Von Willi Vogl Zell im Wiesental. „…den schluß Chor werde ich mit türkischer Musick machen“, schrieb Wolfgang Amadeus Mozart am 1. August 1781 an seinen Vater. Ein Jahrhundert nach der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken und trotz weiterer kriegerischer Bedrohungen durch das Osmanische Reich war die türkische Kultur im Wien des 18. Jahrhunderts stark in Mode. In diesem Umfeld komponierte Mozart das Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Nicht zufällig trägt eine der Opernfiguren den Namen Konstanze, seiner späteren Frau, die er kurz darauf gegen den Willen seines Vaters in Wien heiratete.

Das „Ensemble FisFüz“ mit Murat Coskun (Perkussion), Annette Maye (Klarinetten) und Gürkan Balkan (Ud, Gitarre, Gesang) präsentierte als Tourneeauftakt im Geburtsort von Constanze Mozart Musik der neuen CD „Mozart im Morgenland“ – charmant moderiert von Heidi Knoblich, der Initiatorin der Veranstaltungsreihe „Webers Reigen“, und kulinarisch angereichert durch leckere türkische Brotsnacks und Baklava.

Als Rahmenhandlung für den Melodienreigen diente eine fiktive Geschichte, in der Mozart sich von zwei entführten Serail-Musikern und einer preußischen Klarinettistin für die exotisch-orientalische Handlung musikalisch inspirieren ließ. So entstand beim Ensemble FisFüz ein Spagat zwischen Mozarts Oper und höfischer Musik aus der Zeit der Osmanen. Vor allem Murat Coskuns vielgestaltige Rahmentrommeln mit und ohne Schellen oder Metallringen sowie Gürkan Balkans Ud, eine türkische Knickhalslaute, sorgten für eindeutige Farbtöne vom Bosporus.

Die zwischen Klezmer-Musik und Jazz angesiedelte Tongebung von Annette Maye gesellte sich stimmig zu den geschlagenen und gezupften Klängen. „Die Klarinette singt und jubelt,… man möchte meinen, sie bläst einem eine Brise türkischer Seeluft ins Gesicht.“ Aussagen dieser Art in nachempfundenen Briefen Mozarts an seinen Vater und seine Frau erwiesen sich als witzige Begleitpoesie.

Ganz in der Tradition türkischer Folklore erklangen auch die von Coskun und Maye bearbeiteten Mozart‘schen Themen überwiegend einstimmig und mit einem kräftigen Schwall geschlagener Motorik. Deren Wirkung basierte vor allem auf fantasievollen und dabei gut beherrschten rhythmischen und melodischen Varianten und dem geschickten Wechsel von Bewegungsmustern und Tempi. Besonders beeindruckte dabei Murat Coskuns schier unbegrenzter Modulationsreichtum mit Fingern und Händen. „Er schlägt, rüttelt und schüttelt seine Trommeln“, ließ sich Mozart hierzu vernehmen. Zwischen den gleichsam zum Tanz anregenden Stücken gab es auch die eine oder andere lyrische Auflockerung, etwa mit einem lieblichen Dialog von Klarinette und Ud in „Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln“.

Das gesamte Programm lieferte mit dem schmalzig quäkenden Swing der Klarinette und dem saitenhuschenden Parallelgemurmel auf der Ud durchaus interessante Farben. Das „Rondo Alla Turca“ geriet schließlich mit klappernden Holzlöffeln in ein kurzweiliges Hinken zwischen Zweier- und Dreiertakt. So führten nicht einmal der nahezu völlige Verzicht auf ein Bassfundament und der stetig oszillierende Singsang der Melodien beim Publikum zur Ermüdung. Begeisterter Beifall für einen harmonisch entmannten Mozart im Serail.