Auggen „Das Leben hat sich sehr verändert“

Von Claudia Bötsch
Seit 100 Tagen im Amt: Der 33-jährige Ulli Waldkirch ist seit dem 14. September Auggener Bürgermeister. Foto: zVg

Vor genau 100 Tagen hat Ulli Waldkirch das Amt als Bürgermeister in Auggen angetreten. Im ersten Wahlgang hatte er sich am 11. Juli mit rund 55 Prozent der Stimmen gegen seine Mitbewerber durchgesetzt. Im Interview spricht er über seine ersten Eindrücke und Erfahrungen als Rathauschef und wie sich sein Leben seit dem Amtsantritt verändert hat.

Von Claudia Bötsch

Auggen. Außerdem gibt der 33-Jährige einen Ausblick auf wichtige Projekte in der Gemeinde: Neben der Weiterentwicklung der Grundschule steht beispielsweise die Neuausrichtung des Winzerfests an. Vorantreiben will der neue Bürgermeister zudem die Themen Wohnbebauung, Digitalisierung und „Klimaneutrales Auggen“.

Frage: Herr Waldkirch, Sie sind jetzt seit 100 Tagen im Amt. Wie sehr hat sich Ihr persönliches Leben seit dem Amtsantritt verändert?

Das Leben hat sich sehr verändert. Ich musste mich unter anderem daran gewöhnen, nicht mehr alleine Herr über meinen Terminkalender zu sein. Auch war es für mich wieder eine Umstellung, nicht mehr Zuhause zu arbeiten, was für die Familie etwas einfacher war. So konnte ich zwischendurch immer mal daheim vorbeischauen oder war grundsätzlich sehr flexibel. Es hat sich aber schon sehr gut eingespielt, und meine Frau unterstützt mich sehr und hält mir den Rücken frei.

Frage: Von der Leitung des eigenen Weinguts in den Auggener Rathaus-Chefsessel: Was ist der größte Unterschied zu Ihrer neuen Aufgabe?

Im Weingut hat sich alles um die Reben, den Keller und die Vermarktung gedreht. Alles rund ums Thema Wein. Auf dem Rathaus sind es sehr viel mehr Aufgaben, die es zu bearbeiten gibt. Das Rathausteam und somit auch der Bürgermeister müssen sich mit den unterschiedlichsten Themen auseinandersetzen, es ist deutlich umfangreicher. Und dann ist da noch der Unterschied zwischen der körperlichen Arbeit oftmals an der frischen Luft zur überwiegenden Bürotätigkeit mit „Denkarbeit“. Beides anstrengend auf unterschiedliche Weise.

Frage: Was sind Ihre Pläne für Auggen: Welche Projekte stehen in den kommenden Monaten als erstes und welche längerfristig an?

Die großen Projekte sind in Auggen vorgegeben. Die Weiterentwicklung der Grundschule beschäftigt mich seit Amtsantritt und wird die Gemeinde und mich noch viele Monate/Jahre beschäftigen. Hierauf liegt auch ein besonderes Augenmerk, da es die Gemeinde sehr viel Geld kosten wird. Die Neuausrichtung des beliebten Auggener Winzerfests steht kurzfristig auf der Agenda, genauso das erste Jugendforum.

Frage: Was soll sich in der Gemeinde für die Bürger in den nächsten fünf Jahren verändern?

Ich hoffe, dass wir in den nächsten fünf Jahren eine gute ÖPNV-Anbindung durch Bus und Bahn haben werden. In fünf Jahren werden wir auf erfolgreiche Winzerfeste und einen tollen Zusammenhalt unter den Vereinen blicken können. Unsere Schulkinder besuchen eine moderne und schöne Grundschule mit tollem Profil und ansprechendem Angebot auch durch unsere Ganztagsbetreuung. Wir haben Wohnraum für die Auggenerinnen und Auggener geschaffen, die gerne im Ort wohnen bleiben wollen. Ebenso stehen die tollen Auggener Betriebe in fünf Jahren noch besser da, als sie es ohnehin schon jetzt sind. Die Gemeinde soll sich weiter so erfolgreich entwickeln wie in den vergangenen Jahren auch.

Frage: Ihr Wahlkampf stand unter dem Motto „Frischer Wind für Auggen“: Wie viel Neues konnten Sie in den ersten drei Monaten schon ins Rathaus und die Gemeinde bringen?

Im Rathaus müssen Sie die Mitarbeiter fragen, ich war ja vorher nicht auf dem Rathaus beschäftigt. Spaß beiseite. Ich habe den Vorteil, dass ich als neutraler Bürgermeister nach Auggen gekommen bin. Dadurch kann ich bei einigen Dingen ganz von vorne beginnen, ohne auf die Vergangenheit zu schauen. Dies bringt automatisch einen „frischen Wind“. Das Rathausteam ist hochmotiviert und engagiert, genauso auch die Dorfgemeinschaft. Ich hoffe, wir können dies alles nutzen, wenn die Alarmstufen der Coronazeit wieder vorbei sind.

Frage: Als Bürgermeister-Kandidat sind Sie drei Wochen lang von Haus zu Haus gegangen. Auch als Rathauschef wollten Sie „direkt und offen mit den Bürgern im Gespräch bleiben“. Gab es schon Anregungen von Bürgern, die Sie in Angriff nehmen wollen?

Ich spüre, dass die Mitbürgerinnen und Mitbürger in Auggen gerne direkt den Kontakt zum Bürgermeister suchen, und das finde ich gut. Auch bekomme ich über unterschiedliche Messenger-Dienste Nachrichten und kann diese dann sehr schnell und kurzfristig weiterleiten und erledigen. In Zeiten von Corona muss man eben flexibel und auch digital sein. Wir müssen an der Digitalisierung des Rathauses weiterarbeiten und dadurch den schnellen, direkten Weg für die Bürger verbessern.

Frage: Was wollen Sie in Ihrem ersten Amtsjahr auf jeden Fall erreicht haben?

Ich möchte eine Perspektive oder bereits ein Angebot an Grundstücken zur Wohnbebauung haben, da die Gemeinde Auggen derzeit kein einziges Grundstück anbieten kann. Dasselbe gilt für Gewerbeflächen. Hier müssen wir, vor allem für die Auggenerinnen und Auggener, Flächen zur Verfügung stellen. Auch muss die Grundschulplanung abgeschlossen sein, damit wir zügig mit dem Bau beginnen können. Hier drängt die Zeit.

Frage: Gibt es besondere Akzente, die Sie als neuer Bürgermeister von Auggen setzen wollen?

Ich möchte gerne einen großen Schritt in Richtung klimaneutrales Auggen machen. Dazu gehören unterschiedliche Ansätze. Photovoltaik-Anlagen auf gemeindeeigenen Dächern und Flächen. Beim Schulneubau planen wir bereits jetzt ein Nahwärmenetz, das auch weitere Gebäude im Umfeld versorgen kann. Im Verkehr versuchen wir mit Partnern ein Auggener Carsharing-Modell zu starten. Ganz aktuell wollen wir eine Auggener Spielplatzinitiative starten und dazu auch ein Crowdfunding-Projekt ins Leben rufen. Dieses wird dieser Tage starten und wir freuen uns über zahlreiche Unterstützer in Form von Spenden, Ideen oder Arbeitsleistung.

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