Anzeige Straußen und Weinschenken laden ein

Ein Besen vor dem Haus zeigt an, dass die Straußwirtschaft geöffnet hat. Foto: Peter Ade

Kreis Lörrach (pad). Besen, Hecken, Straußen – die Bezeichnung für den Winzerausschank ist regional sehr verschieden. Der Ursprung ist jedoch allen gemeinsam: Als Zeichen dafür, dass die Winzerstube geöffnet hat, hängt der Winzer einen Strauß, Besen oder Kranz ans Tor.

Im Westen Deutschlands heißen die Stuben deshalb bis heute Straußwirtschaften, im Badischen und im Württembergischen Besenwirtschaften oder Besenschenken – hier war der Besenreisig die Einladung zum Eintreten.

In der Bodenseeregion ist der Name Rädle oder Rädlewirtschaft gebräuchlich, und im Fränkischen ist der Name Heckenwirtschaft verbreitet, was jedoch mit Hecken nichts zu tun hat: Der Begriff kommt von Fränkisch „Häcker“ – und damit war schlicht der Winzer gemeint.

Jetzt laden sie also wieder ein, die urgemütlichen Straußwirtschaften und Weinschenken im Markgräflerland und im Dreiländereck. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der heimischen Weinkultur – mal im Garten eines Winzerhofes, mal in einer rustikalen Scheune und mal als edel ausgestattete Stube oder gar im alten Kreuzgewölbe.

Urgemütliches Ambiente, Markgräfler Wein und typisch badische Gerichte sind die Kennzeichen der „Straußis“ im Dreiland. Auf der Speisekarte stehen Schnitzel mit Brägele, Speck­eier mit Bauernbrot, hausgemachter Pfannkuchen, Schüfeli mit Salat, Kürbisgerichte, Wildschwein oder auch Schwarzwaldforellen.

Eine echte Straußwirtschaft hat maximal 40 Sitzplätze. Sie muss einem landwirtschaftlichen Betrieb angegliedert sein, eigenen Wein ausschenken und darf einfach zubereitete Speisen (aus überwiegend eigener Herstellung) servieren. Eine „Straußi“ darf höchstens 16 Wochen lang pro Jahr geöffnet sein. Dies wird meist auf zwei Perioden im Frühjahr und Herbst verteilt.

Weshalb als Symbol für die Zeit des Ausschanks ausgerechnet ein Besen vor die Tür gehängt wird, ist bis heute unklar. Sicher ist allerdings, dass daraus im schwäbischen Sprachraum der Begriff „Besenwirtschaft“ entstand, während sich hierzulande – in Anlehnung an den bekannten Reisigbesen – die Bezeichnung „Straußwirtschaft“ eingebürgert hat.

Wie viele Straußwirtschaften es in Deutschland gibt, kann man nur schätzen. Der Grund liegt in ihrer individuellen Machart und im deutschen Gaststättenrecht, das den Straußwirtschaften große Freiheiten einräumt. Danach muss ein solcher Ausschank gerade einmal zwei Wochen vorher den Behörden „angezeigt“ werden, dann darf er in der Regel für die Dauer von höchstens vier Monaten geöffnet sein – entweder zusammenhängend oder in zwei Zeitabschnitten im Jahr.

Die Tradition der Straußwirtschaft ist mehr als 1200 Jahre alt und geht wohl auf Karl den Großen zurück. Der soll, so sagt es die Legende, in einem Erlass aus dem Jahr 812 den Winzern den Betrieb von „Kranzwirtschaften“ erlaubt haben – also von Gastwirtschaften, die durch einen ausgehängten Kranz aus Reben oder Efeu kenntlich gemacht wurden. 

So ist eine Straußwirtschaft bis heute ein Ausschank von selbsterzeugtem Wein durch einen Winzer in dessen eigenen Räumlichkeiten. Hängt der Strauß am Tor, so ist zumeist geöffnet. Bis heute folgen Winzer in allen Anbaugebieten Deutschlands dieser lieben Tradition.

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