes Hauch“ jener Entwicklung als Schriftstellerin voran, „die ich mir in charakterlichem Sinne für meine Romanhelden wünsche: Mit ihnen sollen meine Leser mitwachsen können“. Eine Fantasy-Welt zu erschaffen, mache enorm Spaß, sagt die Autorin.Andererseits sei es doch schön, diese zum Abschluss zu bringen. Homepage: http://diecromwellchroniken.de/ Blog: http://diecromwellchroniken.blogspot.com/