Von Carina Stefak

Damit das Projekt „Kinderfreundliche Kommune“ nach der Verleihung des Siegels 2014 an die Stadt in den nächsten Jahren mit Leben gefüllt wird, werden sechs zentrale Anliegen in einem Leitbild zusammengefasst. Der Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss hat dieses mit großem Zuspruch einstimmig gebilligt.

Weil am Rhein. Die Verleihung des Siegels ist nicht nur als Auszeichnung für bereits Erreichtes gedacht, sondern auch als Auftrag, weiterzumachen und den Aktions- und Maßnahmenkatalog, der unter Beteiligung von Weiler Kindern und Jugendlichen und Begleitung durch den Verein „Kinderfreundliche Kommune“ und andere Pilotkommunen erarbeitet worden war, mit Leben zu füllen.

Bis 2018 – vier Jahre nach der Siegelverleihung – sollen die Projekte umgesetzt werden. Realisiert worden ist inzwischen die Streetworkout­anlage am Schlaichturm, für den Jugendetat werden vom Jugendparlament Richtlinien erarbeitet. Eine dritte Maßnahme, die 2015 begonnen wurde, ist die Erstellung eines Leitbilds, weil es noch keine Regelungen gibt, die Kinderrechte ressortübergreifend im Verwaltungshandeln verankern: Kinderfreundlichkeit soll selbstverständlich und auf allen Ebenen gelebt werden.

Vertreter aller Ämter

Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Stadtverwaltung mit Vertretern aller Ämter hat in Zusammenarbeit mit dem „Kobra-Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung“ aus Kandern zentrale Grundlagen für das Leitbild erarbeitet. Herausgekommen sind sechs Grundsätze, die die Herangehensweise bei der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs prägen (siehe Text „Leitbild“ rechts).

„Diese Punkte waren uns auch bisher schon wichtig“, betonte Hauptamtsleiterin Annette Huber. Nun werden sie schriftlich festgehalten. Dies fand breite Zustimmung im Gremium, gleichwohl betonte Wolfgang Roth-Greiner (FDP), dass die Absichten „nicht nur auf dem Papier“ nachzulesen sein dürften.

Immer am Ball bleiben

Man müsse permanent dahinter sein, dass die Leitlinien in der Praxis gelebt werden; sie müssten erweitert und kon­trolliert werden, damit „ein aktiver Prozess auf Dauer“ erhalten bleibe, in den die Kinder eingebunden werden. „Das ist kein Selbstläufer“, sagte Roth-Greiner. Aufseiten der Verwaltung ist man sich dessen bewusst, wie OB Wolfgang Dietz sagte. Nur so könne das Ganze nachhaltig sein.

Am Ball zu bleiben fand auch Claus Weibezahl (CDU) wichtig, denn „nirgendwo ändern sich die Dinge so schnell wie in der Welt der Jugendlichen“. Deshalb müssten die Grundsätze verinnerlicht werden: „Wir müssen das leben und zwar alle zusammen.“ Besonders berührt habe ihn der Punkt „Demokratieverständnis erwerben“, der angesichts der sinkenden Wahlbeteiligung von großer Bedeutung sei.

Andreas Rühle (UFW) fühlte sich von der Verbindlichkeit angesprochen, die aus den Formulierungen hervorgehen. Auch wichtig ist seiner Meinung nach, den Kindern vor dem Hintergrund, dass nie alles realisiert werden kann, auch die Grenzen des Machbaren aufzuzeigen.

Der Grünen-Stadträtin Ingrid Pross waren die Formulierungen in der Beschlussvorlage zu schwammig, darunter könne man sich nur schwer etwas vorstellen. Wenngleich sie zugestand, dass Leitbilder per se allgemein gehalten seien, gelte es, „die Punkte runterzubrechen und konkrete Ziele zu formulieren“. Annette Huber pflichtete ihr bei und versprach „konkrete Hilfestellungen und Handlungsanleitungen für die Praxis“.

Matthias Dirrigl (SPD) erkundigte sich, wie man auf das „Kobra“-Beratungszentrum gekommen sei und ob es Vergleichbares in Weil gebe. Huber verwies auf die „guten Referenzen“ der Kanderner, Dietz brachte die Tatsache ins Spiel, dass das Büro auch die Gemeinde Riehen beraten hat, die das Siegel ebenfalls trägt. „Insofern hat das gepasst.“

Wolfgang Roth-Greiner hakte beim Austausch mit anderen Pilotkommunen nach. Dieser ist laut Huber lebendig; aktuell sei Michaela Rimkus, die bei der Stadt für das Projekt zuständig und qua Leitbild feste Ansprechpartnerin ist, bei einem Treffen des Vereins in Berlin. „Wir können nur voneinander lernen“, so Dietz.