Auggen Der Gotthardtunnel im Kleinen

Auggen - Im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn müssen Wasser- und Abwasserleitungen, aber auch Strom- und Telekommunikationsleitungen neu verlegt werden. „Willkommen auf der teuersten Baustelle in Auggen“, sagte Bürgermeister Fritz Deutschmann am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Termin auf der Baustelle. Rund 4,1 Millionen Euro kostet die Neuverlegung der Leitungen, davon muss die Weinbaugemeinde 3,2 Millionen Euro tragen.

Der Katzenberg- oder Gotthardtunnel en miniature: Bei der Bohrung der Leitungen unter den Bahngleisen kommt die gleiche Technik zum Einsatz wie bei den Tunneln, nur eben im kleineren Maßstab, erläuterte Bohrmeister Gerald Fietze von der Firma Sonntag Bau.

150 Meter lange Trasse

So genannte Vollschild-Vortriebsköpfe von der Firma Herrenknecht werden auf der Westseite der Bahntrasse in eine so genannte Startgrube hinabgelassen, fräsen sich durch den Untergrund und werden auf der Ostseite wieder aus der Zielgrube herausgeholt. Von Dienstag auf Mittwoch bohrten zwei Schichten à vier Mann die rund 150 Meter lange Leitungstrasse. Knapp 24 Stunden später – viel schneller als erwartet – war die Bohrung am Mittwoch gegen 6.30 Uhr beendet

4,50 Meter tief gebohrt

Die erste Bohrung hat einem Durchmesser von 80 Zentimetern und führt in einer Tiefe von 4,50 Metern unter den Bahngleisen hindurch. Das Schutzrohr nimmt künftig die Brauchwasserleitung auf, mit der die Saftkelterei Jacoby mit dem Wasser für die Obstwaschanlage versorgt wird. Außerdem werden im Rohr eine Steuerleitung für das Abwasserhebewerk sowie Glasfaserleitungen von Vodafone untergebracht, erläuterte Planer Adolf Himmelsbach. Die Verlegung ist erforderlich, da am Standort der bestehenden Leitung die künftige Fußgängerunterführung zum Bahnsteig gebaut wird. Die neue Leitung wurde daher rund 90 Meter nach Süden verlegt.

Weitere Bohrungen

In den nächsten beiden Wochen erfolgen zwei weitere Bohrungen mit Durchmessern von 150 Zentimetern und 50 Zentimetern für die Abwasserleitungen, die zum Hebewerk auf der Westseite der Bahntrasse führen.

Eine bestehende Abwasserleitung soll künftig als Medienschutzrohr genutzt werden, um dort Trinkwasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen hindurchzuführen

Insgesamt gibt es derzeit fünf verschiedene Leitungen, welche die Bahntrasse queren und die im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn verlegt und verlängert werden müssen. Bei zwei Bauwerken aus den Jahren 1930 und 1956 gibt es keine vertragliche Vereinbarung und die Bahn muss sich an den Kosten beteiligen.

Kosten der Gemeinde

Bei den später gebauten Leitungsquerungen aus den 1970er- und 1990er-Jahren muss die Gemeinde die Kosten selbst tragen, was den hohen Anteil von 3,2 Millionen Euro für die Gemeinde an den Gesamtkosten erklärt. Die Bahn beteiligt sich mit einem Betrag von 600 000 Euro an den Baukosten, der Stromversorger Energiedienst mit 230 000 Euro und die Firma Vodafone mit 80 000 Euro.

Finanziert werde die Maßnahme zunächst über Kredite. Zinsen, Tilgung, Abschreibungen und Unterhalt fließen dann in die Gebührenkalkulation von Wasser und Abwasser ein, erläuterte Bürgermeister Fritz Deutschmann am Rande der Baustellenbegehung im Gespräch mit unserer Zeitung.

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