Weil am Rhein Weniger Gas geben

Weiler Zeitung, 19.05.2017 23:05 Uhr

Rasende Autos, gefährdete Kinder, immer mehr Verkehr, ein kaum beachteter Zebrastreifen und zugeparkte Einfahrten: Anwohner der Turmstraße wollen die sich zuspitzende Verkehrssituation nicht länger hinnehmen. Ein Hilferuf in Form einer Unterschriftenliste geht aktuell rum.

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Markus Guldenschuh und Heribert Potthoff blicken mit Unverständnis auf die vorbeifahrenden Autos. Eine Geschwindigkeit, die deutlich über dem erlaubten Tempo 50 liegt, ist bei vorbeifahrenden Autos eher die Regel und nicht die Ausnahme. Zwischendurch wird es lauter, wenn es aus den Auspuffen dröhnt. Der wenige Meter entfernt befindliche Zebrastreifen wird außerdem durch viele Fahrer kaum beachtet. Ein Auto steht direkt davor, also eigentlich im Halteverbot – eine Frau mit Kind muss hier auf halber Strecke des Streifens warten, da ein anderes Auto vorbeibraust.

Sorge um die Sicherheit

„Wir versuchen hier, etwas zu verhindern, damit nichts passiert“, hofft Potthoff, mit einer Unterschriftenliste Änderungen herbeizuführen. Als seine Kinder kleiner waren, versuchte er mit Brettern am Ende der Einfahrt einen Unfall zu vermeiden, also dass die Kleinen auf die Straße laufen und angefahren werden. Jetzt will er im größeren Rahmen etwas bewirken. Mit einer Unterschriftenliste wollen die Initiatoren eine Tempo-30-Zone auf den Weg bringen.

Kurz nach dem Start stehen bereits zwei Dutzend Namen darauf, insgesamt gebe es etwa 150 direkt betroffene Anwohner, die in einem Info-Schreiben das lesen können, was sie selbst häufig erleben: mehr Verkehr, mehr Lärm und weniger Sicherheit.

So werde wegen der baulichen Situation die Straße seit Jahren als Rennstrecke missbraucht. Wegen der auf 400 Metern bestehenden freien Sicht würden die Fahrer Gas geben. Nicht selten müssten entgegenkommende Fahrzeuge auf den letzten Metern in noch vorhandene Lücken ausweichen, wobei es hier auch schon zu Blechschäden gekommen sei, erinnern sich die Anwohner. „Schlimmer ist die Tatsache, dass es neben einem Kindergarten an der Schafackerstraße auch noch zwei Grundschulen in unmittelbarer Nähe gibt, welche von den Anwohner-Kindern besucht werden“, warnt Potthoff vor tragischen Unfällen.

Eine Zubringerstraße

Vor allem seit die Zollfreie offen ist, würden auch Laster durch die Straße fehlgeleitet. Hinzu komme, dass an der Gaststätte „Hebelhof“ Laster anliefern, welche die Straße blockieren, was Hupkonzerte der wartenden Autofahrer zur Folge habe. Auch Fußballer auf dem Weg zur Sportstätte seien hier schnell unterwegs. Insgesamt sei es ein Zubringer zur Stadt. „Das ist die neue Hauptstraße“, kritisiert Guldenschuh.

Die Stadt würde dies auch so sehen, als eine Zugangsstraße. „Das bleibt so“, habe Erster Bürgermeister Christoph Huber den Anwohnern auch deutlich gemacht. Einen ähnlichen Tenor vernahmen Anwohner nach eigenen Aussagen von OB Wolfgang Dietz. Zwar sei einmal eine Verkehrszählung erfolgt, doch genau in der Ferienzeit, kritisiert Rosemarie Wolf.

Gespräch mit OB Dietz

Ob sich etwas ändern wird? Die Anwohner wollen mit der Unterschriftenliste einen ersten Schritt machen. Dabei blicken sie auf die Römerstraße, die ja auch eine Zugangsstraße sei und wo nun in einem Teilbereich Tempo-30 gilt. In einem Gespräch mit OB Dietz und Erster Bürgermeister Huber könne eventuell der Weg dahin geebnet werden. Denn frühere Aussagen zur Zufahrtsstraße Turmstraße würden mit Blickrichtung Römerstraße relativiert. Diese sei eine Hauptverkehrsachse und nun in einem Teilabschnitt eine Tempo-30-Straße. Selbst auf der Wallbrunnstraße in Lörrach, die als eine Haupteinflugschneise für Autofahrer von der A98 galt, wurde Tempo 30 eingeführt, blicken die Anwohner über den Tüllinger.

Außerdem wollen sie noch Schlimmeres verhindern, da nach einer möglichen Einführung einer Fußgängerzone in der Innenstadt die Turmstraße als eine Hauptverkehrsstraße gewertet werden könnte. „Die Turmstraße würde zur Raserstrecke verkommen“, befürchtet Andreas Rogg. Hinzu komme, dass das Verkehrsaufkommen mit der Eröffnung der Dreiländergalerie wohl noch ansteige.

Zufahrten zugeparkt

Doch es gibt noch ein Problem, das Parken der eigenen Autos: Reinhard Weiß öffnet das Einfahrttor, auf dem groß „Einfahrt freihalten“ steht. Dahinter steht sein Wagen, in dessen Windschutzscheibe ein Parkschein für Behinderte liegt. Seine gehbehinderte Frau brauche einen Behindertenparkplatz. Vor der Einfahrt stünden hingegen immer wieder Autos, die das Fahrzeug zuparken.

„Wir parken extra rückwärts ein, damit wir überhaupt rauskommen“, zeigt Iris Potthoff eine weitere Folge der Verkehrssituation auf. Auch sie will diese nicht länger hinnehmen. Tempo 30 müsse geprüft werden.

 
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